Materlalicn zur beschichte der Farbenlehre,
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von den zu seiner Zeit verstorbenen Gliedern auf seine reine,natürliche, liebenswürdige Weise. Je mehr nachher diese In-stitute selbst sich Ansehen geben und verschaffen, je mehr manUrsache hat, aus den Todten etwas zu machen, damit die Lebendi-gen als etwas erscheinen, desto mehr werden solche Personalienausgeschmückt und treten in der Gestalt von Elegien hervor.
Tatz nach dem Tode Newtons, der ein Mitglied der Fran-zösischen Akademie war, eine bedeutende, allgemeinverständliche,von den Anhängern Newtons durchaus zu billigende Lobredewürde gehalten werden, ließ sich erwarten. Fontenelle hieltsie. Von seinem Leben und seiner Lehre, und also auch vonseiner Farbentheorie wurde mit Beisall Rechenschaft gegeben.Wir übersetzen die hieraus bezüglichen Stellen, und begleitensie mit einigen Bemerkungen, welche durch den polemischenTheil unserer Arbeit bestätigt und gerechtfertigt werden.
Fontenelles Lobrede auf Newton,
ausgezogen und mit Bemerkungen begleitet,
„Zu gleicher Zeit, als Newton an seinem großen Werkder Principien arbeitete, hatte er noch ein anderes unterHänden, das eben so originell und neu, weniger allgemeindurch seinen Titel, aber durch die Manier, in welcher der ,Verfasser einen einzelnen Gegenstand zu behandeln sich vor- !nahm, eben so ausgebreitet werden sollte. Es ist die Optik ^oder das Werk über Licht und Farbe, welches zum erstenmal1704 erschien. Er hatte in dem Lauf von dreißig Jahren die iExperimente angeiiellt, deren er bedurfte." !
In der Optik steht kein bedeutendes Experiment, das sich !nicht schon in den optischen Lectionen fände, ja in diesen ^steht manches, was in jener ausgelassen ward, weil es nichtin die künstliche Darstellung paßte, an welcher Newton dreißig !Jahre gearbeitet hat. !
„Die Kunst, Versuche zu machen, in einem gewissen Grade,ist keineswegs gemein. Das geringste Factum, das sich unsernAugen darbietet, ist aus io viel andern Facten verwickelt, diees zusammensetzen oder bedingen, daß man ohne eine außer-ordentliche Gewandtheit nicht alles, was darin begriffen ist,entwickeln, noch ohne vorzüglichen Scharfsinn vermuthen kann, ^was alles darin begriffen seyn dürste. Man muß das Factum, !wovon die Rede ist, in so viel andere trennen, die abermals !zusammengesetzt sind, und manchmal, wenn man seinen Wegnicht gut genxihlt hätte, würde man sich in Jrrgänge einlassen, !aus welchen man keinen Ausgaug fände. Die ursprünglichenund elementaren Facta scheinen von der Natur mit so vielSorgfalt wie die Ursachen versteckt worden zu seyn; und ge« !langt man endlich dahin, sie zu sehen, so ist es ein ganz neues !und überraschendes Schauspiel."
Diese Periode, die dem Sinne nach allen Beifall verdient,wenn gleich die Art des Ausdrucks vielleicht eine nähere Be-stimmung erforderte, paßt auf Newton nur dem Vorurtheil,keineswegs aber dem Verdienst nach; denn eben hier liegt dervon uns erwiesene, von ihm begangene Hauptfehler, daß erdas Phänomen in seine einfachen Elemente nicht zerlegt hat;welches doch bis auf einen gewissen Grad leicht gewesen wäre,da ihm die Erscheinungen, aus denen sein Spectrum zusammen-gesetzt wird, selbst nicht unbekannt waren.
„Der Gegenstand dieser Optik ist durchaus die Anatomiedes Lichtes. Dieser Ausdruck ist nicht zu kühn, es ist die Sacheselbst."
So weit war man nach und nach im Glauben gekommen!An die Stelle des Phänomens setzte man eine Erklärung: nunnannte man die Erklärung ein Factum, und das Factum garzuletzt eine Sache.
Bei dem Streite mit Newton, da er ihn noch selbst führte,findet man, daß die Gegner seine Erklärung als Hypothesebehandelten; er aber glaubte, daß man sie als eine Theorie,ja wohl gar ein Factum nennen könnte, und nun macht seinLobredner die Erklärung gar zur Sache!
„Ein sehr kleiner Lichtstrahl," —
! Hier ist also der hypothetische Lichtstrahl: denn bei dem Ex-^ periment bleibt es immer das ganze Sonnenbild.
— „den man in eine vollkommen dunkle Kammer herein-läßt,"-
In jedem hellen Zimmer ist der Effect eben derselbe.
— „der aber niemals so klein seyn kann, daß er nichtnoch eine unendliche Menge von Strahlen enthielte, wirdgetheilt, zerschnitten, so daß man nun die Elementarstrahlenhat," —
Man hat sie, und wohl gar als Sache!
— „aus welchen er vorher zusammengesetzt war, die nunaber von einander getrennt sind, jeder von einer andern Farbegefärbt, die nach dieser Trennung nicht mehr verändert werdenkönnen. Das Weiße also war der gesammte Strahl vor seinerTrennung, und entstand aus dem Gemisch aller dieser be-sondern Farben der primitiven Lichtstrahlen."
Wie es sich mit diesen Redensarten verhalte, ist anderwärtsgenugsam gezeigt.
„Die Trennung dieser Strahlen war so schwer," —
Hinter die Schwierigkeit der Versuche steckt sich die ganzeNewtonsche Schule. Das, was an den Erscheinungen wahrund natürlich ist, läßt sich sehr leicht darstellen: was aberNewton zusammcngekünstelt hat, um seine falsche Theorie zubeschönigen, ist nicht sowohl schwer als beschwerlich (troudle-some) darzustellen; einiges, und gerade das Hauptsächlichste,ist sogar unmöglich. Die Trennung der farbigen Strahlen insieben runde, völlig von einander abstehende Bilder ist einMährchen, das bloß als imaginäre Figur auf dem Papier steht,und in der Wirklichkeit gar nicht darzustellen ist.
— „daß Herr Mariotte, als er auf das erste Gerücht vonHerrn Newtons Erfahrungen diese Versuche unternahm," —
Ehe Mariotte seinen Tractat über chie Farben herausgab,konnte er den Aufsatz in den Transactionen recht gut ge-lesen haben.
— „sie verfehlte, er, der so viel Genie für die Erfahrunghatte, und dem es bei andern Gegenständen so sehr geglückt ist."
Und so mußte der treffliche Mariotte, weil er das Hocus-pocus, vor dem sich die übrigen Schulgläubigen beugten, alsein ehrlicher Mann, der Augen hatte, nicht anerkennen wollte,seinen wohlhergebrachten Ruf als guter Beobachter vor seinereigenen Nation verlieren, den wir ihm denn hiermit auf dasvollkommenste wiederherzustellen wünschen.
„Noch ein anderer Nutzen dieses Werks der Optik, sogroß vielleicht als der, den man aus der großen Anzahl neuerKenntnifle nehmen kann, womit man es angefüllt findet, ist,