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Reineke Fuchs.
Groß und stark, wie sie war. den Kopf in die Spalte; sie drängte,Schob und brach und zog. und wollte folgen, und immerKlemmte sie tiefer sich ein und konnte nicht vorwärts nochrückwärts.
Da das Reineke sah. lief er zur anderen SeiteKrummen Weges herein, und kam und macht' ihr zu s^affen.Aber sie ließ es an Worten nicht fehlen, sie schalt ihn: Duhandelst
Als ein Schelm! ein Dieb! Und Reineke sagte dagegen:
Ist es noch niemals geschehen, so mag es jetzo geschehen.
Wenig Ehre verschafft es, sein Weib mit andern zu sparen,Wie nun Reineke that. Gleichviel war alles dem Bösen.
Da nun endlich die Wölfin sich aus der Spalte gerettet,
War schon Reineke weg und seine Straße gegangen.
Und so dachte die Frau, sich selber Recht zu verschaffen,
Ihrer Ehre zu wahren, und doppelt war sie verloren.
Lasset uns aber zurück nach Hinzen sehen. Der Arme,
Da er gefangen sich fühlte, beklagte nach Weise der KaterSich erbärmlich; das hörte Martincheu und sprang aus demBette.
Gott sey Dank! Ich habe den Strick zur glücklichen StundeVor die Oeffnung geknüpft; der Dieb ist gefangen! Ich denke,Wohl bezahlen soll er den Hahn! so jauchzte Martinchen,Zündete hurtig ein Licht an (im Hause schliefen die Leute),Weckte Vater und Mutter darauf und alles Gesinde;
Rief: Der Fuchs ist gefangen! wir wollen ihm dienen. Siekamen
Alle, groß und klein, ja selbst der Pater erhub sich,
Warf ein Mäntelchen um; es lief mit doppelten LichternSeine Köchin voran, und eilig hatte MartinchenEinen Knüttel gefaßt und machte sich über den Kater,
Traf ihm Haut und Haupt und schlug ihm grimmig ein Aug' aus.
Alle schlugen auf ihn; es kam mit zackiger Gabel
Hastig der Pater herbei und glaubte den Räuber zu fällen.
Hinze dachte zu sterben; da sprang er wüthend entschlossenZwischen die Schenkel des Pfaffen und biß und kratzte gefährlich,Schändete grimmig den Mann und rächte grausam das Auge.Schreiend stürzte der Pater und fiel ohnmächtig zur Erden.Unbedachtsam schimpfte die Köchin, es habe der TeufelIhr zum Possen das Spiel selbst angerichtet. Und doppelt,Dreifach schwur sie, wie gern verlöre sie, wäre das UnglückNicht dem Herren begegnet, ihr bißchen Habe zusammen.
Ja sie schwur, ein Schatz von Golde, wenn sie ihn hätte,
Sollte sie wahrlich nicht reuen, sie wollt'ihn missen. Sojammert'Sie die Schande des Herrn und seine schwere Verwundung.Endlich brachten sie ihn mit vielen Klagen zu Bette,
Ließen Hinzen am Strick und hatten seiner vergessen.
Als nun Hinze, der Kater, in seiner Noth sich allein sah,Schmerzlich geschlagen und übel verwundet, so nahe dem Tode,Faßt' er aus Liebe zum Leben den Strick und nagt' ihn behende.Sollt' ich mich etwa erlösen vom großen Uebel? so dacht' er.
Und es gelang ihm, der Strick zerriß. Wie fand er sich glücklich!Eilte dem Ort zu entsiiehn, wo er so vieles erduldet;
Hastig sprang er zum Loche heraus und eilte die StraßeNach des Königes Hof, den er des Morgens erreichte.
Aergerlich schalt er sich selbst: So mußte dennoch der TeufelDich durch Reinekens List, des bösen Verrathers, bezwingen!Kommst du doch mit Schande zurück, am Auge geblendetUnd mit Schlägen schmerzlich beladen; wie mußt du dich schämen!
Aber des Königes Zorn entbrannte heftig, er dräuteDem Verräther den Tod ohn' alle Gnade. Da ließ erSeine Räthe versamineln; es kamen seine Baronen,
Seine Weisen zu ihm; er fragte, wie man den FrevlerEndlich brächte zu Recht, der schon so vieles verschuldet.
Als nun viele Beschwerden sich über Reineken häuften,
Redete Grimbart, der Dachs: Es mögen in diesem GerichteViele Herren auch seyn, die Reineken Uebels gedenken,
Doch wird niemand die Rechte des freien Mannes verletzen.Nun zum drittenmal muß man ihn fordern. Ist dieses geschehen,Kommt er dann nicht, so möge das Recht ihn schuldig erkennen.Da versetzte der König: Ich fürchte, keiner von allenGinge, dem tückischen Manne die dritte Ladung zu bringen.Wer hat ein Auge zu viel? wer mag verwegen genug seyn,
Leib und Leben zu wagen, um diesen bösen Verräther?
Seine Gesundheit auf's Spiel zu setzen und dennoch am EndeReineken nicht zu stellen? Ich denke, niemand versucht es.
Ueberlaut versetzte der Dachs: Herr König, begehretIhr es von mir, so will ich sogleich die Botschaft verrichten,Sey es, wie es auch sey. Wollt ihr mich öffentlich senden,Oder geh' ich, als käm' ich von selber? Ihr dürft nur befehlen.Da beschied ihn der König: So geht dann! Alle die KlagenHabt ihr sämmtlich gehört, und geht nur weislich zu Werke;Denn es ist ein gefährlicher Mann. Und Grimbart versetzte:Einmal muß ich es wagen, und hoff' ihn dennoch zu bringen.
So betrat er den Weg nach Malepartus, der Beste;Reineken fand er daselbst mit Weib und Kindern und sagte:Oheim Reineke, seyd mir gegrüßt! Ihr seyd ein gelehrter,Weiser, kluger Mann; wir müssen uns alle verwundern,
Wie ihr des Königes Ladung verachtet, ich sage, verspottet.Däucht euch nicht, es wäre nun Zeit? Es mehren sich immerKlagen und böse Gerüchte von allen Seiten. Ich rath' euch,Kommt nach Hofe mit mir, es hilft kein längeres Zaudern.Viele, viele Beschwerden sind vor den König gekommen,
Heute werdet ihr nun zum drittenmale geladen;
Stellt ihr euch nicht, so seyd ihr verurtheilt. Dann führet derKönig
Seine Vasallen hiehcr, euch einzuschließen, in dieserBeste Malepartus euch zu belagern; so gehetIhr mit Weib und Kindern und Gut und Leben zu Grunde.Ihr entfliehet dem Könige nicht; drum ist es am besten,
Kommt nach Hofe mit mir! Es wird an listiger WendungEuch nicht fehlen, ihr habt sie bereit und werdet euch retten;Denn ihr habt ja wohl oft, auch an gerichtlichen Tagen,Abenthener bestanden, weit größer als dieses, und immerKamt ihr glücklich davon und eure Gegner in Schande.
Grimbart hatte gesprochen, und Reineke sagte dagegen:Oheim, ihr rathet mir wohl, daß ich zu Hofe mich stelle,
Meines Rechtes selber zu wahren. Ich hoffe, der KönigWird mir Gnade gewähren; er weiß, wie sehr ich ihm nütze;