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Sprüche in Prosa.
Es giebt eine Höflichkeit des Herzens; sie ist der Liebe ver-wandt. Aus ihr entspringt die bequemste Höflichkeit des äußernBetragens.
Freiwillige Abhängigkeit ist der schönste Zustand, und wiewäre der möglich ohne Liebe!
Wir sind nie entfernter von unsern Wünschen, als wenn wiruns einbilden, das Gewünschte zu besitzen.
Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne eszu seyn.
Es darf sich Einer nur für frei erklären, so fühlt er sich denAugenblick als bedingt. Wagt er es, sich für bedingt zu erklären,so fühlt er sich frei.
Gegen große Borzüge eines Andern giebt es kein Rettungs-mittel als die Liebe.
Es ist was Schreckliches um einen vorzüglichen Mann, aufden sich die Dummen was zu Gute thun.
Es giebt, sagt mau, für den Kammerdiener keinen Helden.Das kommt aber bloß daher, weil der Held nur vom Heldenanerkannt werden kann. Der Kammerdiener wird aber wahr-scheinlich Seinesgleichen zu schätzen wissen.
Es giebt keinen größer« Trost für die Mittelmäßigkeit, alsdaß das Genie nicht unsterblich sey.
Die größten Menschen hängen immer mit ihrem Jahrhun-dert durch eine Schwachheit zusammen.
Man hält die Menschen gewöhnlich für gefährlicher als siesind. Thoren und gescheidte Leute sind gleich unschädlich. Nurdie Halbnarren und Halbweisen, das sind die gefährlichsten.
Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst,und man verknüpft sich nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst.
Selbst im Augenblick des höchsten Glücks und der höchstenNoth bedürfen wir des Künstlers.
Die Kunst beschäftigt sich mit dem Schweren und Guten.
Das Schwierige leicht behandelt zu sehen, giebt uns das An-schauen des Unmöglichen.
Die Schwierigkeiten wachsen, je näher man dem Zielekommt.
Säen ist nicht so beschwerlich als ernten.
Wir blicken so gern in die Zukunft, weil wir das Ungefähre,was sich in ihr hin und her bewegt, durch stille Wünsche so gernzu unsern Gunsten heranleiten möchten.
Wir befinden uns nicht leicht in großer Gesellschaft, ohne zudenken: der Zufall, der so viele zusammenbringt, solle uns auchunsre Freunde herbeiführen.
Man mag noch so eingezogen leben, so wird man, ehe mansich's versieht, ein Schuldner oder ein Gläubiger.
Begegnet uns jemand, der uns Dank schuldig ist, gleich fälltes uns ein. Wie oft können wir jemand begegnen, dem wirDank schuldig sind, ohne daran zu denken.
Sich mitzutheilen ist Natur; Mitgetheiltes aufzunehmen, wiees gegeben wird, ist Bildung.
Niemand würde viel in Gesellschaften sprechen, wenn er sichbewußt wäre, wie oft er die Andern mißversteht.
Mau verändert fremde Reden beim Wiederholen wohl nurdarum so sehr, weil man sie nicht verstanden hat.
Wer vor Andern lange allein spricht, ohne den Zuhörern zuschmeicheln, erregt Widerwillen.
Jedes ausgesprochene Wort erregt den Gegensinn.
Widerspruch und Schmeichelei machen beide ein schlechtesGespräch.