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Noten und Abhandlungen zu», west-östllchen Tiran.
Geschichte.
Die Perser, nachdem außerordentliche Fürsten ihre Streit-kräfte in eins versammelt und die Elasticität der Masse anf'sHöchste gesteigert, zeigten sich, selbst entfernteren Völkern, gefähr-lich, um so mehr den benachbarten.
Alle waren überwunden, nur die Griechen, uneins untersich, vereinigten sich gegen den zahlreichen, mehrmals heran-bringenden Feind und entwickelten musterhafte Aufopferung, dieerste und letzte Tugend, worin alle übrigen enthalten sind. Da-durch ward Frist gewonnen, daß, in dem Maaße, wie die Per-sische Macht innerlich zerfiel, Philipp von Macedonien eine Ein-heit gründen konnte, die übrigen Griechen um sich zu versam-meln und ihnen für den Verlust ihrer innern Freiheit den Siegüber äußere Dränger vorzubereiten. Sein Sohn überzog diePerser und gewann das Reich.
Nicht nur furchtbar, sondern äußerst verhaßt hatten sich dieseder Griechischen Nation gemacht, indem sie Staat und Gottes-dienst zugleich bekriegten. Sie, einer Religion ergeben, wodie himmlischen Gestirne, das Feuer, die Elemente, als gott-ähnliche Wesen in freier Welt verehrt wurden, fanden höchstscheltenswerth, daß inan die Götter in Wohnungen einsperrte,sie unter Dach anbetete. Nun verbrannte und zerstörte man dieTempel, und schuf dadurch sich selbst ewig Haß erregende Denk-mäler, indem die Weisheit der Griechen beschloß, diese Ruinenniemals wieder aus ihrem Schütte zu erheben, sondern, zuAnreizung künftiger Rache, ahndungsvoll liegen zu lassen. DieseGesinnungen, ihren beleidigten Gottesdienst zu rächen, brachtendie Griechen mit auf Persischen Grund und Boden; mancheGrausamkeit erklärt sich daher, auch will man den Brand vonPersepolis damit entschuldigen.
Die gottesdienstlichen Uebungen der Magier, die freilich,von ihrer ersten Einfalt entfernt, auch schon Tempel und Kloster-gebäude bedurften, wurden gleichfalls zerstört, die Magierverjagt und zerstreut, von welchen jedoch immer eine große Mengeversteckt sich sammelten und, auf bessere Zeiten, Gesinnungund Gottesdienst aufbewahrten. Ihre Geduld wurde freilichsehr geprüft: denn als mit Alexander'« Tode die kurze Alleinherr-schaft zerfiel und das Reich zersplitterte, bemächtigten sich dieParther des Theils, der uns gegenwärtig besonders beschäftigt.Sprache, Sitten und Religion der Griechen ward bei ihnen ein-heimisch. Und so vergingen fünfhundert Jahre über der Ascheder alten Tempel und Altäre, unter welchen das heilige Feuerimmerfort glimmend sich erhielt, so daß die Sassaniden, zu An-fang des dritten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, als sie,die alte Religion wieder bekennend, den früheren Dienst herstell-ten, sogleich eine Anzahl Magier und Mobeden vorfanden,welche an und über der Gränze Indiens sich und ihre Gesin-nungen im Stillen erhalten hatten. Die Altpersische Sprachewurde hervorgezogen, die Griechische verdrängt und zu einer eige-nen Nationalität wieder Grund gelegt. Hier finden wir nun ineinem Zeitraum von vierhundert Jahren die mythologische Vor-geschichte Persischer Ereignisse, durch poetisch-prosaische Nach-klänge, einigermaßen erhalten. Die glanzreiche Dämmerungderselben erfreut uns immerfort, und eine Mannichfaltigkeit vonCharakteren und Ereignissen erweckt großen Antheil.
Was wir aber auch von Bild- und Baukunst dieser Epochevernehmen, so ging es damit doch bloß auf Pracht und Herrlich-
keit, Größe und Weitläufigkeit und unförmliche Gestalten hinaus;und wie konnt' es auch anders werden, da sie ihre Kunst vomAbendlande hernehmen mußten, die schon dort so tief entwürdigtwar? Der Dichter besitzt selbst einen Siegelring Sapor desErsten, einen Onyx, offenbar von einem westlichen Künstlerdamaliger Zeit, vielleicht einem Kriegsgefangenen, geschnitten.Und sollte der Siegelschneider des überwindenden Sassanidengeschickter gewesen seyn, als der Stempelschneider des überwun-denen Valerian? Wie es aber mit den Münzen damaliger Zeitaussehe, ist uns leider nur zu wohl bekannt. Auch hat sich dasDichterisch-mährchenhafte jener überbliebenen Monumente nachund nach, durch Bemühung der Kenner, zur historischen Prosaherabgestimmt. Da wir denn nun deutlich auch in diesem Bei-spiel begreifen, daß ein Volk auf einer hohen sittlich-religiösenStufe stehen, sich mit Pracht und Prunk umgeben und in Be-zug auf Künste noch immer unter die barbarischen gezählt wer-den kann.
Eben so müssen wir auch, wenn wir Orientalische und be-sonders Persische Dichtkunst der Folgezeit redlich schätzen undnicht, zu künftigem eignem Verdruß und Beschämung, solcheüberschätzen wollen, gar wohl bedenken, wo denn eigentlich diewerthe, wahre Dichtkunst in jenen Tagen zu finden gewesen.
Aus dem Westlande scheint sich nicht viel selbst nach demnächsten Osten verloren zu haben, Indien hielt man vorzüglichim Auge; und da denn doch den Verehrern des Feuers und derElemente jene verrllckt-monstrose Religion, dem Lebemenschenaber eine abstruse Philosophie keineswegs annehmlich seyn konnte;so nahm man von dorther, was allen Menschen immer gleichwillkommen ist, Schriften, die sich auf Weltklugheit beziehen,da man denn auf die Fabeln des Bidpai den höchsten Werth legteund dadurch schon eine künftige Poesie in ihrem tiefsten Grundzerstörte. Zugleich hatte man aus derselben Quelle das Schach-spiel erhalten, welches, in Bezug mit jener Weltklugheit, allemDichtersinn den Garaus zu machen völlig geeignet ist. Setzenwir dieses voraus, so werden wir das Naturell der späternPersischen Dichter, sobald sie durch günstige Anlässe hervorge-rufen wurden, höchlich rühmen und bewundern, wie sie somanche Ungunst bekämpfen, ihr ausweichen, oder vielleichtgar überwinden können.
Die Nähe von Byzanz, die Kriege mit den westlichen Kai-sern und daraus entspringenden wechselseitigen Verhältnissebringen endlich ein Gemisch hervor, wobei die Christliche Reli-gion zwischen die der alten Parsen sich einschlingt, nicht ohneWiderstreben der Mobeden und dortigen Religionsbewahrer.Wie denn doch die mancherlei Verdrießlichkeiten, ja großes Un-glück selbst, das den trefflichen Fürsten Chosru Parvis überfiel,bloß daher seinen Ursprung nahm, weil Schirm, liebenswürdigund reizend, am Christlichen Glauben festhielt.
Dieses alles, auch nur obenhin betrachtet, nöthigt uns zugestehen, daß die Vorsätze, die Berfahrungsweise der Sassanidenalles Lob verdienen; nur waren sie nicht mächtig genug, in einervon Feinden rings umgebenen Lage, zur bewegtesten Zeit sichzu erhalten. Sie wurden, nach tüchtigem Widerstand, von denArabern unterjocht, welche Mahomet durch Einheit zur furcht-barsten Macht erhoben hatte.