Beiträge zur Optik.
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dasselbe erkläre, damit es wenigstens einstweilen gelte, biswir es vielleicht in der Folge gegen ein schicklicheres vertauschenkönnen.
Wir haben uns in dem ersten Stücke überzeugt, daß unsdas Prisma keine Farben zeigt als an den Rändern, wo Lichtund Finsterniß an einander gränzen. Wir haben bemerkt,daß durch sehr spitzwinkelige Prismen diese farbigen Rändernur schmal gesehen werden, da sie hingegen sowohl nach demSchwarzen als dem Weißen zu sich sehr verbreitern, wenn derbrechende Winkel, die refrangirende Kraft des Mittels oder dieEntfernung des Beobachters zunimmt.
90.
Dieses Phänomen, wenn mir nämlich ein farbiger Randdurch's Prisma da erscheint, wo ich ihn mit bloßen Augennicht sah, und dieser farbige Rand sich von dem Schwarzennach dem Weißen und von dem Weißen nach dem Schwarzenzu erstreckt, nenne ich die Strahlung, und drücke dadurchgleichsam nur das Phänomen an sich selbst aus, ohne noch irgendauf die Ursache desselben deuten zu wollen.
91.
Da die farbigen Erscheinungen an den Rändern die Gränzedes Randes selbst ungewiß machen, und die Zeichen, die mansich durch Nadeln oder Punkte feststellen will, auch gefärbt undverzogen werden, so ist die Beobachtung mit einiger Schwierig-keit verknüpft. Durch einen gläsernen Keil, von ungefähr10 Graden, erscheinen beide farbige Ränder sehr zart, unmittel-bar am Schwarzen gegen das Weiße zu. Der blaue Saumist sehr schön hochblau, und scheint mit einem feinen Pinsel aufden weißen Rand gezeichnet zu seyn. Einen Ausfluß desStrahls nach dem Schwarzen zu bemerkt man nicht, ohne diegrößte Aufmerksamkeit, ja man muß gleichsam überzeugt seyn,daß man ihn sehen müsse, um ihn zu finden. Dagegen ist andem andern Rande das Hochrothe gleichfalls sichtbar, und dasGelbe strahlt nur schwach nach dem Weißen zu. Verdoppeltman die Keile, so sieht man nun deutlich das Violette nach demSchwarzen, das Gelbe nach dem Weißen zu sich erstrecken undzwar beide in gleichem Maaße. Das Blaue und Rothe wirdauch breiter, aber es ist schon schwerer zu sagen, ob sich jenesin das Weiße, dieses in das Schwarze verbreitert.
92.
Vielleicht läßt sich in der Folge das, was uns gegenwärtigdurch das Auge zu beobachten schwer fällt, aus einem andernWege finden und näher bestimmen. So viel aber können wirinzwischen bemerken, daß das Blaue wenig in das Weiße, dasRothe wenig in das Schwarze, das Violette viel in dasSchwarze, das Gelbe viel in das Weiße Herei »strahlt. Danun unter der Bedingung, wie wir das Prisma beständig hal-ten, die beiden starken Strahlungen abwärts, die beidenschwächern hinaufwärts gehen, so wird sowohl ein schivarzerGegenstand auf weißem Grunde als ein weißer auf schwarzemGrund« oben wenig und unten viel gewinnen.
Ich brauche daher das Wort Rand, wenn ich von demschmälern blauen und rothen Farbenstreife, dagegen das WortStrahlung, wenn ich von dem breitem violetten und gelbenspreche, obgleich jene schmalen Streifen auch mäßig strahlen undsich verbreitern, und die breitem Strahlungen von den Rän-dern mtzertrennlich sind.
So viel wird vorerst hinreichen, um den Gebrauch diesesWortes einigermaaßen zu rechtfertigen und meinem Vortragedie nöthige Deutlichkeit zu geben.
X.
Graue Flächen, durch's Prisma betrachtet.
93.
Wir haben in dem ersten <stllcke nur schwarze und weißeTafeln durch's Prisma betrachtet, weil sich an denselben diefarbigen Ränder und Strahlungen derselben am deutlichstenausnehmen. Gegenwärtig wiederholen wir jene Versuche mitgrauen Flächen und finden abermals die Wirkungen des be-kannten Gesetzes.
94.
Haben wir das Schwarze als Repräsentanten der Finster-niß, das Weiße als Repräsentanten des Lichtes angesehen, sokönnen wir sagen, daß das Graue den Schatten repräsentier,welcher mehr oder weniger von Licht und Finsterniß participirtund also manchmal zwischen beiden in der Mitte steht.
95.
Der Schatten ist dunkel, wenn wir ihn mit dem Lichte, erist hell, wenn wir ihn mit der Finsterniß vergleichen, und sowird sich auch eine graue Fläche gegen eine schwarze als hell,gegen eine weiße als dunkel verhalten.
96.
Grau auf Schwarz wird uns also durch's Prisma alle diePhänomene zeigen, die wir in dem ersten Stücke dieser Bei-träge durch Weiß auf Schwarz hervorgebracht haben. DieRänder werden nach eben dem Gesetze gefärbt und strahlen ineben der Breite, nur zeigen sich die Farben schwächer und nichtin der höchsten Reinheit.
97.
Eben so wird Grau aus Weiß die Ränder sehen lassen,welche hervorgebracht wurden, wenn wir Schwarz auf Weißdurch's Prisma betrachteten.
98.
Verschiedene Schattirungen von Grau, stufenweise an ein-ander gesetzt, je nachdem man das Dunklere oben oder untenhinbringt, werden entweder nur Blau und Violett, oder nurRoth und Gelb an den Rändern zeigen.
99.
Eben diese grauen Schattirungen, wenn man sie horizon-tal neben einander betrachtet und die Ränder durch's Prismabesieht, wo sie oben und unten an eine schwarze oder weißeFläche stoßen, werden sich nach den uns bekannten Gesetzen färben.
100 .
Die zu diesem Stücke bestimmte Tafel wird ohne weitereAnleitung dem Beobachter die Bequemlichkeit verschaffen, dieseVersuche unter allen Umständen anzustellen.
X.
Farbige Flächen, durch's Prisma betrachtet.
101 .
Ein farbige große Fläche zeigt keine prismatische Farben,i eben wie schwarze, weiße und graue Flächen, es müßte denn