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Reineke Fuchs.
Aber es trat mein Söhnchen, das jüngste, zum Tische, zu sehen,Ob was übrig geblieben; denn Kinder lieben das Essen.
Und der Knabe haschte darnach. Da schlug das KaninchenHastig ihn über das Maul, es bluteten Lippen und Zahne.Reinhardt, mein andrer, sah die Begegnung und faßte den AeuglerGrad an der Kehle, spielte sein Spiel und rächte den Bruder.Das geschah, nicht mehr und nicht minder. Ich säumte nicht lange,Lief und strafte die Knaben und brachte mit Mühe die beidenAuseinander. Kriegt' er was ab, so mag er es tragen:
Denn er hatte noch mehr verdient; auch wären die Jungen,Hätt' ich es übel gemeint, mit ihm wohl fertig geworden.
Und so dankt er mir nun! Ich riß ihm, sagt er, ein Ohr ab;Ehre hat er genossen und hat ein Zeichen behalten.
Ferner kam die Krähe zu mir, und klagte: die GattinHab' er verloren, sie habe sich leider zu Tode gegessen,
Einen ziemlichen Fisch mit allen Gräten verschlungen;
Wo es geschah, das weiß er am besten. Nun sagt er, ich habeSie gemordet; er that es wohl selbst, und würde man ernstlichIhn verhören, dürft' ich es thun, er spräche wohl anders;
Denn sie fliegen, es reichet kein Sprung so hoch, in die Lüfte.Will nun solcher verbotenen Thaten mich jemand bezichten,Thu' er's mit redlichen, gültigen Zeugen; denn also gehört sich'sGegen edle Männer zu rechten; ich müßt' es erwarten.
Aber finden sich keine, so giebt's ein anderes Mittel.
Hier! ich bin zum Kampfe bereit! Man setze den Tag anUnd den Ort. Es zeige sich dann ein würdiger Gegner,
Gleich mit mir von Geburt, ein jeder führe sein Recht aus.
Wer dann Ehre gewinnt, dem mag sie bleiben! So hat esImmer zu Rechte gegolten, und ich verlang' es nicht besser.
Alle standen und hörten, und waren über die WorteNeinekens höchlich verwundert, die er so trotzig gesprochen.
Und es erschraken die beiden, die Krähe mit dem Kaninchen,Räumten den Hof und trauten nicht weiter ein Wörtchen zusprechen.
Gingen und sagten unter einander: Es wäre nicht rathsam,Gegen ihn weiter zu rechten. Wir möchten alles versuchen,
Und wir kämen nicht aus. Wer hat's gesehen? Wir warenGanz allein mit dem Schelm; wer sollte zeugen? Am EndeBleibt der Schaden uns doch. Für alle seine VerbrechenWarte der Henker ihm auf und lohn' ihm, wie er's verdiente!Kämpfen will er mit uns? das möcht' uns übel bekommen.Nein fürwahr, wir lassen es lieber; denn falsch und behende,Lose und tückisch kennen wir ihn. Es wären ihm wahrlichUnser sünfe zu wenig, wir müßten es theuer bezahlen.
Isegrim aber und Braunen war übel zu Muthe; sie sahenUngern die beiden vom Hofe sich schleichen. Da sagte der König:Hat noch jemand zu klagen, der komme! Laßt uns vernehmen!Gestern drohten so viele, hier steht der Beklagte! wo sind sie?
Reineke sagte: So pflegt cszu gehn; man klagt und beschuldigtDiesen und jenen; doch stünd' er dabei, man bliebe zu Hause.Diese losen Berräther, die Krähe mit dem Kaninchen,
Hätten mich gern in Schande gebracht und Schaden und Strafe,Aber sie bitten mir's ab, und ich vergebe; denn freilich,
Da ich komme, bedenken sie sich und weichen zur Seite.
Wie beschämt' ich sie nicht! Ihr sehet, wie es gefährlich
! Ist, die losen Verleumder entfernter Diener zu hören;
! Sie verdrehen das Rechte und sind den Besten gehässig,j Andre dauern mich nur, an mir ist wenig gelegen.
! Höre mich, sagte der König darauf, du loser Verräther!
Sage, was trieb dich dazu, daß du mir Lampen, den treuen,j Der mir die Briefe zu tragen Pflegte, so schmählich getödtet?
! Hatt' ich nicht alles vergeben, so viel du immer verbrochen?Ränzel und Stab empfingst du von mir, so warst du versehen,Solltest nach Rom und über das Meer; ich gönnte dir alles,Und ich hoffte Beßrung von dir. Nun seh' ich zum Anfang,Wie du Lampen gemordet; es mußte Bellyn dir zum BotenDienen, der brachte das Haupt im Ränzel getragen, und sagteOeffentlich aus, er bringe mir Briefe, die ihr zusammenAusgedacht und geschrieben, er habe das Beste gerathen.
Und im Ränzel fand sich das Haupt, nicht mehr und nicht minder.Mir zum Höhne thatet ihr das. Bellpnen behielt ichGleich zum Pfande, sein Leben verlor er; nun geht es an deines.
Reineke sagte: Was hör' ich? Ist Lampe todt? und BellynenFind' ich nicht mehr? Was wird nun aus mir? O wär' ich ge-storben !
Ach, mit beiden geht mir ein Schatz, der größte, verloren!Denn ich sandt' euch durch sie Kleinode, welche nicht besserUeber der Erde sich finden. Wer sollte glauben, der WidderWürde Lampen ermorden und euch der Schätze berauben?Hüte sich einer, wo niemand Gefahr und Tücke vermuthet!
Zornig hörte der König nicht aus, was Reineke sagte,Wandte sich weg nach seinem Gemach und hatte nicht deutlichNeinekens Rede vernommen; er dacht' ihn am Leben zu strafen.Und er fand die Königin eben in seinem GemacheMit Frau Rückenau stehn; es war die Aeffin besondersKönig und Königin lieb; das sollte Reineken helfen.
Unterrichtet war sie und klug und wußte zu reden;
Wo sie erschien, sah jeder auf sie und ehrte sie höchlich.
Diese merkte des Königs Verdruß und sprach mit Bedachte:Wenn ihr, gnädiger Herr, auf meine Bitte zuweilenHörtet, gereut' es euch nie, und ihr vergabt mir die Kühnheit,Wenn ihr zürntet, ein Wort gelinder Meinung zu sagen.
Seyd auch dießmal geneigt mich anzuhören, betrifft esDoch mein eignes Geschlecht! Wer kann die Seinen verläugnen?Reineke, wie er auch sey, ist mein Verwandter, und soll ich,Wie sein Betragen mir scheint, aufrichtig bekennen, ich denke,Da er zu Rechte sich stellt, von seiner Sache das Beste.
Mußte sein Vater doch auch, den euer Vater begünstigt,
Viel von losen Mäulern erdulden, und falschen Verklägern!Doch beschämt' er sie stets. Sobald man die Sache genauerUntersuchte, fand es sich klar: die tückischen NeiderSuchten Verdienste sogar als schwere Verbrechen zu deuten.
So erhielt er sich immer in größerem Ansehn bei Hof, alsBraun und Isegrim jetzt: denn diesen wäre zu wünschen,
Daß sie alle Beschwerden auch zu beseitigen wüßten,
Die man häufig über sie hört! allein sie verstehen
Wenig vom Rechte: so zeigt es ihr Rath, so zeigt es ihr Leben.
Doch der König versetzte darauf: Wie kann es euch wundern,Daß ich Reineken gram bin, dem Diebe, der mir vor kurzem