Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Sprüche In Reimen.

„Sage mir, was das für Pracht ist?Aeußre Größe, leerer Schein!"

O! zum Henker! Wo die Macht ist,Ist doch auch das Recht zu seyn.

Die gute Sache kommt mir vorAls wie Saturn, der Sünder:Kaum sind sie an das Licht gebracht,So frißt er seine Kinder.

Daß du die gute Sache liebst,

Das ist nicht zu vermeiden,

Doch von der schlimmsten ist sie nichtBis jetzt zu unterscheiden.

Ich kann mich nicht bereden lassen,Macht mir den Teufel nur nicht klein:Ein Kerl, den alle Menschen hassen,Der muß was seyn!

„Warum denn wie mit einem BesenWird so ein König hinausgekehrt?"Wären's Könige gewesen,

Sie stünden alle noch unversehrt.

Grabschrist,gesetzt von A. v. Z.

Verstanden hat er vieles recht,

Doch sollt' er anders wollen;Warum blieb er ein Fürstenknecht?Hätt' unser Knecht seyn sollen.

Zahme Leinen.

VII.

Lasset walten, lasset gelten,Was ich wunderlich verkündigt!Dürftet ihr den Guten schelten,Der mit seiner Zeit gesündigt?

Niemand will der Dichter kränken,Folgt er kühn dem raschen Flug;Wollte jemand anders denken,

Ist der Weg ja breit genug.

Schwärmt ihr doch zu ganzen SchaarenLieber als in wenig Paaren,

Laßt mir keine Seite leer!

Sums't umher, es wird euch glücken!Einzeln stechen auch die Mücken,Braucht nicht gleich ein ganzes Heer.

Da ich viel allein verbleibe,Pflege weniges zu sagen;

Da ich aber gerne schreibe,Mögen's meine Leser tragen!

Sollte heißen: gern dictire,

Und das ist doch auch ein Sprechen,Wo ich keine Zeit verliere;

Niemand wird mich unterbrechen.

Wie im Auge mit fliegenden Mücken,

So ist's mit Sorgen ganz genau;

Wenn wir in die schöne Welt hinein blickenDa schwebt ein Spinnewebengrau;

Es überzieht nicht, es zieht nur vorüber,Das Bild ist gestört, wenn nur nicht trüberDie klare Welt bleibt klare Welt:

Im Auge nur ist's schlecht bestellt.

Trage dein Uebel, wie du magst,

Klage niemand dein Mißgeschick;

Wie du dem Freunde ein Unglück klagst,Giebt er dir gleich ein Dutzend zurück!

In keiner Gilde kann man seyn,

Man wisse denn zu schultern fein;

Das, was sie lieben, was sie hassen,Das muß man eben geschehen lassen;Das, was sie wissen, läßt man gelten,Was sie nicht wissen, muß man schelten,Althergebrachtes weiter führen,

Das Neue klüglich retardiren:

Dann werden sie dir zugestehn,

Auch nebenher deinen Weg zu gehn.Doch würden sie, könnt' es gelingen,Zum Widerruf dich Pfäffisch zwingen.

Ist erst eine dunkle Kammer gemacht,Und finster als eine ägyptische Nacht,Durch ein gar winzig Löchlein bringeDen feinsten Sonnenstrahl herein,