Noten und Abhandlungen zum wcst-östlichc» Diran.
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persönlicher Gemüthsart abhängig und von dessen Macht, jaöfters mehr von dieser als jener. Kann doch kein Land zumGlück gedeihen, das fortwährend dem Krieg ausgesetzt ist, wiees von der frühsten Zeit an das Schicksal aller östlichen schwä-cheren Königreiche gewesen. Daraus folgt, daß die größte Glück-seligkeit, deren die Masse unter unumschränkter Herrschaft ge-nießen kann, sich aus der Gewalt und dem Ruf ihres MonarchenHerschreibe, so wie das Wohlbehagen, worin sich dessen Unter-thanen einigermaßen erfreuen, wesentlich auf den Stolz begründetist, zu dem ein solcher Fürst sie erhebt."
„Wir dürfen daher nicht bloß an niedrige und verkäuflicheGesinnungen denken, wenn die Schmeichelei uns auffällt, welchesie dem Fürsten erzeigen. Fühllos gegen den Werth der Freiheit,unbekannt mit allen übrigen Regierungsformen, rühmen sieihren eigenen Zustand, worin es ihnen weder an Sicherheit er-mangelt noch an Behagen, und sind nicht allein willig, sondernstolz, sich vor einem erhöhten Manne zu demüthigen, wenn sie inder Größe seiner Macht Zuflucht finden und Schutz gegen grö-ßeres unterdrückendes Uebel."
Gleichfalls läßt sich ein deutscher Recensent geist- und kenut-nißreich also vernehmen:
„Der Verfasser, allerdings Bewunderer des hohen Schwungsder Panegyriker dieses Zeitraums, tadelt zugleich mit Recht diesich im Ueberschwung der Lobpreisungen vergeudende Kraft edlerGemüther, und die Erniedrigung der Charakterwürde, welchedieß gewöhnlich zur Folge hat. Allein es muß gleichwohl bemerktwerden, daß in dem, in vielfachem Schmucke reicher Vollendungaufgeführten, Kunstgebäude eines ächt Poetischen Volkes panegy-rische Dichtung eben so wesentlich ist, als die sathrische, mit wel-cher sie nur den Gegensatz bildet, dessen Auflösung sich sodannentweder in der moralischen Dichtung, der ruhigen Richtern:menschlicher Vorzüge und Gebrechen, der Führerin zum Zieleinnerer Beruhigung, oder im Epos findet, welches mit unpar-teiischer Kühnheit das Edelste menschlicher Trefflichkeit neben dienicht mehr getadelte, sondern als zum Ganzen wirkende Ge-wöhnlichkeit des Lebens hinstellt, und beide Gegensätze auflöstund zu einem reinen Bilde des Daseyns vereinigt. Wenn esnämlich der menschlichen Natur gemäß, und ein Zeichen ihrerhöheren Abkunft ist, daß sie das Edle menschlicher Handlungenund jede höhere Vollkommenheit mit Begeisterung erfaßt, undsich an deren Erwägung gleichsam das innere Leben erneuert, soist die Lobpreisung auch der Macht und Gewalt, wie sie in Für-sten sich offenbart, eine herrliche Erscheinung im Gebiete derPoesie, und bei uns, mit vollestem Rechte zwar, nur darum inVerachtung gesunken, weil diejenigen, die sich derselben Hingaben,meistens nicht Dichter, sondern nur feile Schmeichler gewesen.Wer aber, der Calderon seinen König preisen hört, mag hier,wo der kühnste Aufschwung der Phantasie ihn mit fortreißt, anKäuflichkeit des Lobes denken? oder wer hat sein Herz noch gegenPindar's Siegeshymnen verwahren wollen? Die despotische Na-tur der Herrscherwürde Persien's, wenn sie gleich in jener Zeitihr Gegenbild in gemeiner Anbetung der Gewalt bei den meisten,welche Fürstenlob sangen, gefunden, hat dennoch durch die Ideeverklärter Macht, die sie in edlen Gemüthern erzeugte, auchmanche, der Bewunderung der Nachwelt werthe Dichtungen her-vorgerufen. Und wie die Dichter dieser Bewunderung noch heutewerth sind, sind es auch diese Fürsten, bei welchen wir ächteAnerkennung der Würde des Menschen und Begeisterung für
