Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Im Namen der Bürgerschaft von Earlsbad.

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Denn wendet Er in seinen weiten ReichenDen Blick umher nach mannichfalt'gem Gut,

So übersieht Er Fülle sonder Gleichen,

Die über allem ausgebreitet ruht;

Wo Ebne sich verflachet, Berge steigen,

Der Aehre Gold, der edlen Rebe Blut,

Und schaarenweis, zum Nutzen eingehändigt,

Der Thiere Heerden, die der Mensch gebändigt.

Und wo die großen Flüsse sich ergießenDurch überbreites, reichbebautes Land,

Mit schnellen Fluthen manche Städte grüßen,Dort hält Er gern das Auge hingewandt.

Nun lass' Er auch des Vaterblicks genießenDie tiefe Stadt, die kühn sich unterwand,

In enge Schlucht sich nothgedrungen setzte,Vielleicht die kleinste, keineswegs die letzte.

Weil dieses Thal, von Bergen rings umfriedet,Ein ungeheures Wunder sich erzeugt,

Wo heimlich, seit Urjahren unermüdet,

Heilsam Gewässer durch die Klüfte schleicht,

In tiefen Höhlen ohne Feuer siedet,

Und ohne Fall hoch in die Lüfte steigt,

Und wenn des Wirkens Leidenschaft gestillet,

Die Felsen bildet, denen es entquillet.

In tiefer Wildniß dieser Thäler schreckteDes Jägers Horn die scheuen Wilde kaum.

Er war es, der den Wunderquell entdeckte,

Und Böhmen's Carl belebt den stummen Raum.

Ein jeder, der zu bauen sich erkeckte

Auf heißem Boden, an der Schlünde Saum,

Und ferne her nun die Erkrankten ladet,

Sieht sich mit Wald und Feld und Trift begnadet.

So hat fortan, mit immer regem Streben,

Natur und Kunst viel Tausenden genlltzt.

Was Gott dem Bürgerin die Hand gegeben,Wenn es der Fürst begünstigt und beschützt,

Dann bleibt fürwahr ein unverwüstlich Leben,Indem der Sohn dem Vater nachbesitzt.Geschlechter widersteht! der größten PlageUnd blühn und wachsen bis zum spätsten Tage.

Vollständig ist jedoch kein Glück zu nennen,

Wenn bei so manchem Gut das höchste fehlt;

Wir durften das nur in der Ferne kennen,

Und Jahre haben wir umsonst gezählt.

Erst heute mögen wir getrost bekennen,

Wie solch ein Mangel uns bisher gequält;

Heut fühlen wir entbehrter Regung Wonne:

Der Blick des Herrn, er ist die zweite Sonne.

Erhabne Gegenwart! die heute gründet,

Was lange schon der Wunsch im Stillen war.Beamte, Bürger, wechselseits entzündet,

Beeifern sich im neuen Jubeljahr,

Und jeder macht die Kraft, die er sich findet,

Nach allen Seiten thätig offenbar,

Und nun erscheint, damit der Herr sich freue,-Das Alte fest und lebenvoll das Neue.

Selbst jener wilde Quell, den tief im SchlündeKein Menschenwitz und keine Kraft beschwor,Ergrimmt nicht mehr am eingezwängten Schlünde,Ihm läßt die Weisheit nun ein offnes Thor;Damit der fernste Pilger hier gesunde,

Wirft sprudelnd frei er volle Kraft hervor,

Zerreißt nicht mehr die selbstgewölbten Decken,Nur heilen will er künftig, nicht erschrecken.

Und wo die Brunnen lau und milder wallen,Befiehlt der Herr, soll es auch heiter seyn;

Schon richten sich empor geraume Hallen,Behau'ner Stamm fügt sich geviertem Stein.

Des Herren Preis wird stets daselbst erschallen:

Er gab uns diesen Raum, Er lud uns ein!

Uns wird die Noth nicht mehr zusammen drängen,Behaglich soll das Wandeln sich verlängen.

Von seines Auges mildem Blick entbrennetEin heilig Feuer, das uns nie entweicht;

Und wie man erst des Sommers Kräfte kennet,Wenn sich im Herbst der Trauben Fülle zeigt,

So zeige sich, wenn Er von uns getrennet,

Der Segen wirksam, den Er uns gereicht,

Und werde so, beim glücklichsten Ereigniß,

Die kleine Stadt des großen Reiches Gleichniß.

Ihro -er Kaiserin von Frankreich Majestät.

Juli 1812.

Sieht man den schönsten Stern die Nacht erhellen,

So wird das Auge wie das Herz erquickt;

Doch wenn, in seltnen langersehnten Fällen,

Ein herrliches Gestirn zum andern rückt,

Die nahverwandten Strahlen sich gesellen,

Dann weilt ein jeder schauend, hochentzückt;

So unser Blick, wie er hinauf sich wendet,

Wird vom Verein der Majestät geblendet.

Wir denken noch, wie Sie hinweggezogen,

Der Eltern Lust, die holde Friedensbraut;

Schon beugten sich des Rheines edle Wogen,

Die beiden Ufer lächelten vertraut;

So freut die Erde sich am Himmelsbogen,

Von farbigen Juwelen aufgebaut,

Der, wenn er schon vor unsern Augen schwindet,

Den Frieden sichert, den er angekündet.

Im neuen Reich empfängt Sie das BehagenVon Millionen, die aus düstrer NachtAufschauen wieder zu gesunden Tagen,

Zum festen Leben abermals erwacht.