212
Sprüche in Reimen.
Am Lehrling mäkelten sie,
Nun mäkeln sie am Wandrer;Jener lernte spät und früh,
Dieser wird kein andrer.
Beide wirken im schönen KreiseKräftig, wohlgemuth und zart;Lerne doch jeder nach seiner Weise,Wandle doch jeder in seiner Art.
Nein, das wird mich nicht kränken,Ich acht' es für Himmelsgabe!Soll ich geringer von mir denken,Weil ich Feinde habe?
Warum ich Royaliste bin,
Das ist sehr simpel:
Als Poet fand ich Ruhms Gewinn,Frei Segel, freie Wimpel;
Mußt' aber alles selber thun,Konnt' niemand fragen:
Der alte Fritz wußt' auch zu thun,Durft' ihm niemand was sagen.
„Sie wollten dir keinen Beifall gönnen,Du warst niemals nach ihrem Sinn!"Hätten sie mich beurtheilen können,
So wär' ich nicht, was ich bin.
Das Unvernünftige zu verbreitenBemüht man sich nach allen Seiten;Es täuschet eine kleine Frist,
Man sieht doch bald, wie schlecht es ist.
„Was will von Quedlinburg herausEin zweiter Wandrer traben!"
Hat doch der Wallfisch seine Laus,Muß ich auch meine haben.
„Der Pseudo-Wandrer, wie auch dumm,Versammelt sein Geschwister."
Es giebt manch Evangelium,
Hab' es auch der Philister!
Für und wider zu dieser StundeQuängelt ihr schon seit vielen Jahren:Was ich gethan, ihr Lumpenhunde!Werdet ihr nimmermehr erfahren.
„So sey doch höflich!" Höflich mit dem Pack?Mit Seide näht man keinen groben Sack.
Wie mancher Mißwillige schnüffelt und wittertUm das von der Muse verlieh'ne Gedicht;
Sie haben Lessing das Ende verbittert,
Mir sollen sie's nicht! —
Ihr edlen Deutschen, wißt noch nicht,Was eines treuen Lehrers PflichtFür euch weiß zu bestehen:
Zu zeigen, was moralisch sey,Erlauben wir uns frank und frei,
Ein Falsumzu begehen.
Hiezu haben wir Recht und Titel:Der Zweck heiligt die Mittel.
Verdammen wir die Jesuiten,So gilt es doch in unsern Sitten.
Der freudige Werther, Stella dannIn Criminalverhören,
Vom Libanon der heilige MannSind göttlich zu verehren.
So ist von Quedlinburg auch derFalschmünzer hoch zu preisen:
Gemllnder Silber präget er,
Uns Korn und Schrot zu weisen.
Der Weihrauch, der euch Göttern glüht,Muß Priestern lieblich duften;
Sie schufen euch, wie jeder sieht,
Nach ihrem Bild zu Schuften.
Ist dem Gezücht Verdienst ein Titel?Ein Falsum wird ein heilig Mittel;Das schmeichelt ja, sie wissen's schon,Der frommen deutschen Nation,
Die sich erst recht erhaben fühlt,Wenn all ihr Würdiges ist verspielt.Doch gegen die obscuren Kutten,
Die mir zu schaden sich verquälen,Auch mir soll es an Ulrich Hütten,An Franz von Sickingen nicht fehlen.
So ist denn Tieck aus unsrer MittenIn die Schranken hervorgeritten.
Heil ihm! — es gilt nicht Wanderjahre,Noch eines Dichters graue Haare,