Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Inimlen oder Gag- und JohreMte

als

Ergänzung meiner s>

von >749

Bon 1749 bis 1764.

Bei zeitig erwachendem Talente, nach vorhandenen poetischenund prosaischen Mustern, mancherlei Eindrücke kindlich bearbeitet,meistens nachahmend, wie es gerade jedes Muster andeutete. DieEinbildungskraft wird mit heitern Bildern beschäftigt, die sichselbstgefällig an Persönlichkeit und die nächsten Zustände an-schlössen. Der Geist näherte sich der wirklichen, wahrhaftenNatur durch Gelegenheitsgedichte; daher entstand ein gewisserBegriff von menschlichen Verhältnissen, mit individueller Man-nichfaltigkeit; denn besondere Fälle waren zu betrachten und znbehandeln. Vielschreibern in mehreren Sprachen, durch früh-zeitiges Dictiren begünstigt.

Von 1765 bis 1768.

Aufenthalt in Leipzig. Bedürfniß einer beschränkten Formzu besserer Beurtheilung der eigenen Produktionen wird gesühlt;die Griechisch-Französische, besonders der Dramen, als aner-kannt, ja gesetzlich, wird aufgenommen. Ernstere, unschuldige,aber schmerzliche Jugendempfindungen drängen sich auf, werdenbetrachtet und ausgesprochen, indessen der Jüngling mancherleiVerbrechen innerhalb des übertünchten Zustandes der bürger-lichen Gesellschaft gewahrt. Von Arbeiten ersterer Art ist dieLaune des Verliebten, und einige Lieder, von der zweitendie Mitschuldigen übrig geblieben, denen man bei nähererBetrachtung ein fleißiges Studium der Molisreschen Welt nichtabsprechen wird; daher aber auch das Fremdartige der Sitten,wodurch das Stück lange Zeit vom Theater ausgeschlossen blieb.

»nstigen Bekenntnisse

bis >822.

Götz von Berlichingen, Egmont. Bei einfacher!: Gegen-ständen wendet man sich wieder zur beschränktem Weise: Cla-vigo, Stella, Erwin und Elmire, Claudine vonVilla Bella, beide letztere prosaischer Versuch, mit Gesängendurchwebt. Hierher gehören die Lieder an Be linden undLili, deren manche, so wie verschiedene Gelegenheitsstücke,Episteln und sonstige gesellige Scherze verloren gegangen.

Inzwischen geschehen kühnere Griffe in die tiefere Mensch-heit; es entsteht ein leidenschaftlicher Widerwille gegen mißlei-tende , beschränkte Theorien; man widersetzt sich dem Anpreisenfalscher Muster. Alles dieses, und was daraus folgt, ward tiefund wahr empfunden, oft aber einseitig und ungerecht ausge-sprochen. Nachstehende Produktionen: Faust, die Puppe n-spiele, Prolog zu Bahrdt, sind in diesem Sinne zu beur-theilen ; sie liegen jedermann vor Augen. Dagegen waren dieFragmente des ewigen Juden und Hanswursts Hochzeitnicht mitzutheilen. Letzteres erschien darum heiter genug, welldie sämmtlichen deutschen Schimpfnamen in ihren CharakterenPersönlich auftraten. Mehreres dieser frechen Art ist verlorengegangen, Götter, Helden und Wieland erhalten.

Die Recensionen in den Frankfurter gelehrten Anzeigen von>772 und 1773 geben einen vollständigen Begriff von dem da-maligen Zustand unserer Gesellschaft und Persönlichkxit. Einunbedingtes Bestreben, alle Begränzungen zu durchbrechen, istbemerkbar.

Die erste Schweizerreise eröffnete mir mannichsaltigen Blickin die Welt; der Besuch in Weimar umschlang mich mit schönenVerhältnissen, und drängte mich unversehens aus einen neuen,glücklichen Lebensgang.

Von 1769 bis 1775.

Fernere Einsicht in's Leben. Ereigniß, Leidenschaft, Genußund Pein. Man fühlt die Nothwendigkeit einer freiern Form,und schlägt sich auf die Englische Seite: so entstehen Werther,

Von 1776 bis 1780.

An allen vorgemeldeten, nach Weimar mitgebrachten, un-vollendeten Arbeiten konnte mau nicht fortfahren; denn da derDichter durch Anticipation die Welt vorweg nimmt, so ist ihmdie auf ihn losdringende wirkliche Welt unbequem und störend;