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Benveauto Eelltnt,
ich die Stimme und rief: Nun weiß ich doch, wie Treue undGlaube der Päpste beschaffen ist! Darauf that der Gouverneureinige ganz unvernünftige Ausfälle. Da er aber merkte, daßnichts auszurichten war, verzweifelte er an dem Unternehmen,und sagte mit einer etwas sanftem Art: Benvenuto, es thutmir leid, daß du dein Bestes nicht einsehen willst. So gehedenn hin, und bringe die 500 Scudi dem Juwelier Pompes.So trug ich mein Werk fort, und brachte sogleich die 500 Scudian Ort und Stelle.
Nun hatte der Papst, begierig, den Faden meiner Knecht-schaft wieder anzuknüpfen, gehofft, ich sollte nicht im Staudesehn, sogleich das Geld zu überliefern. Als daher Pompeolächelnd mit dem Gelde in der Hand vor ihn kam, schimpfte erund ärgerte sich, daß die Sache so abgelaufen war; dann sagteer: Gehe und suche Benvenuto in seiner Werkstatt auf; sageihm, er solle mir das Werk zu einer Monstranz fertig machen,daß ich am Frohnleichnam das Hochwürdige darin in Procesfiontragen kann; er soll alle mögliche Bequemlichkeit haben, nursoll er arbeiten. Pompeo kam zu mir, rief mich heraus, undmachte mir, nach seiner Art, die ungeschicktesten Eselscaressen,und sagte nur die Worte des Papstes wieder. Darauf antwor-tete ich schnell: Ich kann mir keinen großem Schatz in der Weltwünschen, als wenn ich die Gnade eines so großen Papsteswieder erlange, die ich nicht durch meine Schuld verloren habe,sondern durch meine unglückliche Krankheit und durch die Bös-artigkeit gewisser neidischer Menschen, denen es eine Freudemacht, Böses zu stiften. Hat doch der Papst eine Menge Diener!Er soll mir euch nicht mehr schicken, um eures Heils willen,und ihr könnt euch nur in Acht nehnien. Ich aber werde Tagund Nacht an den Dienst des Papstes denken, und alles thun,was ich vermag. Vergeßt nur nicht, was ihr dem Papst übermich gesagt habt, und mischt euch nicht in meine Angelegen-heiten; denn eure Fehler sollen euch noch verdientermaaßengereuen. Alles dieses hinterbrachte der Mensch dem Papste aufeine bestialische Weise, und so blieb die Sache eine Weile; icharbeitete in meiner Werkstatt und trieb mein Geschäft.
Tobias, der Goldschmied, hatte indessen jenes Einhorngamirt, und die Verzierung nach seiner Art vollendet; dannbefahl ihm der Papst, er solle einen Kelch, nach der Weise desmeinen, den er gesehen hatte, sogleich anfangen, und ließ nacheiniger Zeit sich die Arbeit zeigen, und als sie ihm mißfiel,war es ihm verdrießlich, mit mir gebrochen zu haben; er schaltaus die Werke des Tobias und auf alle, die ihn empfohlenhatten. Mehrmals schickte er mir darauf den Baccino dellaCroce, und ließ mich wegen der Monstranz mahnen. Ich ant-wortete: Seine Heiligkeit möchte mich nur so lange ausruhenlassen, bis ich mich von meiner Krankheit, von der ich nochnicht ganz geheilt sey, wieder erholt hätte; ich würde aber in-dessen doch zeigen, daß ich jede Stunde, in der ich zu arbeitenim Stande seh, bloß zu Ihrem Dienste widmen wolle. Dennich hatte ihn heimlich porträtirt, und arbeitetete in meinemHause an einer Medaille für ihn. In meiner Werkstatt aberhielt ich zu der Zeit einen Gesellen, der ehemals mein Lehr-bursch gewesen war, und sich Felix nannte.
Zweites Buch.
Erstes Capitel.
