Annalen oder Tag- und Iahrcshefte.
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eine Zusammenstellung der Wolkenformen auf einer Tafel inverschiedenen Feldern unternehmen konnte. Nach Hause zurück-gekehrt, besprach ich die Angelegenheit mit Professor Posselt,welcher daran sehr verständigen Theil nahm. Auch wurdennunmehr von Eisenach Wetterbeobachtungen eingesendet. VonBüchern förderte mich am meisten Brandes' Witternngs-kunde und sonstige Bemühungen in diesem Fache. DittmarsArbeiten wurden benutzt, freilich nicht in dem Sinne, wie esder gute Mann wünschen mochte.
Das Botanische ward nicht außer Augen gelassen; derBelvederesche Katalog kam zu Stande, und ich sah mich dadurchveranlaßt, die Geschichte der Weimarischen Botanik zu schreiben.Ich ließ hierauf ein Französisches Heft übersetzen, das in galan-tem Vertrag die Vermehrung der Eriken anrieth und anleitete.Jäger über Mißbildung der Pflanzen, de CandolleArzneikräfte der Pflanzen, Henschel gegen dieSexualität, Nees van Etenbecks Handbuch, RobertBrown über die Syngenesisten wurden sämmtlich be-achtet, da ein Aufenthalt in dem botanischen Garten zu Jenamir dazu die erwünschteste Muße gab.
Bedeutender Honigthau wurde auf der Stelle beobachtetund beschrieben. Herr Dr. Carus theilte von einem Kirchhofin Sachsen ein zartes Gestechte von Lindenwurzeln mit, welche,zu den Särgen hinabgestiegen, diese sowohl als die enthaltenenLeichname wie mit Filigranarbeit umwickelt hatten. Ich fuhrfort mich mit Wartung des Li-z-oplizUIurn culzwinnm zubeschäftigen, dieser Pflanze, die den Triumph der Metamor-phose im Offenbaren feiert. Indessen war durch die ReiseOesterreichischer und Bayerischer Naturforscher nach Brasiliendie lebhafteste Hoffnung erregt.
Auf meiner Reise nach Carlsbad nahm ich den Weg überWunsiedel nach Alexandersbad, wo ich die seltsamen Trümmereines Granitgebirges nach vielen Jahren seit 1785 zum ersten-mal wieder beobachtete. Mein Abscheu vor gewaltsamen Erklä-rungen, die man auch hier mit reichlichen Erdbeben, Vulcanen,Wafferfluthen und andern Titanischen Ereignissen geltend zumachen suchte, ward auf der Stelle vermehrt, da mit einemruhigen Blick sich gar wohl erkennen ließ, daß dnrch theilweiseAuflösung wie theilweise Beharrlichkeit des Urgesteins, durch eindaraus erfolgendes Stehenbleiben, Sinken, Stürzen, und zwarin ungeheuern Massen, diese staunenswürdigc Erscheinung ganznaturgemäß sich ergeben habe. Auch dieser Gegenstand ward inmeinen wissenschaftlichen Heften wörtlich und bildlich entwickelt;ich zweifle jedoch, daß eine so ruhige Ansicht dem turbulentenZeitalter genügen werde.
In Carlsbad legte ich die alte geognostische Folge wieder inbelebrenden Mustern zusammen, worunter schöne Stücke desGranits voni Schloßberg und Bernhardsfelsen, mit Hornstein-adern durchzogen, gar wohl in die Augen fielen. Eine neuespeciellere Folge, auf Porcellan - und Steingntsfabrication sichbeziehend, zugleich die natürlichen unveränderten Stücke ent-haltend, ward angefügt. Eine solche vollständigste Sammlungzeigte ich dem Fürsten von Thurn und Taxis und seinerUmgebung vor, welcher bei theilnehmendem Besuch mit demAusgewiesenen zufrieden schien.
