Spruch? in Prosa.
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allzubald in Nachtheile verwandeln. Man kann deßhalb einejede Institution vertheidigen und rühmen, wenn man an ihreAnsänge erinnert und darzuthun weiß, daß alles, was von ihrim Anfange gegolten, auch jetzt noch gelte.
Lessing, der mancherlei Beschränkung unwillig fühlte, läßteine seiner Personen sagen: Niemand muß müssen. Eingeistreicher frohgesinnter Mann sagte: Wer will, der muß.Ein dritter, freilich ein Gebildeter, fügte hinzu:Wereinsieht,der will auch. Und so glaubte man den ganzen Kreis des Er-kennens, Wollens und Müssens abgeschlossen zu haben. Aberim Durchschnitt bestimmt die Erkenntniß des Menschen, vonwelcher Art sie auch sey, sein Thun und Lassen; deßwegen auchnichts schrecklicher ist, als die Unwissenheit handeln zu sehen.
Es giebt zwei friedliche Gewalten: das Recht und die Schick-lichkeit.
Das Recht dringt auf Schuldigkeit, die Polizei auf's Ge-ziemende. Das Recht ist abwägend und entscheidend, die Polizeiüberschauend und gebietend. Das Recht bezieht sich auf den Ein-zelnen, die Polizei auf die Gesammtheit.
Die Geschichte der Wissenschaften ist eine große Fuge, in derdie Stimmen der Völker nach und nach zum Vorschein kommen.
Zweite Abtheilung.
Wenn der Mensch alles leisten soll, was man von ihm for-dert, so muß er sich für mehr halten, als er ist.
So lange das nicht in's Absurde geht, erwägt man's auchgern.
Die Arbeit macht den Gesellen.
Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu seyn, inicht damitman daraus lerne, sondern damit man wisse, daß der Verfasseretwas gewußt hat.
Sie peitschen den Quark, ob nicht etwa Creme daraus wer-den wolle.
Es ist weit eher möglich, sich in den Zustand eines Gehirnszu versetzen, das im entschiedensten Irrthum befangen ist, alseines, das Halbwahrheiten sich vorspiegelt.
Die Lust der Deutschen am Unsichern in den Künsten kommtaus der Pfuscherei her: denn wer Pfuscht, darf das Rechte nichtgelten lassen, sonst wäre er gar nichts.
Es ist traurig anzusehen, wie ein außerordentlicher Menschsich gar oft mit sich selbst, seinen Umständen, seiner Zeit herum-würgt, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen. TraurigesBeispiel Bürger.
Die größte Achtung, die ein Autor für sein Publicum habenkann, ist, daß er niemals bringt, was man erwartet, sondernwas er selbst, auf der jedesmaligen Stufe eigner und fremderBildung, für recht und nützlich hält.
Die Weisheit ist nur in der Wahrheit.
Wenn ich irre, kann es jeder bemerken; wenn ich lüge, nicht.
Der Deutsche hat Freiheit der Gesinnung, und daher merkter nicht, wenn es ihm an Geschmacks - und Geistesfreiheit fehlt.
Ist denn die Welt nicht schon voller Räthsel genug, daß mandie einfachsten Erscheinungen auch noch zu Räthseln machen soll?
Das kleinste Haar wirft seinen Schatten.
Was ich in meinem Leben durch falsche Tendenzen versuchthabe zu thun, hab' ich denn doch zuletzt gelernt begreifen.
Die Freigebigkeit erwirbt einem jeden Gunst, vorzüglichwenn sie von Demuth begleitet wird.
Vor dem Gewitter erhebt sich zum letztenmale der Staubgewaltsam, der nun bald für lange getilgt seyn soll.
Die Menschen kennen einander nicht leicht, selbst mit dembesten Willen und Vorsatz; nun tritt noch der böse Wille hinzu,der alles entstellt.
Man würde einander besser kennen, wenn sich nicht immereiner dem andern gleichstellen wollte.