Sprüche in Prosa.
219
Er fühle spät, er fühle früh,
Es sey ein dauernd Recht;
Ihm geh' es, trotz Gewalt und Müh',Ihm und den Seinen schlecht.
Was haben wir nicht für Kränze gewunden!
Die Fürsten, sie sind nicht gekommen;
Die glücklichen Tage, die himmlischen Stunden',Wir haben voraus sie genommen,
So geht es wahrscheinlich mit meinem Bemühn,Den lyrischen Siebensachen;
Epimenides, denk' ich, wird in BerlinZu spät zu früh erwachen.
Ich war vom reinen Gefühl durchdrungen;
Bald schein' ich ein schmeichelnder Lober:
Ich habe der Deutschen Juni gesungen,
Das hält nicht bis in October.
An die T.. und D..
Verfluchtes Volk! kaum bist du frei,
So brichst du dich in dir selbst entzwei.War nicht der Noth, des Glücks genug?Deutsch oder Teutsch, du wirst nicht klug.
Sagst du: Gott! so sprichst du vom Ganzen,Sagst du: Welt! so sprichst du von Schranzen.Hofschranzen sind noch immer die besten,Volkschranzen fürchte, die allerletzten.
Calan empfahl sich Alexandern,
Um jenen Rogus zu besteigen;
Der König fragte, so die AndernDes Heeres auch: Was willst du zeigen?„Nichts zeigen will ich, aber zeigen,
Daß vor dem Könige, dem Heere,
Vor blinkend blitzendem Gewehre,
Dem Weisen sich's geziemt zu schweigen."
Was die Großen Gutes thaten,Sah ich oft in meinem Leben;Was uns nun die Völker geben,Deren auserwählte WeisenNun zusammen sich berathen,Mögen unsre Enkel preisen,Die's erleben.
Jetzt wie die Jungen singen,
Soll's bei den Alten klingen.
Bei solchem Lied und ReigenDas Beste — ruhn und schweigen.
„Warum denn aber bei unsern SitzenBist du so selten gegenwärtig?"
Mag nicht für langer Weile schwitzen,Der Mehrheit bin ich immer gewärtig.
Was doch die größte Gesellschaft beut?Es ist die Mittelmäßigkeit.
Constitutionell sind wir alle auf Erden;Niemand soll besteuert werden,
Als wer repräsentirt ist.
Da dem also ist,
Frag' ich und werde kühner:
Wer repräsentirt denn die Diener?
Wie alles war in der Welt entzweit,
Fand jeder in Mauern gute Zeit;
Der Ritter duckte sich hinein,
Bauer in Noth fand's auch gar fein.
Wo kam die schönste Bildung her,
Und wenn sie nicht vom Bürger wär'?
Wenn aber sich Ritter und Bauern verbinden,Da werden sie freilich die Bürger schinden.
Laßt euch mit dem Volk nur ein,Popularischen! Entschied'es,Wellington und AristidesWerden bald bei Seite seyn.
Anbete du das Feuer hundert Jahr,
Dann fall' hinein, dich frißt's mit Haut und Haar.
Ich bin so sehr geplagt,
Und weiß nicht, was sie wollen,Daß man die Menge fragt,
Was Einer hätte thun sollen.
Mir ist das Volk zur Last,Meinet es doch dieß und das:Weil es die Fürsten haßt,Denkt es, es wäre was.
Sonst wie die Alten sungen,So zwitscherten die Jungen;