Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Sprüche in Reimen.

Wer hätte auf deutsche Blätter Acht,Morgens, Mittag, Abend und Mitternacht,Der wär' um alle seine Zeit gebracht,

Hätte weder Stunde, noch Tag, noch Nacht,Und wär' um's ganze Jahr gebracht;

Das hätt' ich ihm gar sehr verdacht.

Was reimt der Junge, der Franzos,Uns alte Herren zu belehren!

Die Zeit ist wie der Teufel los,

Die weiß allein uns zu bekehren.

Seyd ihr verrückt? was fällt euch ein,Den alten Faustus zu verneinen!

Der Teufelskerl muß eine Welt seyn,Dergleichen Widerwärt'ges zu vereinen.

Ein jeder denkt in seinem Dunst,Andrer Verdienst sey winzig klein.Bewahre jeder die VergunstAuf seine Weise toll zu seyn.

Nach Lord Byron.

Nein! für den Poeten ist's zuviel,Dieses entsetzliche Strafgericht!Verdammt ist mein TrauerspielUnd die alte Tante nicht.

Geburt und Tod betrachtet' ichUnd wollte das Leben vergessen;Ich armer Teufel konnte michMit einem König messen.

„Der alte reiche FürstBlieb doch vom Zeitgeist weit,Sehr weit!" —

Wer sich auf's Geld versteht,Versteht sich auf die Zeit,Sehr auf die Zeit!

„Geld und Gewalt, Gewalt und Geld,Daran kann man sich freuen;

Gerecht- und Ungerechtigkeit,

Das sind nur Lumpereien."

Ist der Vater auf Geld ersessenUnd nutzt sogar die Lampenschnuppen,Kriegen sie den Sohn in die Kluppen;Juden und Huren die werden's fressen.

„Mephisto scheint ganz nah zu seyn!"Es däucht mich fast, er spricht mit ein.In manchen wunderlichen StundenHat er sich selbst das Maul verbunden,Doch blickt er über die Binde her,

Als wenn er ein doppelter Teufel wär'.

Wenn auch der Held sich selbst genug ist,Verbunden geht es doch geschwinder,

Und wenn der Ueberwund'ne klug ist,Gesellt er sich zum Ueberwinder.

Die reitenden Helden vom festen LandHaben jetzt gar viel zu bedeuten!

Doch stünd' es ganz in meiner Hand,Ein Meerpferd möcht' ich reiten.

Hatte sonst einer ein Unglück getragen,So durft' er es wohl dem andern klagen;Mußte sich einer im Felde quälen,

Hatt' er im Alter was zu erzählen.

Jetzt sind sie allgemein die Plagen,

Der Einzelne darf sich nicht beklagen;

Im Felde darf nun niemand fehlen —Wer soll denn hören, wenn sie erzählen?

Die Franzosen verstehn uns nicht;

Drum sagt man ihnen deutsch in's Gesicht,Was ihnen wär verdrießlich gewesen,Wenn sie es hätten französisch gelesen.

Gott dank! daß uns so wohl geschah,

Der Tyrann sitzt auf Helena!

Doch ließ sich nur der eine bannen,

Wir haben jetzo hundert Tyrannen,

Die schmieden, uns gar unbequem,

Ein neues Continentalsystem.

Deutschland soll rein sich isoliren,

Einen Pestcordon um die Gränze führen,

Daß nicht einschleiche fort und fort

Kopf, Körper und Schwanz vom fremden Wort.

Wir sollen auf unsern Lorbeern ruhn,

Nichts weiter denken, als was wir thun.

Verflucht sey, wer nach falschem Rath,Mit überfrechem Muth,

Das was der Corse-Franke that,

Nun als ein Deutscher thut.