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Hermann »Nd Torotlea.
Freundlich kamen heran die beiden, und grüßten das Ehpaar,Setzten sich auf die Bänke, die hölzernen, unter dem Thorweg,Staub von den Füßen schüttelnd, und Luft mit dem Tuche sichfächelnd.
Da begann denn zuerst, nach wechselseitigen Grüßen,
Der Apotheker zu sprechen und sagte, beinahe verdrießlich:
So sind die Menschen fürwahr.' und einer ist doch wie der andre,Daß er zu gaffen sich freut, wenn den Nächsten ein Unglückbefallet!
Läuft doch jeder, die Flamme zu sehn, die verderblich emporschlägt,Jeder den armen Verbrecher, der peinlich zum Tode geführtwird.
Jeder spaziert nun hinaus, zu schauen der guten VertriebnenElend, und niemand bedenkt, daß ihn das ähnliche SchicksalAuch, vielleicht zunächst, betreffen kann, oder doch künftig.Unverzeihlich find' ich den Leichtsinn; doch liegt er im Menschen.
Und es sagte darauf der edle verständige Pfarrherr,
Er, die Zierde der Stadt, ein Jüngling, näher dem Manne.Dieser kannte das Leben, und kannte der Hörer Bedürfniß,War vom hohen Werthe der heiligen Schriften durchdrungen,Die uns der Menschen Geschick enthüllen und ihre Gesinnung;Und so kannt' er auch wohl die besten weltlichen Schriften.Dieser sprach: Ich tadle nicht gerne, was immer dem MenschenFür unschädliche Triebe die gute Mutter Natur gab;
Denn was Verstand und Vernunft nicht immer vermögen, ver-mag oft
Solch ein glücklicher Hang, der unwiderstehlich uns leitet.
Lockte die Neugicr nicht den Menschen mit heftigen Reizen,Sagt! erführ' er wohl je, wie schön sich die weltlichen DingeGegen einander verhalten? Denn erst verlangt er das Reue,Suchet das Nützliche dann mit unermüdetem Fleiße;
Endlich begehrt er das Gute, das ihn erhebet und werth macht.In der Jugend ist ihm ein froher Gefährte der Leichtsinn,
Der die Gefahr ihm verbirgt, und heilsam geschwinde dieSpuren
Tilget des schmerzlichen Uebels, sobald es nur irgend vorbeizog.Freilich ist er zu preisen, der Mann, dem in reiferen JahrenSich der gesetzte Verstand aus solchem Frohsinn entwickelt,
Der im Glück wie im Unglück sich eifrig und thätig bestrebet;Denn das Gute bringt er hervor und ersetzet den Schaden.
Freundlich begann sogleich die ungeduldige Hausfrau:
Saget uns, was ihr gesehn! denn das begehrt' ich zu wissen.
Schwerlich, versetzte darauf der Apotheker mit Nachdruck,Werd' ich so bald mich freu'n nach dem, was ich alles erfahren.Und wer erzählet es wohl, das mannichfaltigste Elend!
Schon von ferne sahn wir den Staub, noch eh' wir die WiesenAbwärts kamen; der Zug war schon von Hügel zu HügelUnabsehlich dahin, man konnte wenig erkennen.
Als wir nun aber den Weg, der quer durch's Thal geht, er-reichten,
War Gedräng' und Getümmel noch groß der Wandrer undWagen.
Leider sahen wir noch genug der Armen vorbeiziehn,
Konnten einzeln erfahren, wie bitter die schmerzliche Flucht seh,Und wie froh das Gefühl des eilig geretteten Lebens.
Traurig war es zu sehn, die mannichfaltige Habe,
Die ein Haus nur verbirgt, das wohlverseh'ne, und die einGuter Wirth umher an die rechten Stellen gesetzt hat,
Immer bereit zum Gebrauche, denn alles ist nöthig und nützlich,Nun zu sehen das alles, auf mancherlei Wagen und KarrenDurch einander geladen, mit Uebereilung geflüchtet.
Ueber dem Schranke lieget das Sieb und die wollene Decke,
In dem Backtrog das Bett, und das Leintuch über dem Spiegel.Ach! und es nimmt die Gefahr, wie wir beim Brande vorzwanzig
Jahren auch wohl gesehn, dem Menschen alle Besinnung,
Daß er das Unbedeutende saßt und das Theure zurückläßt.
Also führten auch hier, mit unbesonnener Sorgfalt,
Schlechte Dinge sie fort, die Ochsen und Pferde beschwerend:Alte Bretter und Fässer, den Gänsestall und den Käfig.
Auch so keuchten die Weiber und Kinder, mit Bündeln sichschleppend,
Unter Körben und Butten voll Sachen keines Gebrauches;Denn es verläßt der Mensch so ungern das letzte der Habe.
Und so zog auf dem staubigen Weg der drängende Zug fort,Ordnungslos und verwirrt. Mit schwächeren Thieren, der eine,Wünschte langsam zu fahren, ein anderer emsig zu eilen.
Da entstand ein Geschrei der gequetschten Weiber und Kinder,Und ein Blöken des Viehes, dazwischen der Hunde Gebelfer,Und ein Wehlaut der Alten und Kranken, die hoch auf demschweren
Uebergepackten Wagen auf Betten saßen und schwankten.
Aber, aus dem Geleise gedrängt, nach dem Rande des HochwegsIrrte das knarrende Rad; es stürzt' in den Graben das Fuhrwerk,Umgeschlagen, und weithin entstürzten im Schwünge dieMenschen,
Mit entsetzlichem Schrei'n, in das Feld hin, aber doch glücklich.Später stürzten die Kasten, und fielen näher dem Wagen.Wahrlich, wer im Fallen sie sah, der erwartete nun sieUnter der Last der Kisten und Schränke zerschmettert zu schauen.Und so lag zerbrochen der Wagen, und hülflos die Menschen;Denn die übrigen gingen und zogen eilig vorüber,
Nur sich selber bedeutend und hingerissen vom Strome.
Und wir eilten hinzu, und fanden die Kranken und Alten,
Die zu Haus' und im Bett schon kaum ihr dauerndes LeidenTrügen, hier auf dem Boden, beschädigt, ächzen und jammern,Von der Sonne verbrannt und erstickt vom wogenden Staube.
Und es sagte darauf, gerührt, der menschliche Hauswirth:Möge doch Hermann sie treffen und sie erquicken und kleiden!Ungern würd' ich sie sehn; mich schmerzt der Anblick desJammers.
Schon von dem ersten Bericht so großer Leiden gerühret,Schickten wir eilend ein Scherflein von unserm Ueberfluß,daß nur
Einige würden gestärkt, und schienen uns selber beruhigt.
Aber laßt uns nicht mehr die traurigen Bilder erneuern;
Denn es beschleichet die Furcht gar bald die Herzen der Menschen,Und die Sorge, die mehr als selbst mir das Uebel verhaßt ist.Tretet herein in den Hinteren Raum, das kühlere Sälchen.
Nie scheint Sonne dahin, nie dringet wärmere Luft dortDurch die stärkeren Mauern; und Mütterchen bringt uns einGläschen