Reinekc Fuchs.
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Weder Donner, noch Blitz, noch Zauberei ihn verletzen.
Ferner sagte der Meister, er habe gelesen, es könne,
Wer den Ring am Finger bewahrt, in grimmiger KälteNicht erfrieren; er lebe gewiß ein ruhiges Alter.
Außen stand ein Edelgestein, ein Heller Carfunkel;
Dieser leuchtete Nachts und zeigte deutlich die Sachen.
Viele Kräfte hatte der Stein: er heilte die Kranken;
Wer ihn berührte, fühlte sich frei von allen Gebrechen,
Aller Bedrängniß, nur ließ sich der Tod allein nicht bezwingen.Weiter entdeckte der Meister des Steines herrliche Kräfte:Glücklich reist der Besitzer durch alle Lande, ihm schadetWeder Wasser noch Feuer; gefangen oder verrathenKann er nicht werden, und jeder Gewalt des Feindes entgeht er;Und besieht er nüchtern den Stein, so wird er im KampfeHundert überwinden und mehr; die Tugend des SteinesNimmt dem Gifte die Wirkung und allen schädlichen Säften.Eben so vertilgt sie den Haß, und sollte gleich mancherDen Besitzer nicht lieben, er fühlt sich in kurzem verändert.
Wer vermöchte die Kräfte des Steines alle zu zählen,
Den ich im Schatze des Vaters gefunden und den ich dem KönigNun zu senden gedachte? Denn solches köstlichen RingesWar ich nicht werth; ich wußt',es recht wohl; er sollte dem Einen,Der von allen der Edelste bleibt, so dacht' ich, gehören:
Unser Wohl beruht nur auf ihm und unser Vermögen.
Und ich hoffte sein Leben vor allem Uebel zu schützen.
Ferner sollte Widder Bellyn der Königin gleichfallsKamm und Spiegel verehren, damit sie meiner gedächte.
Diese hatt' ich einmal zur Lust vom Schatze des VatersZu mir genommen, es fand sich auf Erden kein schöneres Kunstwerk.O wie oft versucht' es mein Weib und wollte sie haben!
Sie verlangte nichts weiter von allen Gütern der Erde,
Und wir stritten darum; sie konnte mich niemals bewegen.
Doch nun sendet' ich Spiegel und Kamm mit gutem BedachteMeiner gnädigen Frauen, der Königin, welche mir immerGroße Wohlthat erwies und mich vor Uebel beschirmte;
Oefters hat sie für mich ein günstiges Wörtchen gesprochen;
Edel ist sie, von hoher Geburt, es ziert sie die TugendUnd ihr altes Geschlecht bewährt sich in Worten und Werken.Würdig war sie des Spiegels und Kammes! die hat sie nunleider
Nicht mit Augen gesehn, sie bleiben auf immer verloren.
Nun vom Kamme zu reden. Zu diesem hatte der KünstlerPantherknochen genommen, die Reste des edlen Geschöpfes;Zwischen Indien wohnt es und zwischen dem Paradiese;
Allerlei Farben zieren sein Fell, und süße GerücheBreiten sich aus, wohin es sich wendet, darum auch die ThiereSeine Fährte so gern auf allen Wegen verfolgen;
Denn sie werden gesund von diesem Gerüche, das fühlenUnd bekennen sie alle. Von solchen Knochen und BeinenWar der zierliche Kamm mit vielem Fleiße gebildet,
Klar wie Silber und weiß von unaussprechlicher Reinheit,
Und des Kammes Geruch ging über Nelken und Zimmet.Stirbt das Thier, so fährt der Geruch in alle Gebeine,
Bleibt beständig darin und läßt sie nimmer verwesen;
Alle Seuche treibt er hinweg und alle Vergiftung.
