Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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West-östlicher Divan.

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Saki Nameh.

Das Schenkenbuch.

Ja, in der Schenke hab' ich auch gesessen,Mir ward wie Andern zugemessen,

Sie schwatzten, schrieen, handelten von heut,So froh und traurig, wie's der Tag gebeut;Ich aber saß, im Innersten erfreut,

An meine Liebste dacht' ich — wie sie liebt?Das weiß ich nicht; was aber mich bedrängt!Ich liebe sie, wie es ein Busen giebt,

Der treu sich Einer gab und knechtisch hängt.Wo war das Pergament, der Griffel wo,Die alles faßten? — doch so war's! ja so!

Sitz' ich allein,

Wo kann ich besser seyn?

Meinen WeinTrink' ich allein;

Niemand setzt mir Schranken,

Ich hab' so meine eignen Gedanken.

So weit bracht' es Muley, der Dieb,Daß er trunken schöne Lettern schrieb.

Ob der Koran von Ewigkeit sey?

Darnach frag' ich nicht!

Ob der Koran geschaffen sey?

Das weiß ich nicht!

Daß er das Buch der Bücher sey,

Glaub' ich aus Mosleminenpflicht.

Daß aber der Wein von Ewigkeit sey,Daran zweifl' ich nicht;

Oder daß er vor den Engeln geschaffen sey,Ist vielleicht auch kein Gedicht.

Der Trinkende, wie es auch immer sey,Blickt Gott frischer in's Angesicht.

Trunken müssen wir alle seyn!

Jugend ist Trunkenheit ohne Wein;Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend,So ist es wundervolle Tugend.

Für Sorgen sorgt das liebe Leben,

Und Sorgenbrecher sind die Reben.

Da wird nicht mehr nachgefragt!Wein ist ernstlich untersagt.

Soll denn doch getrunken seyn,Trinke nur vom besten Wein:Doppelt wärest du ein KetzerIn Verdammniß um den Krätzer.

In welchem Weine

Hat sich Alexander betrunken?

Ich wette den letzten Lebensfunken:Er war nicht so gut als der meine.

So lang man nüchtern ist,Gefällt das Schlechte;

Wie man getrunken hat,

Weiß man das Rechte;

Nur ist das UebermaßAuch gleich zu Handen:

Hafis, o lehre mich,

Wie du's verstanden!

Denn meine Meinung istNicht übertrieben:

Wenn man nicht trinken kann,Soll man nicht lieben;

Doch sollt ihr Trinker euchNicht besser dünken:

Wenn man nicht lieben kann,Soll man nicht trinken.

Suleika.

Warum du nur oft so unhold bist?

Hat ein.

Du weißt, daß der Leib ein Kerker ist;Die Seele hat man hinein betrogen;

Da hat sie nicht freie Ellebogcn.

Will sie sich da und dorthin retten,Schnürt man den Kerker selbst in Ketten:Da ist das Liebchen doppelt gefährdet,Deßhalb sie sich oft so seltsam gebärdet.

Wenn der Körper ein Kerker ist,Wamm nur der Kerker so durstig ist?