Den pseudovulcanischen Gebirgen schenkte ich gleichfallserneute Aufmerksamkeit, wozu mir einige behufs des Wege-baues neu aufgeschlossene Bergräume in der Gegend von
Dalwitz und Lessau die beste Gelegenheit gaben. Hier war esaugenfällig, wie die ursprünglichen Sckichten des frühern Flötz-gebirgeS, ehemals innigst mit Steinkohlenmasse vermischt, nun-mehr durchglüht, als bunter Porcellanjaspis in ihrer alten Lageverharrten, da denn zum Beispiel auch eine ganze Schichtstänglichten Eisensteins sich dazwischen deutlich auszeichnete, undVeranlassung gab, sowohl die Miillcrsche Sammlung als dieeigenen und Frcundescabinette mit großen und belehrendenStücken zu bereichern.
Als ich nun hierauf den durch den Wegebau immer weiteraufgeschlossenen Kammerberg bei Eger bestieg, sorgfältig aber-mals betrachtete und die regelmäßigen Schichten desselben genauansab, so mußte ich freilich zu der Ueberzeugung dls BergrathReuß wieder zurückkehren und dieses problematische Phänomenfür pfeudovulcanifch ansprechen. Hier war ein mit Kohlengeschichteter Glimmerschiefer wie dort spätere Thonflötzlagerdurchglüht, Leschmolzen und dadurch mehr oder weniger ver-ändert. Diese Ueberzeugung, einem frischen Anillauen gemäß,kostete mich nichts selbst gegen ein eigenes gedrucktes Heft anzu-nehmen; denn wo ein bedeutendes Problem vorliegt, ist es keinWunder, wenn ein redlicher Forscher in seiner Meinung wechselt.
Die kleinen Basalte vom Horn, einem hohen Berge in derNähe von Elbogen, denen man bei der Größe einer Kinderfaustoft eine bestimmte Gestalt abgewinnen kann. Der Grundtypus,woraus alle die übrigen Formen sich zu entwickeln schienen,ward in Thon nachgebildet, auch Musterstücke an Herrn vonSchreibers nach Wien gesendet.
Auf den Jenaischen Museen revidire ich die CarlsbaderSuite mit neuer Uebersicht, und da man denn doch immer vor-sätzliche Feuer- und Gluthversuche anstellt, um zu den Natur-bränden parallele Erscheinungen zu gewinnen, so hatte ich inder Flaschenfabrik zu Zweyen dergleichen anstellen lassen, undes betrübt mich, die chemischen Erfolge nicht in der eingeleitetenOrdnung des Katalogs aufbewahrt zu haben, besonders daeinige Gebirgsarten nach dem heftigsten Brande sich äußerstregelmäßig gestalteten. Gleicherweise sandte man von Coblenzaus natürlichen Thon und daraus übermäßig gebrannte Ziegeln,welche auch sich schlackenartig und zugleich gestaltet erwiesen.
Jüngere Freunde versorgten mich mit Musterstücken vondem Urgeschiebe bei Danzig, ingleichen bei Berlin, aus denenman eine völlig systematische Sammlung Gesteinarten, und zwarin ihren härtesten Fels- und Gangtheileu, anreihen konnte.
Das Beispiel einer allerletzten Formation zeigte uns derSteinschneider Facius. Er hatte in einem Tufssteincouglo-merat, welches mancherlei abgerundete Geschiebe enthielt, aucheinen geschnittenen Lhalcedon gefunden, worauf ein Obeliskmit allerlei nicht-Aegyptischen Zeichen, ein knieend Betender ander einen, ein stehend Opfernder an der andern Seite von leid-licher Arbeit. Man suchte sich diese offenbar zufällige Erschei-nung aus vorwaltenden Umständen zu erklären, die jedoch hierzu entwickeln nicht der Ort ist. Der Mecklenburgische Kammer-herr Herr von Preen verehrte mir von einer Reise aus Tyrolmitgebrachte bedeutende Mineralien; Gras Bedemar, könig-lich Dänischer Kammerherr, schöne Opale von den Ferroe-Jnseln.
An Büchern waren mir sehr angenehm: Nose überBasaltgenese, ein alter Gleichzeitiger, der auch noch analten Begriffen hielt; ferner dessen Symbola; einen Auszugdes erstem theilte ich im Drucke mit, einer des letztem liegt