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Benvkniito Velltni,
Alsdann machte ich eine erhobene Arbeit in Silber, so großwie eine kleine Kindshand; sie diente zum Schloß für einenMannsgürtel, wie man sie damals zu tragen Pflegte. Es warauf demselben, nach antiker Art, eine Verwicklung von Blät-tern, Kindern und artigen Masken zu sehen. Ich machte dieseArbeit in der Werkstatt eines Franz Salimbeni, und die Gildeder Goldschmiede, der sie vorgezeigt wurde, erklärte mich fürden geschicktesten Gesellen.
Zu der Zeit entzweite ich mich wieder mit meinem Vaterüber das Blasen, und ein gewisser Holzschneider, den manTasso nannte, hatte sich auch mit seiner Mutter überworfen.Ich sagte zu ihm: Wenn du nur der Mensch wärst, anstattvieler Worte etwas zu unternehmen! Er antwortete mir:Hätte ich nur so viel Geld, um nach Rom zu kommen, so wollteich nicht einmal umkehren, um meine armselige Werkstatt zuverschließen. Darauf sagte ich, wenn ihn weiter nichts hindere,so hätte ich so viel bei mir, als wir beide bis Rom brauchten.
Da wir so im Gehen zusammen sprachen, fanden wir unsnnvermuthet am Thore St. Peter Gattolim. Darauf sagte ich:Mein Tasso, das ist göttliche Schickung, daß wir, ohne daranzu denken, an dieß Thor gekommen sind! Nun, da ich hier bin,ist mir's, als wenn ich schon die Hälfte des Weges zurückgelegthätte. Wir gingen weiter und sprachen zusammen: Was wer-den unsere Alten diesen Abend sagen? Dann nahmen wir unsvor, nicht weiter daran zu denken, bis wir nach Rom gekom-men wären, banden unsere Schurzfelle auf den Rücken undgingen stillschweigend nach Siena.
Tasso hatte sich wund gegangen, wollte nicht weiter, undbat mich, daß ich ihm Geld borgen sollte, um wieder zurückzu-kehren. Ich antwortete: Daran hättest du denken sollen, ehedu von Hause weggingst; ich habe nur noch so viel, um nachRom zu kommen. Kannst du zu Fuße nicht fort, so ist da einPferd, das zurück nach Rom geht, zu haben, und du hast keineweitere Entschuldigung. Ich miethete das Pferd, und da ermir nicht antwortete, ritt ich gegen das Römische Thor zu. Alser mich entschlossen sah, kam er murrend und hinkend hintermir drein. Am Thore wartete ich mitleidig auf ihn, nahm ihnhinter mich und sagte zu ihm: Was würden morgen unsereFreunde von uns sagen, wenn wir den Entschluß, nach Romzu gehen, nicht weiter als Siena hätten festhalten können? Er-gab mir Recht, und weil er ein froher Mensch war, fing er anzu lachen und zu singen; und so kamen wir immer lachend undsingend nach Rom.
Ich zählte neunzehn Jahre wie das Jahrhundert, und be-gab mich gleich in die Werkstatt eines Meisters, der Firenznoladi Lombardia hieß und in Gefäßen und großen Arbeiten höchstgeschickt war. Ich zeigte ihm das Modell des Schlosses, dasich gearbeitet hatte; es gefiel ihm außerordentlich, und er sagtezu einem Florentiner Gesellen, der schon einige Jahre bei ihmstand: Das ist ein Florentiner, der's versteht, und du bisteiner von denen, die's nicht verstehen. Ich erkannte darauf denMenschen, und wollte ihn grüßen — denn wir hatten ehemalsoft mit einander gezeichnet, und waren viel mit einander um-gegangen — er aber, höchst mißvergnügt über die Worte seinesMeisters, behauptete mich nicht zu kennen, noch etwas von mirzu wissen. Ich antwortete ihm mit Verdruß: O Gianotto, ehe-mals mein Hausfreund, mit dem ich da und da zusammen ge-zeichnet, auf dessen Landhaus ich gegessen und getrunken habe,
ich brauche dein Zeugniß nicht bei diesem braven Manne, dei-nem Meister, und hoffe, daß meine Hände ohne deinen Bei-stand beweisen sollen, wer ich bin. Hierauf wendete sich Firen-zuola, der ein lebhafter und wackerer Mann war, zu seinemGesellen und sagte: Schlechter Mensch! schämst du dich nichteinem alten Freund und Bekannten so zu begegnen! Und miteben der Lebhaftigkeit wendete er sich zu mir und sagte: Kommherein und thue, wie du gesagt hast! Deine Hände mögen spre-chen, wer du bist! Und sogleich gab er mir eine schöne Silber-arbeit für einen Cardinal zu machen.
