Sprüche in Neiwen.
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Nichts vom Vergänglichen,Wie's auch geschah!
Uns zu verewigenSind wir ja da.
Hab' ich gerechter Weis' verschuldetDiese Strafe in alten Tagen?
Erst hab' ich's an den Vatern erduldet,Jetzt muß ich's an den Enkeln ertragen.
„Wer will der Menge widerstehn?"
Ich widerstreb' ihr nicht, ich lass' sie gehn;
Sie schwebt und webt und schwankt und schwirrt,Bis sie endlich wieder Einheit wird.
„Warum erklärst du's nicht und läßt sie gehn?"Geht's mich denn an, wenn sie mich nicht verstehn?
„Sag' nur, wie trägst du so behäglichDer tollen Jugend anmaßliches Wesen?"Fürwahr sie wären unerträglich,
Wär' ich nicht auch unerträglich gewesen.
Ich hör' es gern, wenn auch die Jugend plappert:Das Neue klingt, das Alte klappert.
„Warum willst du nicht mit GewaltUnter die Thoren, die Neulinge schlagen!"Wär' ich nicht mit Ehren alt,
Wie wollt' ich die Jugend ertragen!
„Was wir denn sollen?
Sag' uns in diesen Tagen."
Sie machen, was sie wollen,Nur sollen sie mich nicht fragen.
„Wie doch, betrügerischer Wicht,Verträgst du dich mit allen?"Ich läugne die Talente nicht,Wenn sie mir auch mißfallen.
Wenn einer auch sich überschätzt,Die Sterne kann er nicht erreichen;Zu tief wird er herabgesetzt,
Da ist denn alles bald im Gleichen.
Fahrt nur fort nach eurer WeiseDie Welt zu überspinnen!
Ich in meinem lebendigen KreiseWeiß das Leben zu gewinnen.
Mir will das kranke Zeug nicht munden,Autoren sollten erst gesunden.
Zeig' ich die Fehler des Geschlechts;So heißt es: Thue selbst was rechts.
„Du Kräftiger sey nicht so still,Wenn auch sich andere scheuen."Wer den Teufel erschrecken will,Der muß laut schreien.
„Du hast an schönen TagenDich manchmal abgequält!"Ich habe mich nie verrechnet,Aber oft verzählt.
Ueber Berg und Thal,
Irrthum über Irrthum allzumal,Kommen wir wieder in's Freie!Doch da ist's gar zu weit und breit;Nun suchen wir in kurzer ZeitJrrgaug und Berg auf's neue.
Giebt's ein Gespräch, wenn wir uns nicht belügen,Mehr oder weniger versteckt?
So ein Ragout von Wahrheit und von Lügen,
Das ist die Köcherei, die mir am besten schmeckt.
Kennst du das Spiel, wo man, im lust'gen Kreis,Das Pfeifchen sucht und niemals findet,
Weil's man dem Sucher, ohn' daß er's weiß,
In seines Rockes hintre Falten bindet,
Das heißt: an seinen Steiß?
Mit Narren leben wird dir gar nicht schwer,Versammle nur ein Tollhaus um dich her;Bedenke dann — das macht dich gleich gelind —Daß Narrenwärter selbst auch Narren sind.
Goethe. Werke. I.
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