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Bildung und Umbildung organischer Naturen.
Vorschläge, wie man ziegensüßige Faune hervorbringen könne,um solche in LivrLe, zu besondern! Staat und Auszeichnung,den Großen und Reichen auf die Kutsche zu stiften.
Lange Zeit wollte sich der Unterschied zwischen Menschenund Thieren nicht finden lassen; endlich glaubte man denAffen dadurch entschieden von uns zu trennen, weil er seinevier Schneidezähne in einem empirisch wirklich abzusonderndenKnochen trage, und so schwankte das ganze Wissen ernst - undscherzhaft, zwischen Versuchen, das Halbwahre zu bestätigen,dem Halbwahren irgend einen Schein zu verleihen, sich aberdabei in willkürlicher, grillenhafter Thätgkeit zu beschäftigenund zu erhalten. Die größte Verwirrung jedoch brachte derStreit hervor, ob man die Schönheit als etwas Wirkliches,den Objecten Jnwohncndes, oder als relativ, konventionell,ja individuell dem Beschauer und Anerkennen zuschreiben müsse.
Ich hatte mich indessen ganz der Knochenlehre gewidmet:denn im Gerippe wird uns ja der entschiedene Charakter jederGestalt und für ewige Zeiten aufbewahrt. Aeltere und neuereUeberbleibsel versammelte ich um mich her, und aus Reisenspähte ich sorgfältig in Museen und Cabineten nach solchen Ge-schöpfen, deren Bildung im ganzen oder einzelnen mir beleh-rend seyn könnte.
Hierbei fühlte ich bald die Nothwendigkeit, einen Typusaufzustellen, an welchem alle Säugethiere nach Uebereinstim-mung und Verschiedenheit zu Prüfen wären, und wie ich früherdie Urpflanze aufgesucht, so trachtete ich nunmehr das Urthierzu finden, das heißt denn doch zuletzt, den Begriff, die Ideedes Thiers.
Meine mühselige, qualvolle Nachforschung ward erleichtert,ja versüßt, indem Herder die Ideen zur Geschichte derMenschheit aufzuzeichnen unternahm. Unser tägliches Gesprächbeschäftigte sich mit den Uranfängen der Wassererde, und derdarauf von Alters her sich entwickelnden organischen Geschöpfe.Der Uranfang und dessen unablässiges Fortbilden ward immerbesprochen, und unser wissenschaftlicher Besitz durch wechsel-seitiges Mittheilen und Bekämpfen täglich geläutert und be-reichert.
Mit andern Freunden unterhielt ich mich gleichfalls auf daslebhafteste über diese Gegenstände, die mich leidenschaftlich be-schäftigten, und nicht ohne Einwirkung und wechselseitigenNutzen blieben solche Gespräche. Ja es ist vielleicht nicht an-maßlich, wenn wir uns einbilden, manches von daher Ent-sprungene , durch Tradition in der wissenschaftlichen Welt Fort-gepflanzte trage nun Früchte, deren wir uns erfreuen, ob mangleich nicht immer den Garten benamset, der die Pfropfreiserhergegeben.
Gegenwärtig ist bei mehr und mehr sich verbreitender Er-fahrung , durch mehr sich vertiefende Philosophie manches zumGebrauch gekommen, was zur Zeit, als die nachstehenden Auf-sätze geschrieben wurden, mir und andern unzugänglich war.Man sehe daher den Inhalt dieser Blätter, wenn man sie auchjetzt sür überflüssig halten sollte, geschichtlich an, da sie dennals Zeugnisse einer stillen, beharrlichen, folgerechten Thätigkeitgelten mögen.
1817.
Die Metamorphose der Maiyen.
17S0,
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Einleitung.
1 .
Ein jeder, der das Wachsthum der Pflanzen nur einiger-maaßen beobachtet, wird leicht bemerken, daß gewisse äußere> Theile derselben sich manchmal verwandeln und in die Gestalt! der Nächstliegenden Theile, bald ganz bald mehr oder weniger,
! übergehen.
! 2 .
So verändert sich zum Beispiel meistens die einfache Blumedann in eine gefüllte, wenn sich, anstatt der Staubfäden undStaubbeutel, Blumenblätter entwickeln, die entweder an Ge-stalt und Farbe vollkommen den übrigen Blättern der Kronegleich sind oder noch sichtbare Zeichen ihres Ursprungs an sichtragen.
3 .
Wenn wir nun bemerken, daß es auf diese Weise derPflanze möglich ist, einen Schritt rückwärts zu thun, und dieOrdnung des Wachsthums umzukehren, so werden wir auf denregelmäßigen Weg der Natur desto aufmerksamer gemacht, undwir lernen die Gesetze der Umwandlung kennen, nach welchensie einen Theil durch den andern hervorbringt, und die ver-schiedensten Gestalten durch Modification eines einzigen Organsdarstellt.
4 .
Die geheime Verwandtschaft der verschiedenen äußernPflanzentheile, als der Blätter, des Kelchs, der Krone, derStaubfäden, welche sich nach einander und gleichsam aus ein-ander entwickeln, ist von den Forschern im allgemeinen längsterkannt, ja auch besonders bearbeitet worden, und man hat dieWirkung, wodurch ein und dasselbe Organ sich uns mannich-saltig verändert sehen läßt, die Metamorphose derPflanzen genannt.
5 .
Es zeigt sich uns diese Metamorphose auf dreierlei Art:regelmäßig, unregelmäßig und zufällig.
6 .
Die regelmäßige Metamorphose können wir auch diefortschreitende nennen: denn sie ist es, welche sich vonden ersten Samenblättern bis zur letzten Ausbildung der Fruchtimmer stufenweise wirksam bemerken läßt, und durch Umwand-lung einer Gestalt in die andere, gleichsam auf einer geistigenLeiter, zu jenem Gipfel der Natur, der Fortpflanzung durchzwei Geschlechter, hinaufsteigt. Diese ist es, welche ich mehrereJahre aufmerksam beobachtet habe, und welche zu erklären ichgegenwärtigen Versuch unternehme. Wir werden auch deß-wegen bei der folgenden Demonstration die Pflanze nur insofern betrachten, als sie einjährig ist, und aus dem Samen-korne zur Befruchtung unaufhaltsam vorwärts schreitet.