Ter Autor verliebt sich in eine Sicilianische Courtisane, NamensAngeln«, welche von ihrer Mutter geschwind nach Neapel geführtwirb, — Seine Verzweiflung über den Verlust seiner Geliebten, —Er wird mit einem Sieilianischen Priester bekannt, der sich mitZauberei abgiebt, — Ceremonien, deren er sich bedient, — Der Autorist bei den Beschwörungen gegenwärtig, in Hoffnung, seine Geliebtewieder zu erlangen, — Wunderbare Wirkung der Beschwörung, —Ihm wird versprochen, er solle Angelica innerhalb eines Monatswiederseben, — Streit zwischen ihm und Herrn Benedctto, den ertödtlich mit einem Stein verwundet, — Pompeo von Mailand be-richtet dem Papst, der Autor habe den Goldschmied Tobias umge-bracht, Seine Heiligkeit befiehlt dem Gouverneur von Rom, denMörder zu ergreifen, und auf der Stelle hinrichten zu lassen. Crentflieht, und begiebt sich nach Neapel, Auf dem Wege trifft ereinen Freund an, Solosmco, den Bildhauer,
Zu der Zeit hatte ich mich, wie junge Leute Pflegen, ineine Sicilianerin von der größten Schönheit verliebt; auch siezeigte, daß sie mir sehr wohl wolle; die Mutter aber, welcheunsere Leidenschaft bemerkt hatte, und sich vor unsern Absichtenfürchtete — denn ich wollte heimlich mit dem Mädchen nachFlorenz fliehen — kam mir zuvor, ging Nachts aus Rom, undließ mir vorspiegeln, als wenn sie nach Civitavccchia den Weggenommen hätte; sie begab sich aber auf Ostia, und von da nachNeapel. Ich eilte gerade auf Civitavecchia, und beging unglaub-liche Thorheiten, um sie wieder zu finden. Es wäre zu um-ständlich , diese Dinge hier zu erzählen; genug, ich war im Be-griff, toll zu werden oder zu sterben. Sie schrieb mir nach zweiMonaten, daß sie sich in Sicilien sehr mißvergnügt befinde. In-dessen hatte ich mich allen denkbaren Vergnügungen ergeben,und eine andere Liebe ergriffen, nur uin jene los zu werden.
Unter solchen Ausschweifungen hatte ich gelegentlich miteinem gewissen Sicilianischen Geistlichen Freundschaft gemacht;er war von dem erhabensten Geiste, und wohl im Lateinischenund Griechischen erfahren. Einsmals, durch eine besondereWendung des Gesprächs, kamen wir auch auf die Zauberei zureden, und ich sagte, wie sehr ich mein ganzes Leben durch ver-langt hätte, irgend etwas von dieser Kunst zu sehen oder zuspüren. Darauf versetzte der Priester: Zu einem solchen Unter-nehmen gehört ein starkes und sicheres Gemüth. Ich versetzte,daß ich die Stärke und Sicherheit wohl zeigen wolle, wenn sichnur die Art und Weise fände, ein solches Werk zu unternehmen.Darauf antwortete der Priester: Wenn dir am Anschauensolcher Dinge genug ist, so will ich deine Reugierde sättigen.Wir wurden eins, das Werk zu unternehmen, und eines Abendsmachte sich der Priester bereit, indem er mir sagte, ich solleeinen, auch zwei Gefährten suchen. Da rief ich Vincenz Romoli,meinen besten Freund, welcher einen Pistojeser mit sich nahm,der sich auch auf die Schwarzkünstelei gelegt hatte. Wir gingenzusammen ins Coliseum; dort kleidete sich der Priester nach Artder Zauberer, zeichnete Cirkel auf die Erde mit den schönstenCeremonien, die man sich auf der Welt nur denken kann. Erhatte uns Zaffetika (rpsss tootickn) mitbringen lassen, kostbaresRäucherwerk und Feuer, auch böses Räucherwerk.
Da alles in Ordnung war, machte er das Thor in denCirkel, und führte uns bei der Hand hinein; dem andernSchwarzkünstler befahl er, das Räucherwerk nach Bedürfniß