Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Die ihr eures Meisters AndachtTausend Enkeln zeigen solltet.

Frau.

Staunest, Fremdling,

Diese Stein' an?

Droben sind der Steine vielUm meine Hütte.

Wandrer.

Droben?

Frau.

Gleich zur LinkenDurch's Gebüsch hinan,

Hier.

Wandrer.

Ihr Musen und Grazien!

Frau.

Das ist meine Hütte.

Wandrer.

Eines Tempels Trümmer.

Frau.

Hier zur Seit' hinabQuillt der Brunnen,

Den ich trinke.

Wandrer.

Glühend webst duUeber deinem Grabe,

Genius! über dirIst zusammengestürztDein Meisterstück,

O du Unsterblicher!

Frau.

Wart', ich hole das GefäßDir zum Trinken.

Wandrer.

Epheu hat deine schlankeGötterbildung umkleidet.

Wie du emporstrebstAus dem Schütte,

Säulenpaar!

Und du einsame Schwester dort,

Wie ihr,

Düstres Moos auf dem heiligen Haupt,Majestätisch trauernd herabschautAuf die zertrümmertenZu euern Füßen,

Eure Geschwister!

In des Brombeergesträuches SchattenDeckt sie Schutt und Erde,

Und hohes Gras wankt drüber hin!Schätzest du so, Natur,

Deines Meisterstücks Meisterstück?Unempfindlich zertrümmerst du

Dein Heiligthum?

Säest Disteln drein?

Frau.

Wie der Knabe schläft!

Willst du in der Hütte ruhn,

Fremdling? Willst du hierLieber in dem Freien bleiben?

Es ist kühl! Nimm den Knaben,

Daß ich Wasser schöpfen gehe.

Schlafe, Lieber! schlaf!

Wandrer.

Süß ist deine Ruh!

Wie's, in himmlischer GesundheitSchwimmend, ruhig athmet!

Du, geboren über RestenHeiliger Vergangenheit,

Ruh' ihr Geist auf dir!

Welchen der umschwebt,

Wird in GötterselbstgefühlJedes Tags genießen.

Voller Keim blüh' auf,

Des glänzenden FrühlingsHerrlicher Schmuck,

Und leuchte vor deinen Gesellen!

Und welkt die Blüthenhülle weg,

Dann steig' aus deinem BusenDie volle Frucht,

Und reife der Sonn' entgegen.

Frau.

Gesegne's Gott! — Und schläft er noch?

Ich habe nichts zum frischen Trunk,

Als ein Stück Brod, das ich dir bieten kann.

Wandrer.

Ich danke dir.

Wie herrlich alles blüht umherUnd grünt!

Frau.

Mein Mann wird baldNach Hause seyn

Vom Feld. O bleibe, bleibe, Mann!

Und iß mit uns das Abendbrod.

Wandrer.

Ihr wohnet hier?

Frau.

Da, zwischen dem Gemäuer her.

Die Hütte baute noch mein VaterAus Ziegeln und des Schuttes Steinen.Hier wohnen wir.

Er gab mich einem Ackersmann,

Und starb in unsern Armen. —

Hast du geschlafen, liebes Herz?

Wie er munter ist, und spielen will!

Du Schelm!