Was wir bringen.
Aus Rom's verfallnem Schütte, ja, was mehr,
Aus altem Schulstaub neubelebt herangeführt.
Laß deine Maske sehen! diese da!
(Das Kind hebt die komische Maske anstDieß derbe, wunderliche KunstgebildZeigt, mit gewalt'ger Form, das Fratzenhafte;
(Das Kind hebt die tragische Maske auf.)Doch dieses läßt vom Höheren und SchönenDen allgemeinen, ernsten Abglanz ahnen.
Persönlichkeit der wohlbekannten KünstlerIst aufgehoben; schnell erscheinet eine SchaarVon fremden Männern, wie dem Dichter nur beliebt,Zu mannichfaltigem Ergötzen, eurem Blick.
Daran gewöhnt euch, bitten wir nur erst im Scherz!Denn bald wird selbst das hohe Heldenspiel,
Der alten Kunst und Würde völlig eingedenk,
Von uns Kothurn und Maske willig leihen.
Sie kennen dich! nun, Liebchen, seh es dir genug!
Ein andres bleibt uns übrig, dieses holde Kind,
Das dich so schüchtern floh, dir zu versöhnen.
Drum heb' ich meinen Stab, den Seelenfllhrer,Berühre dich und sie. Nun werdet ihr,
Natürliches und Künstliches, nicht mehrEinander widerstreben, sondern stets vereintDer Bühne Freuden mannichfaltig steigern.
Nymphe.
Wie ist mir! welchen Schleier nahmst du mirVon meinen Augen weg, indeß mein HerzSo warm als sonst, ja freier glüht und schlägt.
(Mercur tritt zurück.)
Herbei, du Kleiner! keinen Gegner seh' ich,
Nur einen Freund erblick' ich neben mir.
Erheitre mir die sonst beladne Brust,
In meinen Ernst verflechte deinen ScherzUnd laß mich lächeln, wo die bittre Thräne floß.
Im Sinne schwebt mir eines Dichters alter Spruch,Den man mich lehrte, ohne daß ich ihn begriff,
Und den ich nun verstehe, weil er mich beglückt.
Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen,
Und haben sich, eh' man es denkt, gefunden;
Der Widerwille ist auch mir verschwunden,
Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.
Es gilt wohl nur ein redliches Bemühen!
Und wenn wir erst, in abgemeßnen Stunden,Mit Geist und Fleiß uns an die Kunst gebunden,Mag frei Natur im Herzen wieder glühen.
So ist's mit aller Bildung auch beschaffen:Vergebens werden ungebnndne GeisterNach der Vollendung reiner Höhe streben.
Wer Großes will, muß sich zusammen raffen:
In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.(Nymphe mit dem Knote» ab.)
Zwanzigster Auftritt.
Mercur. Erster Knabe.
ErjIcrLnabr (eilig heranlaufend).Beschütze mich! Dort hinten folgt mir jene!
Sie will mich haschen, und ich leid' es nicht.
Mercur.
Gelegen wirfst du, allerliebstes Wunderkind,
Mir in die Hände deine Wechselfarbigkeit.
Den Augenblick benutz' ich, euch zu sagen,
Daß wir, die Phantasie euch darzustellen,
Ein schlickig Knäblein mit Bedacht gewählt.
Dieß Zwerglein, wenn es ungebunden schwärmt,Macht Glück und Unglück, wie dem Augenblick beliebt.Bald wird's euch düster das Vergangne malen,
Mit trübem Firniß gegenwärt'ge Freuden,
Und mit der Sorge grauem SpinnenflorDer Hoffnung reizendes Gebild umnebeln;
Bald wieder, wenn ihr, in die tiefste NothVersunken, schon verzweifelt, euch behendDer schönsten Morgenröthe PurpursaumUm das gebeugte Haupt, erquickend, winden.
Doch ist er auch zu bänd'gen. Ja, er bändigtSogar sich selbst, sobald ich ihm den StabVertrauend überliefre, der die Seelen führt.
Sogleich ist er geregelt, und ein roher StoffZu neuer Schöpfung bildet sich zusammen.
Wie von Apollo's Leier aufgefordert,
Bewegt, zu Mauern, das Gestein sich her,
Und wie zu Orpheus' Zaubertönen eiltEin Wald heran und bildet sich zum Tempel.
Uns alle führt er an, wir folgen ihm,
Und unsre Reihen schlingt er mannichfach.
Besonders aber strebt ihm jene Schöne dort,
Auf des Gesanges raschem Fittig, nach.
Wär' er zu halten, diese hielt' ihn fest;
Doch wollt' er bleiben, sie entließ' ihn gleich.
Einundzwanzigster Austritt.
Die Vorigen. Phone.
Phone.
Ich seh', du hast ihn! also liefre mir ihn aus.
Mercur.
Zuerst erlaube, daß ich dich erkläre!
Phone.
Ein Mädchen zu erklären, wäre Kunst.
Mercur (zu den Zuschauern).Der Oper Zaubersreuden stellt sie vor.
Phone.
Was stell' ich vor?
Mercur.
Die Oper, den Gesang!Phone.
Vorstellen läßt sich der Gesang nicht, aber leisten.