Es war ein Kästchen nach dem pvrphyrenen Sarg vor derThüre der Rotonde. Was ich von dem Meinen dazu that, undwomit ich die Arbeit bereicherte, die Menge schöner kleinerMasken erfreuten meinen Meister höchlich, der das Werk überallzeigte, und sich rühmte, daß ein solches aus seiner Werkstattausgegangen sey. Das Kästchen war ungefähr eine halbe Ellegroß, und eingerichtet, das Salzfaß bei Tafel aufzunehmen.
Das war mein erster Verdienst in Rom. Einen Theilschickte ich meinem Vater, von dem andern lebte ich, indessenich nach den Alterthümern studirte. Endlich, da mir das Geldausging, war ich genöthigt, mich wieder an die Arbeit zu be-geben. Tasso aber, mein Geselle, kehrte bald nach Florenz zurück.
Da meine neue Arbeit geendigt war, kam mich die Lust an,zu einem andern Meister zu gehen. Ein gewisser Mailänder,Paul Arsago, hatte mich an sich gezogen. Darüber fing Firen-zuola mit ihm große Händel an, und sagte ihm in meinerGegenwart beleidigende Worte. Ich nahm mich meines neuenMeisters an und versetzte, daß ich frei geboren sey und auchfrei leben wolle: ich habe mich nicht über ihn, und er sich nichtüber mich zu beklagen; vielmehr habe er mir noch einiges her-auszuzahlen, und als ein freier Arbeiter wolle ich hingehen,wohin es mir gefiele, weil ich dadurch niemand ein Leid thäte.Auch mein neuer Meister sagte ungefähr dasselbe und versicherte,daß er mich nicht verleitet habe, und daß es ihm angenehmseyn werde, wenn ich zu meinem ersten Meister zurückginge.Auf das sagte ich, ich wollte niemand schaden: ich hätte meineangefangenen Arbeiten geendigt, würde immer nur mir selbstund niemand anders angehören, und wer mich brauchte, möchtemit mir übereinkommen.
Ich habe nichts mehr mit dir zu thun, versetzte Firenznola;du sollst mir nicht mehr unter die Augen kommen! Da erinnerteich ihn an mein Geld, worauf er mir spöttisch antwortete. Aberich versetzte: Habe ich Stahl und Eisen gebraucht, um deineArbeiten zu machen, so sollen sie mir auch zu meinem Lohnverhelfen. Als ich so sprach, blieb ein alter Mann am Ladenstehen, der Meister Anton von St. Marine hieß, der erste, dervortrefflichste Goldschmied von Rom und Meister des Firen-zuola; er hörte meine Gründe an, gab mir Recht und verlangte,daß Firenznola mich bezahlen solle.
Man stritt sich lebhaft, denn Firenznola, ein weit bessererFechter als Goldschmied, wollte nicht nachgeben; doch zuletzt fanddie Vernunft ihren Platz, und meine Festigkeit verschaffte mirRecht; er bezahlte mich, und in der Folge erneuerten wir unsereFreundschaft. Er bat mich sogar, bei ihm Gevatter zu stehen.
Unter meinem neuen Meister verdiente ich genug und schickteden größten Theil meinem guten Vater. Dessen ungeachtet lagdieser mir immer an, nach Florenz zurückzukehren; und amEnde von zwei Jahren that ich ihm seinen Willen. Ich arbeitete