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Sprüche in Prosa.
mit allen liebenden, verehrenden, frommen Kräften in die Naturund das heilige Leben derselben einzudringen suchen, ganz un-bekümmert, was die Mathematik von ihrer Seite leistet und thut.Diese muß sich dagegen unabhängig von allem Aeußern erklären,ihren eignen großen Geistesgang gehen und sich selber reinerausbilden, als es geschehen kann, wenn sie wie bisher sich mitdem Vorhandenen abgiebt und diesem etwas abzugewinnen oderanzupassen trachtet.
In der Natursorschung bedarf es eines kategorischen Im-perativs so gut als im Sittlichen; nur bedenke man, daß mandadurch nicht am Ende, sondern erst am Anfang ist.
Das Höchste wäre: zu begreifen, daß alles Factische schonTheorie ist. Die Bläue des Himmels offenbart uns das Grund-gesetz der Chromatik. Man suche nur nichts hinter den Phäno-menen; sie selbst sind die Lehre.
In den Wissenschaften ist viel Gewisses, sobald man sichvon den Ausnahmen nicht irre machen läßt und die Problemezu ehren weiß.
Wenn ich mich beim Urphänomen zuletzt beruhige, so ist esdoch auch nur Resignation; aber es bleibt ein großer Unterschied,ob ich mich an den Gränzen der Menschheit resignire oder inner-halb einer hypothetischen Beschränktheit meines Lornirten Indi-viduums.
Wenn man die Probleme des Aristoteles ansieht, so erstauntman über die Gabe des Bemerkens, und für was alles die Grie-chen Augen gehabt haben. Nur begehen sie den Fehler der Ueber-eilung, da sie von den Phänomenen unmittelbar zur Erklärungschreiten, wodurch denn ganz unzulängliche theoretische Aus-sprüche zum Vorschein kommen. Dieses ist jedoch der allgemeineFehler, der noch heut zu Tage begangen wird.
Hypothesen sind Wiegenlieder, womit der Lehrer seine Schülereinlullt; der denkende treue Beobachter lernt immer mehr seineBeschränkung kennen; er sieht, je weiter sich das Wissen aus-breitet, desto mehr Probleme kommen zum Vorschein.
Unser Fehler besteht darin, daß wir am Gewissen zweifelnund das Ungewisse fixiren möchten. Meine Maxime bei derNatursorschung ist: das Gewisse festzuhalten und dem Unge-wissen aufzupassen.
Läßliche Hypothese nenn' ich eine solche, die man gleichsamschalkhaft aufstellt, um sich von der ernsthaften Natur wider-legen zu lassen.
Wie wollte einer als Meister in seinem Fach erscheinen,wenn er nichts Unnützes lehrte!
Das Närrischste ist, daß jeder glaubt überliefern zu müssen,> was man gewußt zu haben glaubt.
^ Weil zum didaktischen Vertrag Gewißheit verlangt wird,! indem der Schüler nichts Unsicheres überliefert haben will, so? darf der Lehrer kein Problem stehen lassen und sich etwa ineiniger Entfernung da herumbewegen. Gleich muß etwas be-stimmt seyn (bepaalt sagt der Holländer), und nun glaubt maneine Weile, den unbekannten Raum zu besitzen, bis ein Andererdie Pfähle wieder ausreißt, und sogleich enger oder weiter aber-mals wieder bepfählt.
Lebhafte Frage nach der Ursache, Verwechselung von Ur-sache und Wirkung, Beruhigung in einer falschen Theorie sindvon großer nicht zu entwickelnder Schädlichkeit.
Wenn Mancher sich nicht verpflichtet fühlte, das Unwahre zuwiederholen, weil er's einmal gesagt hat, so wären es ganzandre Leute geworden.
Das Falsche hat den Vortheil, daß man immer darüber! schwätzen kann; das Wahre muß gleich genutzt werden, sonst istes nicht da.
Wer nicht einsieht, wie das Wahre praktisch erleichtert, maggern daran mäkeln und häkeln, damit er nur sein irriges müh-seliges Treiben einigermaßen beschönigen könne.
Die Deutschen, und sie nicht allein, besitzen die Gabe, dieWissenschaften unzugänglich zu machen.
Der Engländer ist Meister, das Entdeckte gleich zu nutzen,bis es wieder zu neuer Entdeckung und frischer That führt. Manfrage nun, warum sie uns überall voraus sind?
Der denkende Mensch hat die wunderliche Eigenschaft, daßer an die Stelle, wo das unaufgelös'te Problem liegt, gerne einPhantasiebild hinfabelt, das er nicht los werden kann, wenndas Problem auch aufgelöst und die Wahrheit am Tage ist.
Es gehört eine eigene Geisteswendung dazu, um das ge-staltlose Wirkliche in seiner eigensten Art zu fassen und es vonHirngespinnsten zu unterscheiden, die sich denn doch auch mit einergewissen Wirklichkeit lebhaft aufdringen.