216
Sprüche in Reimen.
Es lehrt ein großer PhysicusMit seinen Schnlverwandten:„dlil Inos od8eurins!"
Ja wohl! für Obscuranten.
Ich wollte gern sie gelten lassen,
Wenn nur auch andre sie gelten ließen:
Das will aber doch nirgend greifen und fassen;Warum besass' ich mich mit diesen!
Ich gönnt' ihnen gerne Lob und Ehre,Konnen's aber nicht von außen haben;Sie sehen endlich doch ihre LehreIn Casarelli begraben.
„Sag' uns doch, warum deine GalleImmerfort in's Ferne weist?"Gefühl habt ihr alle,
Aber keinen Geist.
„Warum, o Steuermann, deinen KielWendest du gerad nach dem Riffe?"Man begriffe nicht der Thoren Ziel,Wenn man sich nicht selbst begriffe.
Nicht Augenblicke steh' ich stillBei so verstockten Sündern,
Und wer nicht mit mir schreiten will,Soll meinen Schritt nicht hindern.
Ja! ich rechne mir's zur Ehre,Wandle fernerhin allein;
Und wenn es ein Irrthum wäre,Soll es doch nicht eurer seyn!
Nichts wird rechts und links mich kränken,Folg' ich kühn dem raschen Flug;
Wollte jemand anders denken,
Ist der Weg ja breit genug.
„Wirst nicht bei jedem WanderschrittWie sonst wohl angezogen."
Ich bringe den Betrug nicht mit,Drum werd' ich nicht betrogen.
Der Dichter freut sich am Talent,
An schöner Geistesgabe;
Doch wann's ihm auf die Nägel brennt,Begehrt er irdischer Habe.
Mit Recht soll der reale WitzUrenkeln sich erneuern;
Es ist ein irdischer Besitz,
Blust ich ihn doch versteuern! —
Was Alte lustig sungen,
Das zwitschern muntre Jungen;Was tüchtige Herren thaten,Wird Knechten auch gerathen;Was einer kühn geleistet,
Gar mancher sich erdreistet.
„Wohl kamst du durch; so ging es allenfalls.'Mach's einer nach und breche nicht den Hals.
Was viele singen und sagen,
Das müssen wir eben ertragen!
Ihr Guten — Großer und Kleiner —Ihr singt euch müde und matt;
Und singt doch keiner,
Als was er zu sagen hat.
„Wie hast du's denn so weit gebracht?Sie sagen, du habest es gut vollbracht!"Mein Kind! ich hab' es klug gemacht,Ich habe nie über das Denken gedacht.
Was wir Dichter in's Enge bringen,Wird von ihnen in's Weite geklaubt.Das Wahre klären sie an den Dingen,Bis niemand mehr dran glaubt.
Ein bischen Ruf, ein wenig Ehre,
Was macht es euch für Noth und Pein!Und wenn ich auch nicht Goethe wäre,So möcht' ich doch nicht_seyn.
„Sag', was enthält die Kirchengeschichte?Sie wird mir in Gedanken zu nichte;
Es giebt unendlich viel zu lesen:
Was ist denn aber das alles gewesen?"
Zwei Gegner sind es, die sich boxen,
Die Arianer und Orthodoxen.
Durch viele Säcla dasselbe geschicht,
Es dauert bis an das jüngste Gericht.