Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Oott und Nrlt.

Weite Weit und breites Lebe»,Lanqer Jahre redlich Streben,

Stets geforscht und stets gegründet,Nie geschlossen, oft gerundet,Nettestes bewahrt mit Treue,Freundlich aufgefaßtes Neue,

Heitern Sinn und reine Zwecke!

Nun! man kommt wohl eine Strecke,

ktloosiuioii.

Im Namen dessen, der Sich selbst erschuf,

Von Ewigkeit in schassendem Beruf;

In Seinem Namen, der den Glauben schafft,Vertrauen, Liebe, Thätigkeit und Kraft;

In Jenes Namen, der, so oft genannt,

Dem Wesen nach blieb immer unbekannt:

So weit das Ohr, so weit das Auge reicht,

Du findest nur Bekanntes, das Ihm gleicht,

Und deines Geistes höchster FeuerflugHat schon am Gleichniß, hat am Bild genug;

Es zieht dich an, es reißt dich heiter fort,

Und wo du wandelst, schmückt sich Weg und Ort;Du zählst nicht mehr, berechnest keine Zeit,

Und jeder Schritt ist Unermeßlichkeit.

Was wär' ein Gott, der nur von außen stieße,Im Kreis das All am Finger laufen ließe!

Ihm ziemt's, die Welt im Innern zu bewegen,Natur in Sich, Sich in Natur zu hegen,

So daß was in Ihm lebt und webt und ist,

Nie Seine Kraft, nie Seinen Geist vermißt.

Im Innern ist ein Universum auch;Daher der Völker löblicher Gebrauch,Daß jeglicher das Beste, was er kennt,Er Gott, ja seinen Gott benennt,

Ihm Himmel und Erden übergiebt,Ihn furchtet, und wo möglich liebt.

Weltseele.

Vertheilet euch durch alle RegionenVon diesem hcil'gen Schmaus!

Begeistert reißt euch durch die nächsten ZonenJn's All und füllt es aus!

Schon schwebet ihr in nngemcßnen FernenDen sel'gen Göttertraum,

Und leuchtet neu, gesellig, unter SternenIm lichtbesä'ten Raum.

Dann treibt ihr euch, gewaltige Kometen,

Jn's Weit' und Weitr' hinan.

Das Labyrinth der Sonnen und PlanetenDurchschneidet eure Bahn.

Ihr greifet rasch nach ungeformten ErdenUnd wirket schöpfrisch jung,

Daß sie belebt und stets belebter werdenIm abgemeßnen Schwung.

Und kreisend führt ihr in bewegten LüftenDen wandelbaren Flor,

Und schreibt dem Stein in allen seinen GrüftenDie festen Formen vor.

Nun alles sich mit göttlichem ErkühnenZu übertreffen strebt;

Das Wasser will, das unfruchtbare, grünenUnd jedes Stäubchen lebt.

Und so verdrängt mit liebevollem Streite»

Der feuchten Qualme Nacht;

Nun glühen schon des Paradieses Weiten,

In überbunter Pracht.