Benrenitto Ccllini.
75
gestoßenen Stein sehen, den er gleichfalls für Diamant hielt;doch da er glaubte, der Anschlag käme von, Papste, ging er leichtdarüber weg, und die Sache ward als ein Zufall behandelt.
Ich aß nunmehr die Speisen, welche mir der Bischof sandte,schrieb beständig an meinem Gedichte über das Gefängniß, undsetzte täglich Punkt für Punkt die Begebenheiten hinzu, die sichzutrugen. Inzwischen schickte mir der Castellan mein Essendurch jenen Johann, den ehemaligen Apothekersjungen vonPrato, der nun hier Soldat war. Dieser, mein größter Feind,hatte mir eben den gestoßenen Diamanten gebracht, und ichsagte ihm, daß ich nicht eher von seinen Speisen essen würde,ehe er sie mir credenzt hätte. Er sagte daraus, das geschehewohl dem Papste. Ich versetzte ihm, wie eigentlich Edelleuteverbunden seyen, einem Papst zu credenzen, so sey er, Soldat,Apotheker und Bauer von Prato, schuldig, einem Florentinermeines Gleichen aufzuwarten. Darüber sagte er mir harteWorte, und ich erwiederte sie. Nun schämte sich Herr Antoneinigermaaßen über das, was vorgegangen war, und WeilerLust hatte, mich alle Kosten zahlen zu lassen, die mir von demguten verstorbenen Castellan schon geschenkt waren, wählte erunter seinen Dienern einen andern, der mir wohl wollte, undschickte mir das Essen durch ihn, der mir mit vieler Gefälligkeitjedesmal kredenzte. Auch sagte er mir alle Tage, daß derPapst beständig von Herrn de Montluc angegangen werde, dervon Seiten des Königs mich unablässig zurückverlangte, wobeider Papst wenig Lust zeige, mich herauszugeben, ja daß sogarCardinal Farnese, sonst mein so großer Freund und Patron,sollte gesagt haben, ich würde wohl noch eine Weile mich ge-dulden müssen. Worauf ich versetzte: Und ich werde ihnenallen zum Trotz doch frei werden. Der gute Mensch bat mich,ich möchte still seyn, daß niemand so etwas hörte; denn eskönne mir großen Schaden bringen, und mein Vertrauen ausGott möchte ich doch ja im Süllen erhalten und mich damitstärken. Ich antwortete ihm darauf: Die Kraft Gottes hatkeine Furcht vor der bösartigen Ungerechtigkeit.
Drittes Buch.
Erstes Capitel.
Der Cardinal Ferrara kommt aus Frankreich nach Rom zurück. —Als er sich mit dem Papst bei Tafel unterhält, weiß er die Freiheitdes Autors zu erbitten. — Gedicht in Terzinen, welkes Cellini in derGefangenschaft schrieb.
So vergingen wenige Tage, als der Cardinal Ferrara inRom erschien, der, als er dem Papst seine Aufwartung machte,so lange bei ihm aufgehalten wurde, bis die Stunde des Abend-essens kam. Nun war der Papst ein sehr kluger Mann, undwollte bequem mit dem Cardinal über die Franzosereien sprechen,weil man bei solchen Gelegenheiten sich freier über viele Dingeals sonst herausläßt. Der Cardinal, indem er von der groß-müthigen und freigebigen Art des Königs, die er genugsamkannte, sehr ausführlich sprach, gefiel dem Papste außerordent-lich, der sich, wie er alle Woche einmal that, bei dieser Ge-legenheit betrank, von welchem Rausch er sich denn gewöhnlichsogleich befreite, indem er alles wieder von sich gab.
Da der Cardinal die gute Disposition des Papstes bemerkte,bei welcher wohl eine gnädige Gewährung zu hoffen war, ver-langte er mich von Seiten des Königs auf das nachdrücklichsteund versicherte, daß Seine Majestät aus das lebhafteste nachmir begehre. Da nun der Papst sich nahe an der Zeit fühlte,wo er sich zu übergeben Pflegte, auch sonst der Wein seineWirkungen äußerte, so sagte er mit großem Lachen zum Car-dinal: Nun sollt ihr ihn gleich mit euch nach Hause führen!Darauf gab er seinen besondern Befehl und stand vom Tischeauf. Sogleich schickte der Cardinal nach mir, ehe es HerrPeter Ludwig erführe; denn der hätte mich auf keine Weiseaus dem Gefängniß gelassen. Es kam der Befehl des Papstesund zwei der ersten Edelleute des Cardinals Ferrara; nach vierUhr in der Nacht befreiten sie mich aus dem Gefängnisse, undführten mich vor den Cardinal, der mich mit unschätzbarerFreundschaft empfing, mich gut einquartieren und sonst aus'sbeste versorgen ließ. Herr Anton, der neue Castellan, ver-langte, daß ich alle Kosten nebst allen Trinkgeldern für denBargell und dergleichen Leute bezahlen sollte, und wollte nichtsvon alle dem beobachtet wissen, was sein Bruder, der Castellan,zu meinen Gunsten verordnet hatte. Das kostete mich nochmanche zehn Scudi.
Der Cardinal aber sagte mir, ich solle nur gutes Muthsseyn, und mich wohl in Acht nehmen, wenn mir mein Lebenlieb sey; denn wenn er mich nicht selbigen Abend aus deuiGefängniß gebracht hätte, so wäre ich wohl niemals heraus-gekommen; er höre schon, daß der Papst sich beklage, mich los-gelassen zu haben.
Nun muß ich noch einiger Vorfälle rückwärts gedenken,damit verschiedene Dinge deutlich werden, deren ich in meinemGedicht erwähne.
Als ich mich einige Tage in dem Zimmer des CardinalsCornaro aufhielt, und nachher, als ich in dem geheimen Gartendes Papstes war, besuchte mich unter andern werthen Freundenein Cassier des Herrn Bind» Altoviti, der Bernhard Galluzzihieß, dem ich den Werth von einigen hundert Scudi vertrauthatte. Er kam zu mir im geheimen Garten des Papstes, undwollte mir alles zurückgeben; ich aber versetzte, ich wüßte meineBaarschaft keinem liebern Freunde zu geben, noch sie an einenOrt zu legen, wo sie sicherer stünde; da wollte er mir das Geldmit Gewalt aufdringen, und ich hatte Noth, ihn zu bewegen,daß er es behielt. Da ich nun aus dem Castell befreit wurde,fand sich's, daß er verdorben war, und ich verlor meineBaarschast.
Ferner hatte ich noch im Gefängniß einen schrecklichenTraum, als wenn mir jemand mit der Feder Worte vonder größten Bedeutung an die Stirn schriebe, und mir drei-mal sagte, ich solle schweigen, und niemand nichts davonentdecken.
So erzählte man mir auch, ohne daß ich wußte, wer eswar, alles, was in der Folge Herrn Peter Ludwig begegnete,so deutlich und genau, daß ich nicht anders glauben konnte, alsein Engel des Himmels habe es mir offenbart.
Dann muß ich noch eine Sache nicht zurücklassen, die größerist, als daß sie einem andern Menschen begegnet wäre, einZeichen, daß Gott mich losgesprochen, und mir seine Geheim-nisse selbst offenbart hat. Denn seit der Zeit, daß ich jenehimmlischen Gegenstände gesehen, ist mir ein Schein um's