Was wir dringen.
Fortsetzung.
Vorspiel zu Eröffnung des Theaters in Halle, im Juli 1814,von Goethe und Riemer.
Wald. Tempel.
Vorn zwei alte Baumstämme.
Erster Äuftritt.
Merrnr.
Das, was vor Jahren wir in Lauchstädt brachten,Das ist von euch noch manchen wohlbekannt,
Und danials galt's, ein eng veraltet HausMit einem neuen freiern zu vertauschen.
Da ward es jedem wohl, wenn aus der KlemmeEr in die breite, beßre Wohnung trat,
Und mit Bequemlichkeit und heiterm SinnDie Bilder schaute, wie sie gaukelten.
Heut aber sehen wir kein neues Haus;
Es ist dasselbe, das durch eure GunstUns öfter schon zu eurer Lust empfing;
Doch find' ich es verändert, weiß nicht wie?
Es kommt mir vor, als ob die sämmtlichenDie Ellenbogen freier zu bewegenIm Falle wären, ohne grad' einanderUnfreundlich anzustoßen. Alle scheinen mirBequemlicher zu sitzen, ob die Bänke gleichNicht frisch gepolstert sind. Was ist denn das?Ich frage, wie ihr seht, und weiß genauSchon, was ich frage; drum antwortet nicht!Denn wir verstehn uns schon, und wollen unsWie sonst vergnüglich unterhalten; ist ja dochGerechte Zeit für dießmal uns gegeben.
Nun, auf besagtes Damals noch einmalZurück zu kommen, sind euch wohl die beidenGestalten noch zumeist erinnerlich,
Die ihrer Zeit als komisch treues PärchenEuch in so mancher FormenwandelungDurch ihrer Laune guten Fluß ergötzten.
Sie sind der Welt bekannt, und ihre Namen
Nennt schon der alten Dichter frommer Mund;
Doch darf, ja muß ich sie wohl auch euch nennen,
Wie ich sie damals euch schon vorgestellt.
Philemon heißt der Mann, und Baucis sie.
So weit ist alles gut! Doch nun vernehmt,
Was mit den guten Alten sich begeben.
Es hat der Götter Schluß und gnäd'ger WilleDas treu verdiente Paar im Fach der Alten,
So zur Belohnung ihrer wiird'gen ThatenAls auch der Welt zum Muster und Exempel,
In zwei Standbildern rühmlichst aufgestellt,
Und, weil besonders sie als OberförsterUnd Oberförsterin wohlgefällig sich gezeigt,
Ganz in der Draperie von schönen Bäumen,
Zur Zier des Tempels, dem sie würdig dienten.
Da stehn sie nun in grünen Uniformen,
Auf's munterste mit Epheu decorirt,
Und ruhn gemächlich so in ihren FächernNoch als die treuen, immergrünen Alten.
Heut aber ist es Zeit, die rechte Zeit,
Jn's Leben sie, zum Leben zu erwecken,
Damit sie Antheil auch zum zweitemnaleAn allem nehmen, was der Tag uns bringt,
Und bei des Friedens allgemeiner FeierDie Alten jugendlich sich wieder freuen.
Sie geben sich vor so viel werthen GästenWohl ganz wie sonst auf's heiterste zum Besten.
Wir wollen sehn, ob ihr Humor erhalten.
Ich gehe jetzt und wecke erst den Alten.
Doch wie? was ist mir? wie befangenAuf einmal sind mir Hand und Herz!
Es stockt in meinem Brisen das Verlangen,
Und mich verläßt gewohnter Scherz.
(Ernste Mnstk, mehr feierlich als traurig, kann nachstehendes melo-dramatisch begleiten )