Sprüche in Prosa.
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Die angenehmsten Gesellschaften sind die, in welchen eineheitere Ehrerbietung der Glieder gegen einander obwaltet.
Durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakterals durch das, was sie lächerlich finden.
Das Lächerliche entspringt aus einem sittlichen Contrast, derauf eine unschädliche Weise für die Sinne in Verbindung ge-bracht wird.
Der sinnliche Mensch lacht oft, wo nichts zu lachen ist. Wasihn auch anregt, sein inneres Behagen kommt zum Vorschein.
Der Verständige findet fast alles lächerlich, der Vernünftigefast nichts.
Einem bejahrten Manne verdachte man, daß er sich nochum junge Frauenzimmer bemühte. Es ist das einzige Mittel,versetzte er, sich zu verjüngen, und das will doch jedermann.
Man läßt sich feine Mangel vorhalten, man läßt sich strafen,man leidet manches um ihrer willen mit Geduld; aber ungedul-dig wird man, wenn man sie ablegen soll.
Gewisse Mangel sind nothwendig zum Daseyn des Einzelnen.Es würde uns unangenehm seyn, wenn alte Freunde gewisseEigenheiten ablegten.
Man sagt: er stirbt bald, wenn einer etwas gegen seine Artund Weise thut.
Was für Mangel dürfen wir behalten, ja an uns cultiviren?Solche, die den Andern eher schmeicheln als sie verletzen.
Die Leidenschaften sind Mangel oder Tugenden, nur ge-steigerte.
Unsere Leidenschaften sind wahre Phönixe. Wie der alte ver-brennt, steigt der neue sogleich wieder aus der Asche hervor.
Große Leidenschaften sind Krankheiten ohne Hoffnung. Wassie heilen könnte, machte sie erst recht gefährlich.
Die Leidenschaft erhöht und mildert sich durch's Bekennen.In nichts wäre die Mittelstraße vielleicht wünschenswerther alsim Vertrauen und Verschweigen gegen die, die wir lieben.
Ueber Abgeschiedene eigentlich Gericht halten wollen, möchteniemals der Billigkeit gemäß seyn. Wir leiden alle am Leben;wer will uns, außer Gott, zur Rechenschaft ziehen! Nicht wassie gefehlt und gelitten, sondern was sie geleistet und gethan, be-schäftige die Hinterbliebenen.
An den Fehlern erkennt man den Menschen, an den Vor-zügen den Einzelnen; Mängel und Schicksale haben wir allegemein, die Tugenden gehören jedem besonders.
Sechste Abtheilung.
Die Geheimnisse der Lebenspfade darf und kann man nichtoffenbaren; es giebt Steine des Anstoßes, über die ein jederWanderer stolpern muß. Der Poet aber deutet auf die Stelle hin.
Es wäre nicht der Mühe werth, siebzig Jahr alt zu werden,wenn alle Weisheit der Welt Thorheit wäre vor Gott.
Das Wahre ist gottähnlich; es erscheint nicht unmittelbar,wir müssen es aus seinen Manifestationen errathen.
Der ächte Schüler lernt aus dem Bekannten das Unbekannteentwickeln und nähert sich dem Meister.
Aber die Menschen vermögen nicht leicht, aus dem Bekanntendas Unbekannte zu entwickeln; denn sie wissen nicht, daß ihrVerstand eben solche Künste wie die Natur treibt.
Denn die Götter lehren uns ihr eigenstes Werk nachahmen;doch wissen wir nur, was wir thun; erkennen aber nicht, was wirnachahmen.
Alles ist gleich, alles ungleich, alles nützlich und schädlich,! sprechend und stumm, vernünftig und unvernünftig. Und wasman von einzelnen Dingen bekennt, widerspricht sich öfters.
Denn das Gesetz haben die Menschen sich selbst auferlegt,ohne zu wissen, über was sie Gesetze gaben; aber die Natur habenalle Götter geordnet.