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Auswärtige Literatur und Volkspoesie.
zusagend, sich mit uns hierüber zu verständigen und zu derausgesprochenen löblichen Absicht mitzuwirken.
Frithiofs Saga.
l 82 t.
Angekündigt war im Morgenblatt Nr. 165 (1822) eineneue Behandlung jener kühnen, frischen nordischen Ueberliefe-rung, welche der geniale Legn er unternommen. Die dortaufgeführten, von Frau von Helvig mit Glück übersetztenkleinen Gedichte dienen als Einleitung und Fortschritt desGanzen; sie sind jedermann zugänglich, und wir geben dahernur kürzlich ihren Inhalt.
I.
Frithios und Bhörn, zwei kühne Seehelden, werdentief im Winter durch's Eis an's Land getrieben; dort herrschtweit und breit ein bejahrter König, Namens Ring, der Fri-thiofs Braut, Jngeborg, sich früher angemaßt hatte. DerSeeheld, von unbezwinglichem Verlangen getrieben, die Ge-liebte noch einmal zu sehen, geht leidenschaftlich, aber in fried-fertigen Gesinnungen nach Hofe, zum hochgefeierten Weih-nachtsfeste ;
II.
und zwar als Greis, in Bärenfelle gekleidet, ein Hülfsbedürf-tiger. Das Hofgesinde neckt und beleidigt ihn; aufgeregt, be-weist er seine Kraft, und aus der rohen thierischen Masketritt ein Heldenjüngling hervor. Der alte behagliche Fürstnimmt's gut auf und bietet ihm die Gastfreundschaft für denWinter an. König und Königin haben ihn erkannt, thun abernicht dergleichen.
III.
Der König mit seiner Gemahlin wagt sich im Schlittenauf's Eis, bricht ein und wird vom Fremdling errettet, derbis zum Frühling am Hofe verweilt. Die Neigung zu Inge-borg tritt mit aller Kraft hervor.
IV.
Nun ruft die Jagd in's Freie; man verfolgt das Wild mitEifer. Der König, ermüdet, legt sich schlafen in den Schooßdes Fremden. Ein schwarzer Vogel singt in den Birkenzweigenund treibt ihn, den König zu ermorden, ein weißer Vogelräth ab. Frithiof wirft sein Schwert weg, der König erwachtund fragt nach dem Schwerte. Er hat nicht geschlafen undmacht Frithiof Vorwürfe, daß er nicht mit Heereskraft, son-dern hinterlistig zu ihm gekommen sey; sodann zeigt er sichmäßig und wohlwollend und vermacht, in Erwartung einesbaldigen Endes, ihm Reich und Gemahlin.
Frithiof schlägt's aus, bekennt, daß ihn die Götter hassenund verfolgen, daß auch sie nur ihm Jngeborg geraubt undeinem andern übergeben, weil er, ein roher Krieger, ihreTempel geplündert und verbrannt. Darüber kann er sich nichtberuhigen und beharrt bei dem Vorsätze, wieder auf's Meer indas alte wilde, wüste Leben zurückzukehren. So weit dasMorgenblatt.
V.
Eine neu mitgetheilte Romanze giebt uns Nachricht vonKönig Rings natürlichem Ableben, der, als reich und friedlich
gesinnt, die Seinen viele Jahre zu beglücken und zu beschützenwußte. In solchem Sinne wird er denn von den Äsen imWalhallasaal freundlichst aufgenommen.
Diese fünf Absätze machen schon ein Ganzes, und könnenwohl ohne Einschiebung anderer Motive als Folge gelten. Dassechste Lied geben wir ganz, weil es, die Entwicklung scheinbarheranführend, die Verwicklung nur noch größer macht.
Wie vorzüglich diese Gedichte seyen, dürfen wir unsernmit dem Norden befreundeten Lesern nicht erst umständlichvorrechnen. Möge der Verfasser auf's eiligste das ganze Werkvollenden und die werthe Uebersetzerin auch in ihrer Arbeitsich gefallen, damit wir dieses Seeepos in gleichem Sinneund Ton vollständig erhalten. Nur das wenige fügen wirhinzu, daß die alte, kräftige, gigantisch-barbarische Dichtart,ohne daß wir recht wissen, wie es zugeht, uns auf eineneue, sinnig-zarte Weise, und doch unentstellt, höchst an-genehm entgegenkommt.
VI.
Die Königswahl.
Zu Ting, zu Ting! — Eilbotschaft gehtVon Berg zu Thal:
Fürst Ring ist todt; bevor nun stehtDie Königswahl.
Da langt der Mann das Schwert hervorAus Friedens Hut,
Prllft's mit dem Finger auch zuvor;
Es schneidet gut.
Die Knaben schaun mit Freuden drein,
Auf Stahles Licht;
Und heben wohl das Schwert zu zwein,
Eins konnt' es nicht.
Den Helm dort fegt das Mägdlein schlankMit emsigem Sinn,
Und schaut erröthend, da er blank,
Ihr Bild darin.
Zuletzt holt er den Schild herbei,
Ein Mond im Blutl
Heil dir, du eh'rner Wehrmann frei,
Du Bauer gut!
Stets deiner freien Brust entstiegDer Ehre Saat;
Des Landes Wall bist du im Krieg,
Deß Stimm' im Rath.
So sammelt sich bei SchildgetönDie Schaar im Feld;
Zum offnen Ting; der Himmel schönIst ihr Gezelt.
Hoch ragt dort Frithiof auf dem Stein;
Zur Seit' ihm war
Der Königssohn, ein Knabe klein,
Mit goldnem Haar.