Epigrammatisch.
Gleichgewinn.
Geht einer mit dem andern hinUnd auch wohl vor dem andern;
Drum laßt uns, treu und brav und kühn,Die Lebenspfade wandern.
Es fällt ein jüngerer SoldatWohl in den ersten Schlachten;
Der andre muß in's Alter spatIm Bivouac übernachten.
Doch weiß er eifrig seinen RuhmUnd seines Herrn zu mehren,
So bleibt sein letztes EigenthumGewiß das Bett der Ehren.
Lebensgenuß.
„Wie man nur so leben mag?
Du machst dir gar keinen guten Tag!"Ein guter Abend kommt heran,
Wenn ich den ganzen Tag gethan.
Wenn man mich da und dorthin zerrtUnd wo ich nichts vermag,
Bin von mir selbst nur abgesperrt,
Da hab' ich keinen Tag.
Thut sich nun auf, was man bedarfUnd was ich wohl vermag,
Da greif' ich ein, es geht so scharf,
Da hab' ich meinen Tag.
Ich scheine mir an keinem Ort,
Auch Zeit ist keine Zeit,
Ein geistreich-aufgeschloßnes WortWirkt auf die Ewigkeit.
Heut und ewig.
Unmöglich isi's den Tag dem Tag zu zeigen,Der nur Berworrnes im Verworrnen spiegelt,Und jeder selbst sich fühlt als recht und eigen,Statt sich zu zügeln, nur am andern zllgelt;Da ist's den Lippen besser, daß sie schweigen,Indeß der Geist sich fort und fort beflügelt.Aus Gestern wird nicht Heute; doch Aeonen,Sie werden wechselnd sinken, werden thronen.
Hchlußpoetik.
Sage Muse, sag' dem Dichter,Wie er denn es machen soll?Denn der wunderlichsten RichterIst die liebe Welt so voll.
Immer hab' ich doch den rechtenKlaren Weg im Lied gezeigt,Immer war es doch den schlechtenDüstren Pfaden abgeneigt.
Wer was die Herren wollten,Ward mir niemals ganz bekannt;Wenn sie wüßten, was sie sollten,Wär' es auch wohl bald genannt.
„Willst du dir ein Maaß bereiten;Schaue, was den Edlen mißt,Was ihn auch entstellt zu Zeiten,Wenn der Leichtsinn sich vergißt.
Solch ein Inhalt deiner Sänge,Der erbauet, der gefallt,
Und, im wüstesten Gedränge,Dankt's die stille beßre Welt.
Frage nicht nach anderm Titel,Reinem Willen bleibt sein Recht!Und die Schurken laß dem Büttel,Und die Narren dem Geschlecht."
Der Narr epilogirt.
Manch gutes Werk hab' ich verricht,
Ihr nehmt das Lob, das kränkt mich nicht:
Ich denke, daß sich in der WeltAlles bald wieder in's Gleiche stellt.
Lobt man mich, weil ich was Dummes gemachtDann mir das Herz im Leibe lacht;
Schilt man mich, weil ich was Gutes gethan,So nehm ich's ganz gemächlich an.
Schlägt mich ein Mächtiger, daß es schmerzt,So thu' ich, als hätt' er nur gescherzt;
Doch ist es einer von meines Gleichen,
Den weiß ich wacker durchzustreichen.
Hebt mich das Glück, so bin ich frohUnd sing' in ciulei üudilo;
Senkt sich das Rad und quetscht mich nieder,So denk' ich: Nun, es hebt sich wieder!
Grille nicht bei Sommersonnenschein,
Daß es wieder werde Winter seyn:
Und kommen die weißen Flockenschaaren,
Da lieb' ich mir das Schlittenfahren.
Ich mag mich stellen, wie ich will,
Die Sonne hält mir doch nicht still,
Und immer geht's den alten GangDas liebe lange Leben lang;
Der Knecht so wie der Herr vom HausZiehen sich täglich an und aus,
Sie mögen sich hoch oder niedrig messen:Müssen wachen, schlafen, trinken und essen.Drum trag' ich über nichts ein Leid;
Macht's wie der Narr, so seyd ihr gescheidt!