l l i o p e.
Hermann und Dorothea.
Schicksal und Äntheil.
Hab' ich den Markt und die Straßen doch nie so einsam ge-sehen !
Ist doch die Stadt wie gekehrt! wie ausgestorben! Nicht fünfzig,Däucht mir, blieben zurück, von allen unsern Bewohnern.
Was die Neugier nicht thut! So rennt und läuft nun ein jeder,Um den traurigen Zug der armen Vertriebnen zu sehen.
Bis zum Dammweg, welchen sie ziehn, ist's immer ein Stünd-chen,
Und da läuft man hinab, im heißen Staube des Mittags.Möcht' ich mich doch nicht rühren vom Platz, um zu sehen dasElend
Guter fliehender Menschen, die nun, mit geretteter Habe,
Leider das überrheinische Land, das schöne, verlassend,
Zu uns herüber kommen, und durch den glücklichen WinkelDieses fruchtbaren Thals und seiner Krümmungen wandern.Trefflich hast du gehandelt, o Frau, daß du milde den Sohn fortSchicktest, mit alten Linnen und etwas Essen und Trinken,
Um es den Armen zu spenden; denn Geben ist Sache desReichen.
Was der Junge doch fährt! und wie er bändigt die Hengste!Sehr gut nimmt das Kütschchen sich aus, das neue; bequemlichSäßen Viere darin, und auf dem Bocke der Kutscher;
Dießmal fuhr er allein; wie rollt es leicht um die Ecke!
So sprach, unter dem Thore des Hauses sitzend am MarkteWohlbehaglich, zur Frau der Wirth zum goldenen Löwen.
Und es versetzte darauf die kluge, verständige Hausfrau:Vater, nicht gerne verschenk' ich die abgetragene Leinwand;Denn sie ist zu manchem Gebrauch und für Geld nicht zu haben,Wenn man ihrer bedarf. Doch heute gab ich so gerneManches bessere Stück an Ucberzügen und Hemden;
Denn ich hörte von Kindern und Alten, die nackend dahergehn.Wirst du mir aber verzeih»? denn auch dein Schrank istgeplündert.
Und besonders den Schlafrock mit Indianischen Blumen,
Von dem feinsten Cattun, mit seinem Flanelle gefüttert,
Gab ich hin; er ist dünn und alt und ganz aus der Mode.
Aber es lächelte drauf der treffliche Hauswirth und sagte:Ungern vermisst ich ihn doch, den alten cattunenen Schlafrock,Aecht Ostindischen Stoffs; so etwas kriegt man nicht wieder.
^ Wohl! ich trug ihn nicht mehr. Man will jetzt freilich, der! Mann soll
Immer gehn im SUrtout und in der Pekesche sich zeigen,i Immer gestiefelt seyn: verbannt ist Pantoffel und Mütze.
Siehe! versetzte die Frau, dort kommen schon einige wieder,Die den Zug mit gesehn; er muß doch wohl schon vorbei seyn.
! Seht, wie allen die Schuhe so staubig sind! wie die Gesichter! Glühen! und jeglicher führt das Schnupftuch, und wischt sich! den Schweiß ab.
! Möcht' ich doch auch, in der Hitze, nach solchem Schauspiel so! weit nicht
i Laufen und leiden! Fürwahr, ich habe genug am Erzählten.
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^ Und es sagte darauf der gute Vater mit Nachdruck:
- Solch ein Wetter ist selten zu solcher Ernte gekommen,
^ Und wir bringen die Frucht herein, wie das Heu schon herein ist,Trocken; der Himmel ist hell, es ist kein Wölkchen zu sehen,Und vom Morgen wehet der Wind mit lieblicher Kühlung.
Das ist beständiges Wetter! und überreif ist das Korn schon;Morgen sangen wir an zu schneiden die reichliche Ernte.
, Als er so sprach, vermehrten sich immer die Schaaren der! Männer
' Und der Weiber, die über den Markt sich nach Hause begaben;j Und so kam auch zurück mit seinen Töchtern gefahren^ Rasch, an die andere Seite des Markts, der begüterte Nachbar,
! An sein erneuertes Haus, der erste Kaufmann des Ortes,
^ Im geöffneten Wagen, er war in Landau verfertigt.
^ Lebhaft wurden die Gassen; denn wohl war bevölkert dasl Städtchen,
Mancher Fabriken befliß man sich da, und manches Gewerbes.
Und so saß das trauliche Paar, sich, unter dem Thorweg,Ueber das wandernde Volk mit mancher Bemerkung ergötzend.Endlich aber begann die würdige Hausfrau und sagte:
Seht, dort kommt der Prediger her; es kommt auch der NachbarApotheker mit ihm: die sollen uns alles erzählen,
Was sie draußen gesehn, und was zu schauen nicht froh macht.