Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Was wir bringen.

Mcrcnr.

Nur frisch, zur allgemeinen Freude, immer zu!

phone.

(Sie singt eine große Arie, nach deren Schluß sie sich gegen denGrund wendet.)

Mercur.

Zum Schlüsse, merk' ich, neigt sich unser buntes Spiel.

(Zum ersten Knaben, der sich, indessen Phone singt, im Hintergründeaufgehalten hat, und wie sie nach dem Hintergründe geht, sogleichwieder zu Mercur herdor eilt.)

Hier hast du meinen Stab! nun geh', mein Kind,

Und führe mir die Seelen alle her.

(Das Kind geht ab.)

ZweiundMlyigster Auftritt.

Mercur. Pathos.Mercur.

Sie kommt in stillem Ernste, die uns heutDas Tragische bedeutet; hört sie an!

Was sie zu sagen hat, verkünde sie allein.

(Er entfernt sich).

Pathos.

Sie sind gethan, die ungeheuren Thaten,

Kein heißer Wunsch ruft sie zurück,

Kein Wählen gilt, es frommt kein Rathen,Zerstoben ist auf ewig alles Glück.

Von Königen ergießt auf ihre StaatenSich weit und breit ein tödtliches Geschick.

Welch eine Horde muß ich vor mir sehen?

Das Schreckliche geschieht und wird geschehen!

Der Nächste stößt den Nächsten tückisch nieder,

Und tückisch wird zuletzt auch er besiegt;

Denn, wie ein Schmied im Feuer Glied an GliederZur ehrnen, ungeheuren Kette fügt,

So schlingt in Greuel sich ein Greuel wieder,

Durch Laster wird die Lasterthat gerügt:

In Todesnebel, Höllenqualm und GrausenScheint die Verzweiflung nur allein zu Hausen.

Doch senkt sich spät ein heiliges VerschonenIn der Beklemmung allzudichte Nacht,

Am holden Blick in höh're RegionenFühlt nun sich jedes edle Herz erwacht,

Dort drängt's euch hin, dort hoffet ihr zu wohnen,

Auf einmal wird ein Himmel euch gebracht;

Vom Reinen läßt das Schicksal sich versöhnen,

Und alles lös't sich auf im Guten und im Schönen.

Letzter Auftritt.

Alle.

Sie reihen sich in folgender Ordnung:

Marthe. Nymphe. Zweiter Knabe. Pathos.Erster Knabe. Phone. Märten.

Mrrcnr

(der vorwärts an die linke Seite tritt).

Und wenn sie nun zusammen sich gesellen,

Nach der Verwandtschaft endlich angereiht,

So merkt sie wohl, damit in künft'gen FällenIhr sie erkennet, wenn von Zeit zu ZeitSie einzeln sich euch vor die Augen stellen,

Wenn jedes einzeln seine Gabe beut.

Zu unsrer Pflicht könnt ihr uns liebreich zwingen,

Wenn ihr genehmigt, was wir bringen.

Prolog

bei Wiederholung des Vorspiels in Weimar.

Ein Schiffer, wenn er, nach beglückter langer Fahrt,

An manchem fremden Ufer mit Genuß verweilt,

Und mancher schönen Früchte, landend, sich erfreut,Empfindet erst der höchsten Wünsche Ziel erreicht,

Wenn ihm der heim'sche Hafen Arm und Busen beut.So geht es uns, wenn wir, nach manchem heitern Tag,Den wir an fremder Stätte thätig froh verlebt,

Zuletzt uns wieder an bekannter Stelle sehn,

Wo wir als in dem Vaterland verweilen; denn,

Wo wir uns bilden, da ist unser Vaterland.

Doch wie wir denken, wie wir fühlen, ist euch schonGenug bekannt, und wie, mit Neigung und VertraunUnd Ehrfurcht, wir vor euch uns mühen, wißt ihr wohl.Darum scheint es ein Ueberflnß, wenn man mich jetzt

Hervorgefendet, euch zu grüßen, unsern KreisAuf's neu euch zu empfehlen. Auch erschein' ich nichtUm dessentwillen eigentlich, wiewohl man oftDas ganz Bekannte mit Vergnügen hören mag;Denn heute hab' ich was zu bitten, habe wasGewissermaaßen zu entschuld'gen. Ja, fürwahr!Das, was wir wollen, was wir bringen, dürfen wirEuch nicht verkünden, da vor euren Augen sichWas wir begonnen, nach und nach entwickelt hat.

Als wir jedoch die nachbarliche Flur besucht,

Und dort, vor einer neuen Bühne, großen DrangDer Fremden zu gewarten hatten, die vielleichtDer kühnen Neuerungen Wagestücke nichtMit günst'gen Augen sähen, unserm Wunsch gemäß;