Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Gott und Welt.

159

Wie regt sich bald, ein holdes Licht zu schauen,Gestaltenreiche Schaar,

Und ihr erstaunt, auf den beglückten Auen,

Nun als das erste Paar,

Und bald verlischt ein unbegränztes StrebenIm sel'gen Wechselblick.

Und so empfangt, mit Dank, das schönste LebenVom All in's All zurück.

Lins und Älles.

Im Gränzenlosen sich zu finden,

Wird gern der Einzelne verschwinden,

Da löst sich aller Ueberdruß;

Statt heißem Wünschen, wildem Wollen,Statt läst'gem Fordern, strengem Sollen,Sich aufzugeben ist Genuß.

Weltseele, komm' uns zu durchdrängen!Dann mit dem Weltgeist selbst zu ringenWird unsrer Kräfte Hochberuf.Theilnehmend führen gute Geister,Gelinde leitend, höchste Meister,

Zu dem, der alles schafft und schuf.

Und umzuschaffen das Geschaffne,

Damit sich's nicht zum Starren waffne,Wirkt ewiges, lebendiges Thun.

Und was nicht war, nun will es werden,Zu reinen Sonnen, farbigen Erden,

In keinem Falle darf es ruhn.

Es soll sich regen, schaffend Handeln,

Erst sich gestalten, dann verwandeln;

Nur scheinbar steht's Momente still.

Das Ewige regt sich fort in allen:

Denn alles muß in Nichts zerfallen,Wenn es im Seyn beharren will.

Vermächtnis.

Kein Wesen kann zu nichts zerfallen!Das Ewige regt sich fort in allen,

Am Seyn erhalte dich beglückt!

Das Seyn ist ewig; denn GesetzeBewahren die lcbend'gen Schätze,

Aus welchen sich das All geschmückt.

Das Wahre war schon längst gefunden,Hat edle Geisterschaft verbunden,

Das alte Wahre saß es an!

Verdank' es, Erdensohn, dem Weisen,Der ihr die Sonne zu umkreisenUnd dem Geschwister wies die Bahn.

Sofort nun wende dich nach innen,

Das Centrum findest du da drinnen,Woran kein Edler zweiseln mag.

Wirst keine Regel da vermissen;

Denn das selbstständige GewissenIst Sonne deinem Sittentag.

Den Sinnen hast du dann zu Kauen;Kein Falsches lassen sie dich schauen,Wenn dein Verstand dich wach erhält.Mit frischem Blick bemerke freudig,

Und wandle, sicher wie geschmeidig,Durch Auen reich begabter Welt.

Genieße mäßig Füll' und Segen;Vernunft sey überall zugegen.

Wo Leben sich des Lebens freut.

Dann ist Vergangenheit beständig,

Das Künftige voraus lebendig,

Der Augenblick ist Ewigkeit.

Und war es endlich dir gelungen,

Und bist du vom Gefühl durchdrungen:Was fruchtbar ist, allein ist wahr;

Du prüfst das allgemeine Walten,

Es wird nach seiner Weise schalten,Geselle dich zur kleinsten Schaar.

Und wie von Alters her, im Stillen,Ein Liebewerk, nach eignem Willen,Der Philosoph, der Dichter schuf;

So wirst du schönste Gunst erzielen:Denn edlen Seelen vorzufühlenIst wünschenswerthester Berns.

parabase.

Freudig war, vor vielen Jahren,Eifrig so der Geist bestrebt,

Zu erforschen, zu erfahren,

Wie Natur im Schaffen lebt.

Und es ist das ewig Eine,

Das sich vielfach offenbart;

Klein das Große, groß das Kleine,Alles nach der eignen Art.

Immer wechselnd, fest sich haltend.Nah und fern und fern und nah;So gestaltend, umgestaltend —Zum Erstaunen bin ich da.

Die Metamorphose der pflanze».

Dich verwirret, Geliebte, die tausendfältige MischungDieses Blnmengewühls über dem Garten umher;Viele Manien hörest du an, und immer verdrängetMit barbarischem Klang einer den andern im Ohr.