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Sprüche I» Pros«.
Das höchste Glück ist das, welches unsere Mangel verbessertund unsere Fehler ausgleicht.
Kannst du lesen, so sollst du verstehen; kannst du schreiben,so mußt du etwas wissen; kannst du glauben, so sollst du be-greifen; wenn du begehrst, wirst du sollen; wenn du forderst, wirstdu nicht erlangen, und wenn du erfahren bist, sollst du nutzen.
Man erkennt niemand an als den, der uns nutzt. Wir er-kennen den Fürsten an, weil wir unter seiner Firma den Besitzgesichert sehen. Wir gewärtigen uns von ihm Schutz gegen äußereund innere widerwärtige Verhältnisse.
Der Bach ist dem Müller befreundet, dem er nutzt, und erstürzt gern über die Räder; was hilft es ihm, gleichgültig durch'sThal hinzuschleichen.
Wer sich mit reiner Erfahrung begnügt und darnach handelt,der hat Wahres genug. Das heranwachsende Kind ist weise indiesem Sinne.
Diese Theorie an und für sich ist nichts nütze, als in sofernsie uns an den Zusammenhang der Erscheinungen glauben macht.
Alles Abstrakte wird durch Anwendung dem Menschenver-stand genähert, und so gelangt der Menschenverstand durchHan-deln und Beobachten zur Abstraktion.
Wer zu viel verlangt, wer sich am Verwickelten erfreut, derist den Verirrungen ausgesetzt.
Nach Analogien denken ist nicht zu schelten; die Analogie hatden Vortheil, daß sie nicht abschließt und eigentlich nichts Letzteswill: dagegen dieJnduction verderblich ist, die einen vorgesetztenZweck im Auge trägt und, auf denselben losarbeitend, Falschesund Wahres mit sich fortreißt.
Gewöhnliches Anschauen, richtige Ansicht der irdischenDinge, ist ein Erbtheil des allgemeinen Menschenverstandes.
Reines Anschauen des Aeußern und Innern ist sehr selten.
Es äußert sich jenes im praktischen Sinn, im unmittelbarenHandeln; dieses symbolisch, vorzüglich durch Mathematik, inZahlen und Formen, durch Rede, uranfänglich, tropisch, als
Poesie des Genie's, als Sprllchwörtlichkeit des Menschenver-standes.
Das Abwesende wirkt auf uns durch Ueberlieferung. Diegewöhnliche ist historisch zu nennen; eine höhere, der Einbildungs-kraft verwandte, ist mythisch. Sucht man hinter dieser noch et-was Drittes, irgend eine Bedeutung, so verwandelt sie sich inMystik. Auch wird sie leicht sentimental, so daß wir uns nur,was gemüthlich ist, aneignen.
Die Wirksamkeiten, auf die wir achten müssen, wenn wir wahr-haft gefördert seyn wollen, sind:
Vorbereitende,
Begleitende,
Mitwirkende,
Nachhelfende,
Fördernde,
Verstärkende,
Hindernde,
Nachwirkende.
Im Betrachten wie im Handeln ist das Zugängliche vondem Unzugänglichen zu unterscheiden; ohne dieß läßt sich im Lebenwie im Wissen wenig leisten.
„I,s 86L3 eoiuraun ext 1s 6suis cke 1'iruiukmitü."
Der Gemein-Verstand, der als Genie der Menschheit geltensoll, muß vorerst in seinen Aeußerungen betrachtet werden.Forschen wir, wozu ihn die Menschheit benutzt, so finden wirfolgendes.
Die Menschheit ist bedingt durch Bedürfnisse. Sind diesenicht befriedigt, so erweist sie sich ungeduldig; sind sie befriedigt,so erscheint sie gleichgültig. Der eigentliche Mensch bewegt sichalso zwischen beiden Zuständen; und seinen Verstand, den soge-nannten Menschenverstand, wird er anwenden, seine Bedürfnissezu befriedigen; ist es geschehen, so hat er die Aufgabe, die Räumeder Gleichgültigkeit auszufüllen. Beschränkt sich dieses in dienächsten und nothwendigsten Gränzen, so gelingt es ihm auch.Erheben sich aber die Bedürfnisse, treten sie aus dem Kreise desGemeinen heraus, so ist der Gemein-Verstand nicht mehr hin-reichend, er ist kein Genius mehr, die Region des Irrthums istder Menschheit aufgethan.
Es geschieht nichts Unvernünftiges, das nicht Verstand oderZufall wieder in die Richte brächten; nichts Vernünftiges, dasUnverstand und Zufall nicht mißleiten könnten.
Jede große Idee, sobald sie in die Erscheinung tritt, wirkttyrannisch; daher die Vortheile, die sie hervorbringt, sich nur