Ferner sah man die köstlichsten Bilder am Rücken des KammesHocherhaben, durchflochten mit goldenen zierlichen RankenUnd mit roth und blauer Lasur. Im mittelsten Felde
War die Geschichte künstlich gebildet, wie Paris von TrojaEines Tages am Brunnen saß, drei göttliche FrauenVor sich sah, man nannte sie Pallas und Juno und Venus.Lange stritten sie erst; denn jegliche wollte den ApfelGerne besitzen, der ihnen bisher zusammen gehörte;
Endlich verglichen sie sich, es solle den goldenen ApfelParis der schönsten bestimmen, sie sollt' allein ihn behalten.
Und der Jüngling beschaute sie wohl mit gutem Bedachte.
Juno sagte zu ihm: Erhalt' ich den Apfel, erkennst duMich für die schönste, so wirst du der erste vor allen an Reichthum.Pallas versetzte: Bedenke dich wohl und gieb mir den Apfel,Und du wirst der mächtigste Mann; es fürchten dich alle,
Wird dein Name genannt, so Feind' als Freunde zusammen.Venus sprach: Was soll die Gewalt? was sollen die Schätze?Ist dein Vater nicht König Priamus? deine Gebrüder,
Hektor und andre, sind sie nicht reich und mächtig im Lande?Ist nicht Troja geschützt von seinem Heere, und habt ihrNicht umher das Land bezwungen und fernere Völker?
Wirst du die schönste mich preisen und mir den Apfel ertheilen,Sollst du des herrlichsten Schatzes auf dieser Erde dich freuen.Dieser Schatz ist ein treffliches Weib, die schönste von allen,Tugendsam, edel und weise, wer könnte würdig sie loben?
Gieb mir den Apfel, du sollst des Griechischen Königs Gemahlin,Helena mein' ich, die schöne, den Schatz der Schätze besitzen.Und er gab ihr den Apfel und pries sie vor allen die schönste.Aber sie half ihm dagegen die schöne Königin rauben;Menelaus' Geinahlin, sie ward in Troja die Seine.
Diese Geschichte sah man erhaben im mittelsten Felde.
Und es waren Schilder umher mit künstlichen Schriften;
Jeder durfte nur lesen und so verstand er die Fabel.
Höret nun weiter vom Spiegel, daran die Stelle des GlasesEin Beryll vertrat von großer Klarheit und Schönheit;
Alles zeigte sich drinn, und wenn es meilenweit vorging,
War es Tag oder Nacht. Und hatte jemand im AntlitzEinen Fehler, wie er auch war, ein Fleckchen im Auge,
Durft' er sich nur im Spiegel besehn, so gingen von Stund' anAlle Mängel hinweg und alle fremde Gebrechen.
Jst's ein Wunder, daß mich es verdrießt, den Spiegel zu missen?Und es war ein köstliches Holz zur Fassung der Tafel,
Sethym heißt es, genommen, von festem, glänzendem Wüchse;Keine Würmer stechen es an und wird auch, wie billig,
Höher gehalten als Gold, nur Ebenholz kommt ihm am nächsten.Denn aus diesem verfertigt' einmal ein trefflicher KünstlerUnter König Krompardes ein Pferd von seltnem Vermögen;Eine Stunde brauchte der Reiter und mehr nicht zu hundertMeilen. Ich könnte die Sache für jetzt nicht gründlich erzählen;Denn es fand sich kein ähnliches Roß, so lange die Welt steht.Anderthalb Fuß war rings die ganze Breite des RahmensUm die Tasel herum, geziert mit künstlichem Schnitzwerk,
Und mit goldnen Lettern stand unter jeglichem Bilde,
Wie sich's gehört, die Bedeutung geschrieben. Ich will die Ge-schichten
Kürzlich erzählen. Die erste war von dem neidischen Pferde:Um die Wette gedacht' es mit einem Hirsche zu laufen;
Aber hinter ihm blieb es zurück, das schmerzte gewaltig.
Und es eilte darauf mit einem Hirten zu reden,
Sprach: Du findest dein Glück, wenn du mir eilig gehorchest.Setze dich auf, ich bringe dich hin; es hat sich vor kurzem