Palaeoptiron nnd Nrotrrpr.
1800 .
Der Herzogin Amalia von Sachsen-Weimar widmete dieses kleine Stück der Verfasser mit dankbarer Verehrung. Er hatte dabei dieAbsicht, an alte bildende Kunst zu erinnern und ein plastisches, doch bewegliches und belebtes Werk den Zuschauern vor Augen zu stellen.
Durch gegenwärtigen Abdruck kann man dem Publicum freilich nur einen Theil des Ganzen vorlegen, indem die Wirkung der voll-ständigen Darstellung auf die Gesinnungen und die Empfänglichkeit gebildeter Zuschauer, auf die Empfindung und die persönlichen Vorzügeder spielenden Personen, auf gefühlte Recitation, auf Kleidung, Masken und mehr Umstände berechnet war.
Eine Vorhalle, an der Seite ein Altar, um denselben ein Asyl, Idurch eine niedrige Mauer bezeichnet; außerhalb, an dem Fortsätze !der Mauer, ein steinerner Sessel,
tlcotcrpe ;
lmit zwei Kindern in Eharaktermasken), ^
Zum frohen Feste find' ich feine Leute hierVersammelt, und ich dränge mich beherzt herein,
Ob sie mir und den Meinen guten Schutz vielleichtGewähren möchten, dessen ich so sehr bedarf.
Zwar wenn ich komme, Gastgerechtigkeit zu flehn,
Könnte man auch fordern, daß ich sagte, wer ich sey;
Doch dieses ist viel schwerer, als man denken mag.
Zu leben weiß ich, mich zu kennen weiß ich nicht;
Doch was so manche Leute von mir sagen, weiß ich wohl;
Die einen haben mich die neue Zeit genannt,
Auch manchmal heiß' ich ihnen Genius der Zeit; i
Genug! ich bin das Neue eben überall.
Willkommen stets und unwillkommen wandl' ich fort,
Und wär' ich nicht, so wäre nichts auch überall.
Und ob ich gleich so nöthig als erfreulich bin,
So wandelt doch ein Alter immer hinter mir,
Der mich vernichten würde, wenn es ihm einmal,
Mit seinem langsam langbedächt'gen Schritt,
Mich zu erreichen glückte. Doch so hetzt er michVon einem Ort zum andern, daß ich nicht so frohMit meinen artigen Gespielen mich, der LustDes heitern Lebens hingegeben, freuen darf.
Nun hab' ich mich hierher gerettet, wo mit RechtMan sich des schönsten Tags zu freun versammelt ist,
Und denke Schutz zu finden vor dem wilden MannUnd Recht, obgleich er stärker ist als ich.
Drum werf' ich bittend mich an den AltarDer Götter dieses Hauses flehend hin.
Kniet nieder gleichfalls, allerliebste Kinder ihr,
Die ihr, zu mir gesellt, ein gleich Geschick,
Wie ich es hoffe, hier getrost erwarten dürft.
Palacophron
(auf zwei Alte in Eharaktermasken gelehnt, im Hereintreten zuseinen Begleitern).
Ihr habet klug die Flüchtige mir ausgespürt,
Und nicht vergebens wenden wir den Fuß hierher;
Denn seht! sie hat sich flehend an den Ort gewandt,Berühret den Altar, der uns verehrlich ist.
Doch wenn er gleich sie schützt und ihre leid'ge Brüt,
So wollen wir sie doch belagern, daß sie sichVon ihrem Schutzort nicht entfernen darf, wofernSie nicht in unsre Hände sich begeben will.
Drum führet mich zum Sessel, daß ich michIhr gegenüber setzen und bedenken kann,
Wiefern ich mit Gewalt, wo nicht mit gutem Wort,
Zu ihrer Schuldigkeit zu bringen sie vermag,i (Er setzt sich und spricht zu den Zuschauern.)
Und ihr, die ihr vielleicht in enern Schutz sie nehmt,Dieweil sie lieblich aussieht und bethulich ist,
Und jedem gern nach seiner eignen Art erscheint,
Erfahrt, welch Recht, sie zu verfolgen, mir gebührt.
Ich will nicht sagen, daß sie meine Tochter sey;
Doch hab' ich stets als Oheim Vaterrecht auf sie,
Und kann behaupten, daß aus meinem Blute sieEntsprossen, mir vor allen andern angehört.
Im Allgemeinen nennt man mich die alte Zeit,
Und wer besonders wohl mir will, der nennt mich auchDie goldne Zeit, und will in seiner Jugend michAls Freund besessen haben, da ich, jung wie erUnd rüstig, unvergleichlich soll gewesen seyn.
Auch hör' ich überall, wohin ich horchend nurDie Ohren wende, mein entzückend großes Lob.
Und dennoch kehret jedermann den Rücken mirUnd richtet emsig sein Gesicht der neuen zu,
Der jungen da, die schmeichelnd jeglichen verdirbt,
Mit thörichtem Gefolge durch das Volk sich drängt.
^ Drum hab' ich sie, mit diesen wackeren Gesellen hier,