15L
Epigrammatisch.
Für Sie.
„In deinem Liede waltenGar manche schöne Namen!"Sind mancherlei GestaltenDoch nur Ein Rahmen.
„Nun aber die Schöne,
Die dich am Herzen hegte?"Jede kennt die Töne,
Die sie erregte.
Stets derselbe.
Wenn ich auf dem Markte geh'Durch's Gedränge,
Und das hübsche Mädchen seh'
In der Menge;
Geh' ich hier, sie kommt heran,Aber drüben;
Niemand sieht uns beiden au,Wie wir lieben.
„Alter, hörst du noch nicht auf!Immer Mädchen!
In dem jungen LebenslaufWar's ein Käthcheu.
Welche jetzt den Tag versüßt?Sag's mit Klarheit."
Seht nur hin, wie sie mich grüßt,Es ist die Wahrheit!
Den Msolutisten.
„Wir streben nach dem AbsolutenAls nach dem allerhöchsten Guten."
Ich stell' es einem jeden frei;
Doch merkt' ich mir vor andern Dingen:Wie unbedingt uns zu bedingenDie absolute Liebe seh.
Käthsel.
Ein Werkzeug ist es, alle Tage nöthig,
Den Männern weniger, den Frauen viel,
Zum treusten Dienste gar gelind erbötig,
Im Einen vielfach, spitz und scharf. Sein SpielGern wiederholt, wobei wir uns bescheiden:
Von außen glatt, wenn wir von innen leiden.
Doch Spiel und Schmuck erquickt uns nur auf's neue,Ertheilte Lieb' ihm erst gerechte Weihe.
Desgleichen.
Die besten Freunde, die wir haben,
Sie kommen nur mit Schmerzen an.Und was sie uns für Weh gethan,
Ist fast so groß als ihre Gaben.
Und wenn sie wieder Abschied nehmen,Muß man zu Schmerzen sich bequemen.
Feindseliger Blick.
„Du kommst doch über so viele hinaus;Warum bist du gleich außer'm Haus,Warum gleich aus dem Häuschen,Wenn einer dir mit Brillen spricht?Du machst ein ganz verflucht Gesicht,Und bist so still wie Mäuschen."
Das scheint doch wirklich sonnenklar!Ich geh' mit Zügen frei und bar,
Mit freien treuen Blicken;
Der hat eine Maske vorgethan,
Mit Späherblicken kommt er an;Darein sollt' ich mich schicken?
Was ist denn aber beim GesprächDas Herz und Geist erfüllet,
Als daß ein ächtes WortgeprägVon Aug' zu Auge quillet!
Kommt jener nun mit Gläsern dort,So bin ich stille, stille;
Ich rede kein vernünftig WortMit einem durch die Brille.
Virlrath.
Spricht man mit jedermann,
Da hört man keinen,
Stets wird ein andrer MannAuch anders meinen.
Was wäre Rath sodannVor unsern Ohren?
Kennst du nicht Mann für Mann:Du bist verloren.
Sprache.
Was reich und arm! Was stark und schwach!Ist reich vergrabner Urne Bauch?
Ist stark das Schwert im Arsenal?
Greif milde drein, und freundlich GlückFließt, Gottheit, von dir aus!
Faß an zum Siege, Macht, das SchwertUnd über Nachbarn Ruhm!