Kunst.
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Wan drer.
Natur! du ewig keimende.
Schaffst jeden zum Genuß des Lebens,Hast deine Kinder alle mütterlichMit Erbtheil ausgestattet, einer Hütte.Hoch baut die Schwalb' an das Gesims,Unfühlend, welchen ZierrathSie verklebt;
Die Raup' umspinnt den goldnen ZweigZum Winterhaus sür ihre Brüt;
Und du flickst zwischen der VergangenheitErhabne TrümmerFür deine Bedürfniss'
Eine Hütte, o Mensch,
Genießest über Gräbern! —
Leb wohl, du glücklich Weib!
Frau.
Du willst nicht bleiben?
Wandrer.
Gott erhalt' euch,
Segn' euern Knaben!
Frau.
Glück auf den Weg!
Wandrer.
Wohin führt mich der PfadDort über'n Berg?
Frau.
Nach Cuma.
Wandrer.
Wie weit ist's hin?
Frau.
Drei Meilen gut.
Wandrc r.
Leb wohl!
O leite meinen Gang, Natur!
Den Fremdlings-Reisetritt,
Den über GräberHeiliger VergangenheitIch wandle.
Leit' ihn zum Schutzort,
Vor'm Nord gedeckt,
Und wo dem MittagsstrahlEin Pappelwäldchen wehrt.
Und kehr' ich dannAm Abend heimZur Hütte,
Vergoldet vorn letzten Sonnenstrahl;
Laß mich empfangen solch ein Weib,
Den Knaben auf dem Arm!
Künstlers Morgenlied.
Der Tempel ist euch aufgebaut,
Ihr hohen Musen all,
Und hier in meinem Herzen istDas Allerheiligste.
Wenn Morgens mich die Sonne weckt,
Warm, froh ich schau' umher,
Steht rings ihr EwiglebendenIm heil'gen Morgenglanz.
Ich bet' hinan, und LobgesangIst lauter mein Gebet,
Und freudeklingend SaitenspielBegleitet mein Gebet.
Ich trete vor den Altar hin,
Und lese, wie sich's ziemt,
Andacht liturg'scher LectionIm heiligen Homer.
Und wenn er in's Getümmel michVon Löwenkriegern reißt,
Und Göttersöhn' auf Wagen hochNachglühend stürmen an,
Und Roß dann vor dem Wagen stürzt,
Und drunter und drüber sichFreund', Feinde wälzen in Todesblut —
Er sengte sie dahin
Mit Flammenschwert der Heldensohn,Zehntausend auf einmal,
Bis dann auch er, gebändigetVon einer Götterhand,
Ab auf den Rogus niederstürzt,
Den er sich selbst gehäuft,
Und Feinde nun den schönen LeibVerschändend tasten an:
Da greis' ich muthig auf, es wirdDie Kohle zum Gewehr,
Und jene meine hohe WandIn Schlachtfeld-Wogen brauf't.
Hinan! Hinan! Es heulet lautGebrüll der Feindeswuth,
Und Schild an Schild, und Schwert auf Helm,Und um den Todten Tod.
Ich dränge mich hinan, hinan,
Da kämpfen sie um ihn,
Die tapfern Freunde, tapfererIn ihrer Thränenwuth.
Ach, rettet! Kämpfet! Rettet ihn!
In's Lager tragt ihn fort,
Und Balsam gießt dem Todten auf,
Und Thränen Todten-Ehr!
Goethe, Werke. I.
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