die Kunst, welche ihr Andenken feiert, vorfinden. Enweri ,Chakani, Sahir Farjabi und Achestegi sind die Dichterdieses Zeitraums im Fache der Panegyrik, deren Werke derOrient noch heute mit Entzücken lieft, und so auch ihren edlenNamen vor jeder Verunglimpfung sicher stellt. Ein Beweis, wienahe das Streben des panegyrischen Dichters an die höchste For-derung, die an den Menschen gestellt werden kann, gränze, istder plötzliche Uebertritt eines dieser Panegyrischen Dichter, S e-naji's, zur religiösen Dichtung: aus dem Lobpreisen seinesFürsten ward er ein nur für Gott und die ewige Vollkommen-heit begeisterter Sänger, nachdem er die Idee des Erhabenen,die er vorher im Leben aufzusuchen sich begnügte, nun jenseitsdieses Daseyns zu finden gelernt hatte."
Nachtrag.
Diese Betrachtungen zweier ernster, bedächtiger Männerwerden das Urtheil über Persische Dichter und Enkomiasten znrMilde bewegen, indem zugleich unsere frühern Aeußerungenhiedurch bestätigt sind: in gefährlicher Zeit nämlich komme beimRegiment alles darauf an, daß der Fürst nicht allein seine Unter-thanen beschützen, sondern sie auch persönlich gegen den Feindanführen könne. Zu dieser, bis auf die neuesten Tage, sich be-stätigenden Wahrheit lassen sich uralte Beispiele finden; wie wirdenn das Reichsgrundgesetz anführen, welches Gott dem Israeli-tischen Volke, mit dessen allgemeiner Zustimmung, in dem Au-genblick ertheilt, da es ein- für allemal einen König wünscht.Wir setzen diese Constitution, die uns freilich heut zu Tag etwaswunderlich scheinen möchte, wörtlich hieher.
„Und Samuel verkündigte dem Volk das Recht des Königes,den sie von dem Herrn forderten: das wird des Königes Rechtseyn, der über euch herrschen wird: Eure Söhne wird er nehmenzu seinen Wagen und Reutern, die vor seinem Wagen hcrtrabeu,und zu Hauptleuten über Tausend und über Fünfzig, und zuAckerleuten, die ihm seinen Acker bauen, und zu Schnittern inseiner Ernte, und daß sie seinen Harnisch und was zu seinemWagen gehört, machen. Eure Töchter aber wird er nehmen,daß sie Apothekerinnen, Köchinnen und Bäckerinnen seyn. Eurebesten Aecker und Weinberge und Obstgärten wird er nehmen undseinen Knechten geben. Dazu von eurer Saat und Weinbergenwird er den Zehnden nehmen und seinen Kämmerern und Knech-ten geben. Und eure Knechte und Mägde und eure feinestenJünglinge, und eure Esel wird er nehmen und seine Geschäftedamit ausrichten. Von euren Heerden wird er den Zehndennehmen: und ihr müsset seine Knechte seyn."
Als nun Samuel dem Volk das Bedenkliche einer solchenUebereinkunft zu Gemüthe führen und ihnen «brachen will, ruft eseinstimmig: „ Mit Nichten, sondern es soll ein König über uns seyn;daß wir auch seyn wie alle andere Heiden, daß uns unser Königrichte, und vor uns her ausziehe, wenn wir unsere Kriege führen."
In diesem Sinne spricht der Perser:
Mit Rath und Schwert umfaßt und schützet Er das Land;
Umfassende und Schirmen stehn in Gottes Hand.
Ueberhaupt Pflegt man bei Beurtheilung der verschiedenenRegierungsformen nicht genug zu beachten, daß in allen, wie