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Zur Farbenlehre.
offenbar ein Grün hervor, und man kann den untern violettenSaum nicht mehr für die verrückte Gestalt eines hellblauenVierecks ansehen oder ausgeben.
269.
Von allem diesem wird künftig umständlicher die Redeseyn, wenn wir vom Apparate zu dieser Abtheilung handelnwerden. Jeder Naturforscher bereite sich die Tafeln selbst,um dieses Taschenspielerstückchen hervorbringen zu können,und sich dabei zu überzeugen, daß die farbigen Ränder selbstin diesem Falle einer geschärften Aufmerksamkeit nicht entgehenkönnen.
270.
Indessen sind andere mannichsaltige Zusammenstellungen,wie sie unsere Tafel zeigt, völlig geeignet, allen Zweifel überdiesen Punkt jedem Aufmerksamen zu benehmen.
271.
Man betrachte dagegen ein weißes, neben dem blauenstehendes Viereck auf schwarzem Grunde, so werden an demweißen, welches hier an der Stelle des rothen steht, die ent-gegengesetzten Ränder in ihrer höchsten Energie sich zeigen.Es erstreckt sich an demselben der rothe Rand fast noch mehrals oben am rothen selbst über die Horizontallinie des blauenhinauf; der untere blaue Rand aber ist an dem weißen inseiner ganzen Schöne sichtbar, dagegen verliert er sich in demblauen Viereck durch Identification. Der violette Saumhinabwärts ist viel deutlicher an dem weißen als an demblauen.
272.
Man vergleiche nun die.mit Fleiß über einander gestelltenPaare gedachter Vierecke, das rothe mit dem weißen, die bei-den blauen Vierecke mit einander, das blaue mit dem rothen,das blaue mit dem weißen, und man wird die Verhältnissedieser Flächen zu ihren farbigen Rändern und Säumen deutlicheinsehen.
273.
Noch auffallender erscheinen die Ränder und ihre Verhält-nisse zu den farbigen Bildern, wenn man die farbigen Viereckeund das schwarze auf weißem Grunde betrachtet: denn hierfallt jene Täuschung völlig weg, und die Wirkungen der Rän-der sind so sichtbar, als wir sie nur in irgend einem andernFalle bemerkt haben. Man betrachte zuerst das blaue undrothe Viereck durch's Prisma. An beiden entsteht der blaueRand nunmehr oben; dieser, homogen mit dem blauen Bilde,verbindet sich demselben und scheint es in die Höhe zu heben,nur daß der hellblaue Rand oberwärts zu sehr absticht. Derviolette Saum ist auch herabwärts in's Blaue deutlich genug.Eben dieser obere blaue Scheinrand ist nun mit dem rothenViereck heterogen; er ist in der Gegenwirkung begriffen undkaum sichtar. Der violette Saum indessen bringt, verbundenmit dem Gelbrothen des Bildes, eine Orangefarbe zu Wege.
274.
Wenn nun aus der angegebenen Ursache die obern Ränderdieser Vierecke nicht horizontal erscheinen, so erscheinen dieuntern desto gleicher: denn indem beide Farben, die rothe unddie blaue, gegen das Weiße gerechnet, dunkler sind, als siegegen das Schwarze hell waren, welches besonders von derletztem gilt, so entsteht unter beiden der rothe Rand mit seinemgelben Saume sehr deutlich. Er zeigt sich unter dem gelbrothen
Bilde in seiner ganzen Schönheit, und unter dem dunkelblauen,beinahe wie er unter dem schwarzen erschien; wie man bemer-ken kann, wenn man abermals die über einander gesetzten Bil-der und ihre Ränder und Säume vergleicht.
275.
Um nun diesen Versuchen die größte Mannichfaltigkeit undDeutlichkeit zu geben, sind Vierecke von verschiedenen Farbenin der Mitte der Tafel dergestalt angebracht, daß die Gränzedes Schwarzen und Weißen vertical durch sie durchgeht. Manwird sie, nach jenen uns überhaupt und besonders bei farbigenBildern genugsam bekannt gewordenen Regeln, an jedemRand zwiefach gefärbt finden, und die Vierecke werden in sichselbst entzwei gerissen und hinauf- oder herunterwärt« gerückterscheinen. Wir erinnern uns hierbei jenes grauen, gleichfallsauf der Gränzscheiduug des Schwarzen und Weißen beobach-teten Bildes (257).
276.
Da nun das Phänomen, das wir vorhin an einem rothenund blauen Viereck auf schwarzem Grunde bis zur Täuschunggesehen haben, das Hinauf- und Hinabdrücken zweier verschiedengefärbten Bilder uns hier an zwei Hälften eines und desselbenBildes von einer und derselben Farbe sichtbar wird, so werdenwir dadurch abermals auf die farbigen Ränder, ihre Säumeund auf die Wirkungen ihrer homogenen und heterogenen Na-tur hingewiesen, wie sie sich zu den Bildern verhält, an denendie Erscheinung vorgeht.
Ich überlasse den Beobachtern, die mannichfaltigen Schat-tirungen der halb auf Schwarz, halb auf Weiß angebrachtenfarbigen Vierecke selbst zu vergleichen, und bemerke nur nochdie widersinnige scheinbare Verzerrung, da Roth und Gelbauf Schwarz hinaufwärts, auf Weiß hernnterwärts, Blau aufSchwarz herunterwärts, und auf Weiß hinaufwärts gezogenscheinen; welches doch alles dem bisher weitläufig Abgehandel-ten gemäß ist.
277.
Nun stelle der Beobachter die Tafel dergestalt vor sich,daß die vorgedachten, auf der Gränze des Schwarzen undWeißen stehenden Vierecke sich vor ihm in einer horizontalenReihe befinden, und daß zugleich der schwarze Theil oben, derweiße aber unten sey. Er betrachte durch's Prisma jeneVierecke, und er wird bemerken, daß das rothe Viereck durchden Ansatz zweier rother Ränder gewinnt; er wird bei genauerAufmerksamkeit.den gelben Saum auf dem rothen Bilde be-merken , und der untere gelbe Saum nach dem Weißen zu wirdvöllig deutlich seyn.
278.
Oben an dem gelben Viereck ist der rothe Rand sehr merk-lich , weil das Gelbe als hell gegen das Schwarze genugsamabsticht. Der gelbe Saum identificirt sich mit der gelbenFläche, nur wird solche etwas schöner dadurch; der untere Randzeigt nur wenig Roth, weil das helle Gelb gegen das Weißenicht genugsam absticht; der untere gelbe Saum aber ist deut-lich genug.
279.
An dem blauen Viereck hingegen ist der obere rothe Randkaum sichtbar; der gelbe Saum bringt herunterwärts ein schmutzi-ges Grün im Bilde hervor; der untere rothe Rand und dergelbe Saum zeigen sich in lebhaften Farben.