Noten und Abhandlungen zum west-östlichen Divan.
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durch Widersacher und Feinde gefördert worden, ist eine schwie-rige, kaum zu lösende Aufgabe. Indessen fühl' ich mich angetrie-ben , einige Männer zu nennen, denen ich besondern Dank abzu-tragen schuldig bin.
Jenes. Die Verdienste dieses Mannes sind so weltbekanntund an mehr als einem Orte umständlich gerühmt, daß mirnichts übrig bleibt, als nur im Allgemeinen anzuerkennen, daßich aus seinen Bemühungen von jeher möglichsten Vortheil zuziehen gesucht habe; doch will ich eine Seite bezeichnen, von iwelcher er mir besonders merkwürdig geworden.
Er, nach ächter Englischer Bildungsweise, in Griechischer undLateinischer Literatur dergestalt gegründet, daß er nicht allein dieProducte derselben zu würdern, sondern auch selbst in diesenSprachen zu arbeiten weiß, mit den Europäischen Literaturengleichfalls bekannt, in den Orientalischen bewandert, erfreut ersich der doppelt schönen Gabe, einmal eine jede Nation in ihreneigensten Verdiensten zu schätzen, sodann aber das Schöne undGute, worin sie sämmtlich einander nothwendig gleichen, überallaufzufinden.
Bei der Mittheilung feiner Einsichten jedoch findet er mancheSchwierigkeit, vorzüglich stellt sich ihm die Vorliebe seiner Na-tion für alte classische Literatur entgegen, und wenn man ihngenau beobachtet, so wird man leicht gewahr, daß er, als einkluger Mann, das Unbekannte an's Bekannte, das Schätzens-werthe an das Geschätzte anzuschließen sucht; er verschleiert seineVorliebe für Asiatische Dichtkunst und giebt mit gewandter Be-scheidenheit meistens solche Beispiele, die er Lateinischen und Grie- lchischen hochbelobten Gedichten gar wohl an die Seite stellendarf, er benutzt die rhythmischen antiken Formen, um die an-mnthigen Zartheiten des Orients auch Classicisten eingänglichzu machen. Aber nicht allein von alterthümlicher, sondern auchvon patriotischer Seite mochte er viel Verdruß erlebt haben, ihn ischmerzte Herabsetzung Orientalischer Dichtkunst; welches deutlich ^hervorleuchtet aus dem hart-ironischen, nur zweiblättrigen Aus- isatz: Dralls, sivo cke koösi ^uAlorum vislo^us, am Schlüsseseines Werkes: über Asiatische Dichtkunst. Hier stellt er uns mit ^offenbarer Bitterkeit vor Augen, wie absurd sich Milton undPope im Orientalischen Gewand ausnähmen; woraus denn folgt, swas auch wir so oft wiederholen, daß man jeden Dichter in seiner !Sprache und im eigenthümlichen Bezirk seiner Zeit und Sittenaufsuchen, kennen und schätzen müsse.
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Eichhorn. Mit vergnüglicher Anerkennung bemerke ich, >daß ich bei meinen gegenwärtigen Arbeiten noch dasselbe Exem- ^plar benutze, welches mir der hochverdiente Mann von seiner iAusgabe des Jones'schen Werks vor zweiundvierzig Jahren ver- !ehrte, als wir ihn noch unter die Unseren zählten und aus seinemMunde gar manches Heilsam-belehrende vernahmen. Auch die !ganze Zeit über bin ich seinem Lehrgänge im Stillen gefolgt,und in diesen letzten Tagen freute ich mich höchlich, abermalsvon seiner Hand das höchst wichtige Werk, das uns die Pro-pheten und ihre Zustände aufklärt, vollendet zu erhalten. Dennwas ist erfreulicher für den ruhig-verständigen Mann wie für denaufgeregten Dichter, als zu sehen, wie jene gottbegabten Män-ner mit hohem Geiste ihre bewegte Zeitumgebung betrachtetenund auf das Wundersam-bedenkliche, was vorging, strafend,warnend, tröstend und herzerhebend hindeuteten.
Goethe, Werke. l.
Mit diesem Wenigen sey mein dankbarer Lebensbezug zudiesem würdigen Manne treulich ausgesprochen.
Lorsbach. Schuldigkeit ist es hier auch des wackeren Lors-bach zu gedenken. Er kam betagt in unsern Kreis, wo er inkeinem Sinne für sich eine behagliche Lage fand; doch gab ermir gern über Alles, worüber ich ihn befragte, treuen Bescheid,sobald es innerhalb der Gränze seiner Kenntnisse lag, die er oftmochte zu scharf gezogen haben.
Wundersam schien es mir anfangs, ihn als keinen sonderlichenFreund Orientalischer Poesie zu finden; und doch geht es einemjeden auf ähnliche Weise, der auf irgend ein Geschäft mit Vor-liebe und Enthusiasmus Zeit und Kräfte verwendet und dochzuletzt eine gehoffte Ausbeute nicht zu finden glaubt. Und dannist ja das Alter die Zeit, die des Genusses entbehrt, da wo ihnder Mensch am meisten verdiente. Sein Verstand und seine Red-lichkeit waren gleich heiter, und ich erinnere mich der Stunden,die ich mit ihm zubrachte, immer mit Vergnügen.
Von Die).
Einen bedeutenden Einfluß auf mein Studium, den ichdankbar erkenne, hatte der Prälat von Diez. Zur Zeit da ichmich um Orientalische Literatur näher bekümmerte, war mir dasBuch des Kabus zu Handen gekommen, und schien mir sobedeutend, daß ich ihm viele Zeit widmete und mehrere Freundezu dessen Betrachtung aufforderte. Durch einen Reisenden botich jenem schätzbaren Manne, dem ich so viel Belehrung schuldiggeworden, einen verbindlichen Gruß. Er sendete mir dagegenfreundlich das kleine Büchlein über die Tulpen. Nun ließ ich,auf seidenartiges Papier, einen kleinen Raum mit prächtigergoldner Blumeneinfassung verzieren, worin ich nachfolgendesGedicht schrieb:
Wie man mit Vorsicht auf der Erde wandelt,
Es sey bergauf, es sey hinab vom Thron,
Und wie man Menschen, wie man Pferde handelt,
Das alles lehrt der König seinen Sohn.
Wir wissen's nun, durch Dich, der uns beschenkte;
Jetzt fügest Du der Tulpe Flor daran,
Und wenn mich nicht der goldne Rahm beschränkte,
Wo endete, was Du für uns gethan!
Und so entspann sich eine briefliche Unterhaltung, die derwürdige Mann, bis an sein Ende, mit fast unleserlicher Hand,unter Leiden und Schmerzen, getreulich fortsetzte.
Da ich nun mit Sitten und Geschichte des Orients bishernur im Allgemeinen, mit Sprache so gut wie gar nicht bekanntgewesen, war eine solche Freundlichkeit mir von der größtenBedeutung. Denn weil es mir, bei einem vorgezeichneten, me-thodischen Verfahren, um augenblickliche Aufklärung zu thunwar, welche in Büchern zu finden Kraft und Zeit verzehrendenAufwand erfordert hätte, so wendete ich mich in bedenklichenFällen an ihn, und erhielt auf meine Frage jederzeit genügendeund fördernde Antwort. Diese seine Briese verdienten gar wohl
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