A»S fremden Sprachen.
Prächtig war's am Carnevale,
In der Oper euch zu sehen,
Wie erhabne Sultaninnen,
Wie des Moguls Herrscherin.
Nur wer in den Hintern BänkenNichts vom Schauspiel sehen konnte,
Zog die uniescheidnen FedernLotto voos weidlich durch.
Diese schöne fremde SitteKam aus England nicht herüber,
Nicht aus Frankreich, nicht aus Spanien,Nicht aus Persien noch Catay.
Unter unsre Römerinnen,
Schnell sich vom Olympus stürzend,Brachte sie der Götterbote,
Der geflügelte Mercur.
Er erzählte, daß da drobenJede Göttin ihre LockenHoch und breit mit Federn zieret,
Wenn sie sich verschönern will.
Daß Minerva, die bescheidne,
Jüngferlich und blau von Augen,
Diese Mode mitzumachenIhren armen Kauz gerupft.
Daß der Liebe schöne MutterSelbst ihr Taubenpaar entfiedert,
Ja die Federn von dem HelmeIhrem Kriegesgott entwandt.
Und daß sich die hohe stolzeJuno, Jupiters Gemahlin,
Von dem Schwefle ihres PsauenEinen Federbusch gemacht.
Billig reizt euch das Verlangen,
Holde Töchter unsrer Tiber,
Mit den Federn in den LockenGötterfrauen gleich zu seyn.
Aber hinter jener UlmeSeh' ich einen Satyr lauschen,
Der euch in's Gesichte lachendUnterm Ziegenbarte knurrt,
Und euch zuruft: „Liebe Damen!
Diese Federn, die ihr waget,
Fliegen freilich; doch ihr fliegetMit dem Hirnchen weiter um."
„Sind nicht bunte Pfauenfedern,
Nicht die Federn weißer Tauben,
Sind die Federn der Verehrer,
Die ihr jeden Tag berupft."
Unverschämter Satyr schließeDeine tückisch bitwe Lippe!
Unsre schönen RömerinnenSind so tugendreich als schön.
Jetzt noch wallt in ihrem BusenDer Lucretia alt Geblüte,
Und ihr Herz und ihre SeeleSind voll Zärtlichkeit und Treu'.
Neugriechisch - Lpirotische Heldenlieder.
i.
Sind Gefilde türkisch worden,
Sonst Besitz der Albanesen;
Stergios ist noch am Leben,
Keines Pascha's achtet er.
Und so lang es schneit hier oben,
Beugen wir den Türken nicht.
Setzet eure Vorhut dahin,
Wo die Wölfe nistend Hecken!
Sey der Sklave Stadtbewohner;Stadtbezirk ist unsern BravenWüster Felsen Klippenspalte.
Eh' als mit den Türken leben,
Lieber mit den wilden Thieren!
II.
Schwarzes Fahrzeug theilt die WelleNächst der Küste von Kassandra,
Ueber ihm die schwarzen Segel,
Ueber ihnen Himmelsbläue.
Kommt ein Türkenschiff entgegen,Scharlachwimpel wehen glänzend.„Streich die Segel unverzüglich,
Nieder laß die Segel du!" —
Nein ich streiche nicht die Segel,Nimmer lass' ich sie herab.
Droht ihr doch, als wär' ich Bräutchen,Bräutchen, das zu schrecken ist.
Jannis bin ich, Sohn des Stathas,Eidam des Bukovalas.
Frisch Gesellen, frisch zur Arbeit!
Auf zum Vordertheil des Schiffes!Türkenblut ist zu vergießen,
Schont nicht der Ungläubigen. —
Und mit einer klugen WendungBeut das Türkenschiff die Spitze;
Jannis aber schwingt hinauf sich,
Mit dem Säbel in der Faust;
Das Gebälke trieft vom BluteUnd geröthet sind die Wellen.