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Theaterreden.
Und forscht und gräbt, da glitzert mancher Schatz.
Das altverborgne Gold bringt keinem Heil,
Der Finsterniß Genosse will sein Theil;
Im Innern siedet's, schäumt und schleudert wilderDurch's Feuermeer furchtbare Schreckensbilder;
Wie Salamander lebt es in der Gluth,
Und streitet häßlich mit vulkanischer Wuth.
Schon hüben und drüben sind Berge versunken,
Schon gähnet der Abgrund, schon sprühen die Funken.Was ist mir? was leuchtet ein wunderlich Licht?
So leuchtet der Furie Fenergesicht.
Und unter dem Kopfschmuck phosphorischer SchlangenWeiß glühen die Augen und rothbraun die Wangen.
Der Schrecken ergreift mich; wo rett' ich mich hin!
Noch kracht es entsetzlicher, Felsen erglühn;
Sie bersten, sie stürzen, sie öffnen mir schonDer grausesten Tiefe Plutonischen Thron!
(Das Theater verwandelt sich in einen hellen erfreuliche» Ziergarten.)
Kehrst du wieder, Himmelshelle!
Iris, mit gewohnter Schnelle,
Trennt die grausen Wolken schon,
Augenfunkelnd vor Entzücken,
Den Geliebten zu erblickenAuf dem goldnen Wagenthron.
Phöbus glänzt ihr hold entgegen;
Himmlischer Vermählung SegenFühlt der Erde weiter Kranz.
Um des Bogens bunten FriedenSchlingen lieblichste Sylphiden,
Schillernd zierlich, Kettentanz.
Und da unten SilberwellenGrünlich-purpurn, wogen, schwellenAuch empor in Liebesgluth,
Schalkisch locken gleich Undinen,
Blauen Aug's, verschämter Mienen,
Sich den Himmel in die Fluch.
Blüht's am Ufer, wogt's in Saaten,
Alles ist dem Gott gerathen,
Alles ist am Ende gut!
(Tanz von Sylphen lind Undinen.)
III.
vir Muse
kvmmt in cmmmhiger Kleidung, und nachdem sie einigen Antheil amTanze genommen, wendet sie sich zu den Zuschauern.
Viel ist, gar viel mit Worten auszurichten,
Wir zeigen dieß im Reden wie im Dichten;
Doch liebliche Bewegung, wie gesehn,
Darf man zu schildern sich nicht unterstehn;
Nur der Gesammtblick läßt den Werth empfinden,
Der holde Tanz, er muß sich selbst verkünden.
An ihm gewahrt man gleich der Muse Gunst,
Das höchste Ziel, den schönsten Lohn der Kunst.
O möge den Geschwistern sämmtlich glückenSolch allgemeiner Beifall, solch Entzücken!
Denn das ist der Kunst Bestreben,
Jeden aus sich selbst zu heben,
Ihn dem Boden zu entführen;
Link und Recht muß er verlierenOhne zauderndes Entsagen;
Auswärts fühlt er sich getragen!
Und in diesen höhern SphärenKann das Ohr viel feiner hören,
Kann das Auge weiter tragen,
Können Herzen freier schlagen.
Und so geht's den Lieben allen,
Die im Elemente wallen,
Welches bildend wir beleben;
Wer empfing, der möchte geben.
In der Himmelsluft der MusenOeffnet Busen sich dem Busen,
Freund begegnet neuem Freunde,
Schließen sich zur Allgemeinde,
Dort versöhnt sich Feind dem Feinde.
So herrlich fruchtet, was die Muse gönnt!
Die ihr's genießt, es dankbar anerkennt,
Preist Ihn mit mir, den Gott, der es gegeben.Was heute fröhlich macht, was heute rührt,
Nicht etwa flüchtig wird's vorbei geführt;
Was heute wirkt, es wirkt auf's ganze Leben.
Die Kunst versöhnt der Sitten Widerstreit,
In ihren Kreisen waltet Einigkeit.
Was auch sich sucht und flieht, sich liebt und haßt,Eins wird vom andern schicklich angefaßt:
Wie Masken, grell gemischt, bei Fackelglanz,Vereinigt schlingen Reih- und Wechseltanz.
Vor solchen Bildern wird euch wohl zu Muthe!Empfangt das Schöne, fühlt zugleich das Gute,Eins mit dem andern wird euch einverleibt;
Das Schöne flieht vielleicht, das Gute bleibt.
So nach und nach erblühet, leise, leise,
Gefühl und Urtheil wirkend wechselweise;
In eurem Innern schlichtet sich der Streit,
Und der Geschmack erzeugt Gerechtigkeit.
Und so in euch verehr' ich meine Richter!
In gleichem Sinne huldigt euch der Dichter,
Der, wär' er noch so stolz auf sein Talent,
Doch eures Beifalls höchsten Werth erkennt.Erweist euch nun, wir anerkennen's willig,Aufmerksam offnen Sinns, gerecht und billig.
So schmücket sittlich nun geweihten Saal,
Und fühlt euch groß im herrlichsten Local.
Dann euretwegen hat der Architekt,
Mit hohem Geist, so edlen Raum bezweckt,