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Vermischte Gedichte.
Und da NUN Marcus nach genoßnem MahleDem Herrn und seinen Wirthen sich geneigt,Erbat er sich noch eine reine SchaleVoll Wasser, und auch die ward ihm gereicht.Dann führten sie ihn zu dem großen Saale,Worin sich ihm ein seltner Anblick zeigt.
Was er dort sah, soll nicht verborgen bleiben,
Ich will es euch gewissenhaft beschreiben.
Kein Schmuck war hier, die Augen zu verblenden,Ein kühnes Kreuzgewölbe stieg empor,
Und dreizehn Stühle sah er an den WändenUmher geordnet, wie im frommen Chor,
Gar zierlich ausgeschnitzt von klugen Händen;
Es stand ein kleiner Pult an jedem vor.
Man fühlte hier der Andacht sich ergeben,
Und Lebensruh und ein gesellig Leben.
Zu Häupten sah er dreizehn Schilde hangen.
Denn jedem Stuhl war eines zugezählt.
Sie schienen hier nicht ahnenstolz zu prangen,
Ein jedes schien bedeutend und gewählt,
Und Bruder Marcus brannte vor VerlangenZu wissen, was so manches Bild verhehlt;
Im mittelsten erblickt' er jenes ZeichenZum zweitenmal, ein Kreuz mit Rosenzweigen.
Die Seele kann sich hier gar vieles bilden,
Ein Gegenstand zieht von dem andern fort;
Und Helme hängen über manchen Schilden,
Auch Schwert und Lanze sieht man hier und dort;Die Waffen, wie man sie von SchlachtgefildenAuflesen kann, verzieren diesen Ärt:
Hier Fahnen und Gewehre fremder Lande,
Und, seh' ich recht, auch Ketten dort und Bande!
Ein jeder sinkt vor seinem Stuhle nieder,
Schlägt auf die Brust in still Gebet gekehrt;
Von ihren Lippen tönen kurze Lieder,
In denen sich andächt'ge Freude nährt;
Dann segnen sich die treu verbundnen BrüderZum kurzen Schlaf, den Phantasie nicht stört:Stur Marcus bleibt, indem die Andern gehen,Mit einigen im Saale schauend stehen.
So mlld' er ist, wünscht er noch fort zu wachen,Denn kräftig reizt ihn manch und manches Bild:Hier sieht er einen feuerfarbnen Drachen,
Der seinen Durst in wilden Flammen stillt;
Hier einen Arm in eines Bären Rachen,
Bon deni das Blut in heißen Strömen quillt;
Die beiden Schilder hingen, gleicher Weite,
Beim Rosenkranz znr recht- und linken Seite.
Du kommst hierher auf wunderbaren Pfaden,Spricht ihn der Alte wieder freundlich an;
Laß diese Bilder dich zu bleiben laden,
Bis du erfährst, was mancher Held gethan;
Was hier verborgen, ist nicht zu errathen,
Man zeige denn es dir vertraulich an;
Du ahnest wohl, wie manches hier gelitten,
Gelebt, verloren ward, und was erstritten.
Doch glaube nicht, daß nur von alten ZeitenDer Greis erzählt, hier geht noch manches vor;Das, was du siehst, will mehr und mehr bedeuten;Ein Teppich deckt es bald und bald ein Flor.
Beliebt es dir, so magst du dich bereiten:
Du kamst, o Freund, nur erst durch's erste Thor;Im Vorhof bist du freundlich aufgenommen,
Und scheinst mir werth in's Innerste zu kommen.
Nach kurzem Schlaf in einer stillen ZelleWeckt unsern Freund ein dumpfer Glockenton.
Er rafft sich auf mit unverdroßner Schnelle,
Dem Ruf der Andacht folgt der Himmelssohn.Geschwind bekleidet eilt er nach der Schwelle,
Es eilt sein Herz voraus der Kirche schon,Gehorsam, ruhig, durch Gebet beflügelt;
Er klinkt am Schloß, und findet es verriegelt.
Und wie er horcht, so wird in gleichen ZeitenDreimal ein Schlag auf hohles Erz erneut,
Richt Schlag der Uhr und auch nicht Glockenläuten,Ein Flötenton mischt sich von Zeit zu Zeit;
Der Schall, der seltsam ist und schwer zu deuten,Bewegt sich so, daß er das Herz erfreut,
Einladend ernst, als wenn sich mit GesängenZufriedne Paare durch einander schlängen.
Er eilt an's Fenster, dort vielleicht zu schauen,
Was ihn verwirrt und wunderbar ergreift;
Er sieht den Tag im fernen Osten grauen,
Den Horizont mit leichtem Duft gestreift.
Und — soll er wirklich seinen Augen trauen? —Ein seltsam Licht, das durch den Garten schweift;Drei Jünglinge mit Fackeln in den HändenSieht er sich eilend durch die Gänge wenden.
Er sieht genau die weißen Kleider glänzen,
Die ihnen knapp und wohl am Leibe stehn,
Ihr lockig Haupt kann er mit Blumenkränzen,
Mit Rosen ihren Gurt umwunden sehn;
Es scheint, als kämen sie von nächt'gen Tänzen,Von froher Mühe recht erquickt und schön.
Sie eilen nun und löschen, wie die Sterne,
Die Fackeln aus, und schwinden in die Ferne.