Sprüche in Prosa.
231
Anstatt meinen Worten zu widersprechen, sollten sie nachmeinem Sinne handeln.
Alle Gegner einer geistreichen Sache schlagen nur in dieKohlen; diese springen umher und zünden da, wo sie sonst nichtgewirkt hätten.
Der Mensch wäre nicht der Vornehmste auf der Erde, wenner nicht zu vornehm für sie wäre.
Das längst Gefundene wird wieder verscharrt; wie bemühtesich Tycho, die Kometen zu regelmäßigen Körpern zu machen,wofür sie Seneca längst anerkannt!
Wie lange hat mau über die Antipoden hin und her gestritten!
Gewissen Geistern muß man ihre Idiotismen lasten.
Es werden fetzt Produktionen möglich, die Null sind, ohneschlecht zu seyn: Null, weil sie keinen Gehalt haben; nicht schlecht,weil eine allgemeine Form guter Muster den Verfassern vor-schwebt.
Der Schnee ist eine erlogene Reinlichkeit.
Wer sich vor der Idee scheut, hat auch zuletzt den Begriffnicht mehr.
Unsere Meister nennen wir billig die, von denen wir immerlernen. Nicht ein jeder, von dem wir lernen, verdient diesenTitel.
Alles Lyrische muß im Ganzen sehr vernünftig, im Einzelnenein bischen unvernünftig seyn.
Es hat mit Euch eine Beschaffenheit wie mit dem Meer,dem man unterschiedentliche Namen gibt, und es ist doch endlichalles gesalzen Wasser.
Man sagt: Eitles Eigenlob stinket; das mag seyn: was aberfremder und ungerechter Tadel für einen Geruch habe, dafürhat das Publicum keine Nase.
Der Roman ist eine subjective Epopöe, in welcher der Ver-fasser sich die Erlaubniß ausbittet, die Welt nach seiner Weise zubehandeln. Es fragt sich also nur, ob er eine Weise habe; dasandere wird sich schon finden.
Es giebt problematische Naturen, die keiner Lage gewachsensind, in der sie sich befinden, und denen keine genug thut. Darausentsteht der ungeheure Widerstreit, der das Leben ohne Genußverzehrt.
Das eigentlich wahrhaft Gute, was wir thun, geschieht größten-theils olain, vi et precnrio.
Ein lustiger Gefährte ist ein Rollwagen auf der Wanderschaft.
Der Schmutz ist glänzend, wenn die Sonne scheinen mag.
Der Müller denkt, es wachse kein Weizen, als damit seineMühle gehe.
Es ist schwer gegen den Augenblick gerecht seyn: der gleich-gültige macht uns Langeweile, am guten hat man zu tragen undam bösen zu schleppen.
Der ist der glücklichste Mensch, der das Ende seines Lebensmit dem Anfang in Verbindung setzen kann.
So eigensinnig widersprechend ist der Mensch: zu seinemVortheil will er keine Nöthigung, zu seinem Schaden leidet erjeden Zwang.
Die Vorsicht ist einfach, die Hinterdrcinsicht vielfach.
Ein Zustand, der alle Tage neuen Verdruß zuzieht, ist nichtder rechte.
Bei Unvorsichtigkeiten ist nichts gewöhnlicher als Aussichtenauf die Möglichkeit eines Auswegs zu suchen.
Die Hindus der Wüste geloben keine Fische zu essen.
Es ist mit Meinungen, die man wagt, wie mit Steinen,die mau voran im Brette bewegt; sie können geschlagen werden,aber sie haben ein Spiel eingeleitet, das gewonnen wird.