Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Aus fremden Sprache»,

Jeder Brunn hat seinen Wimpel,Seinen Kämpfer jeder Zweig.

Aus den höchsten Gipfel hat sichMir ein Adler aufgesetzt,

Faßt in seinen mächt'gen KlauenEines Helden blutend Haupt."Sage, Haupt! wie ist's ergangen?Fielest du verbrecherisch?"

Speise Vogel, meine Jugend,Meine Mannheit speise nur!Ellenlanger wächst dein Flügel,Deine Klaue spannenlang.

Bei Louron, in TeromeronLebt' ich in dem Kriegerstand,

So in Chasia, auf'm OlymposKämpft' ich bis in's zwölfte Jahr.Sechzig Aga's ich erschlug sie,

Ihr Gefild verbrannt' ich dann;Die ich sonst noch niederstreckteTürken, Albaneser auch,

Sind zu viele, gar zu viele,

Daß ich sie nicht zählen mag.

Nun ist meine Reihe kommen,

Im Gefechte fiel ich brav.

Charon.

VII.

Die Bergeshöhn warum so schwarz?Woher die Wolkenwoge?

Ist es der Sturm, der droben kämpft,Der Regen, Gipfel peitschend?

Nicht ist's der Sturm, der droben kämpft,Nicht Regen, Gipfel peitschend;

Nein Charon ist's, er saust einher,Entführet die Verblichnen;

Die Jungen treibt er vor sich hin,

Schleppt hinter sich die Alten;

Die Jüngsten aber, Säuglinge,

In Reih' gehenkt am Sattel.

Da riefen ihm die Greise zu:

Die Jünglinge sie knieten:

„O Charon, halt! halt am Geheg',

Halt an beim kühlen Brunnen!

Die Alten da erquicken sich,

Die Jugend schleudert Steine,

Die Knaben zart zerstreuen sichUnd pflücken bunte Blümchen."

Nicht am Gehege halt' ich still,

Ich halte nicht am Brunnen;

Zu schöpfen kommen Weiber an,

Erkennen ihre Kinder,

Die Männer auch erkennen sie,

Das Trennen wird unmöglich.

Neugriechische Liebe-Skolien.

i.

Diese Richtung ist gewiß,

Immer schreite, schreite!

Finsterniß und HindernißDrängt mich nicht zur Seite.

Endlich leuchtest meinem Pfad,Luna! klar und golden;

Immer fort und immer gradGeht mein Weg zur Holden.

Nun der Fluß die Pfade bricht,

Ich zum Nachen schreite,

Leite, liebes Himmelslicht!

Mich zur andern Seite.

Seh' ich doch das Lämpchen schonAus der Hütte schimmern;

Laß um deinen WagenthronAlle Sterne glimmern.

2 .

Immerhin und immerfort,Allzuschön erscheinend,

Folgt sie mir von Ort zu Ort,

Und so hab' ich weinend

Ueberall umsonst gefragt,

Feld und Flur durchmessen;

Auch hat Fels und Berg gesagt:Kannst sie nicht vergessen.

Wiese sagte: Geh nach Haus,

Laß dich dort bedauern;

Siehst mir gar zu traurig aus,Möchte selber trauern.

Endlich fasse dir ein HerzUnd begrcif's geschwinder:

Lachen, Weinen, Lust und SchmerzSind Geschwisterkinder.

Einzelne.

Hebe selbst die Hindernisse,Neige dich herab, Cypresse!Daß ich deinen Gipfel küsseUnd das Leben dran vergesse.

Eure Gärtnerei zu lernenKönnte nimmermehr verlangen;Mein Jasmin ist fortgegangen,Meine Rose weilt im Fernen.