Nachträgt zur Farbenlehre.
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vereinigt, in Jena aufgestellt, einen vollständigen Vortrag derFarbenlehre möglich machen werden. Jeder Studirende fordereauf seiner Akademie vom Professor der Physik einen Vortragsämmtlicher Phänomene, nach beliebiger Ordnung; fängt dieseraber den bisherigen Bocksbeutel damit an: „Man laste durchein kleines Loch einen Lichtstrahl u. s. w.", so lache man ihnaus, verlasse die dunkle Kammer, erfreue sich am blauen Him-mel und am glühenden Roth der untergehenden Sonne nachunserer Anleitung.
Auch würde jener intentirte Supplementband noch manchesandere nachbringen, was einem verziehen wird, der nicht vielZeit hat, das, was ihm zu sagen wichtig ist, in leserlichePhrasen einzukleiden.
Heuere Einleitung.
Nach abgeschlossenem entoptischem Vortrag, dessen Bear-beitung uns mehrere Jahre beschäftigt, nach dem frischen Be-weis , daß an unsere Farbenlehre sich jede neu entdeckte Er-scheinung freundlich anschließt, in's Ganze fügt und keiner be-sondern theoretischen Erklärung bedarf, finden wir der Sachegerathen, manches einzelne, was sich bisher gesammelt, hiergleichfalls darzulegen und in jene Einheit zn verschlingen. DenHauptsinn unseres ganzen Vorhabens wiederholen wir daher,weil das meiste, was bis jetzt über Farbe öffentlich gesagt wor-den, auf das deutlichste zeigt, daß man meine Bemühungenentweder nicht kennt oder ignorirt, nicht versteht oder nichtverstehen will.
Und so wird es nicht zu weit ausgeholt seyn, wenn wirsagen, daß unsere ältesten Vorfahren bei ihrer Naturbeschauungsich mit dem Phänomen begnügt, dasselbe wohl zu kennen ge-trachtet , aber an Versuche, wodurch es wiederholt würde, wo-durch sein Allgemeineres zu Tage käme, nicht gedacht. Siebeschauten die Natur, besuchten Handwerker und Fabricantenund belehrten sich, ohne sich aufzuklären. Sehr lange verfuhrman so; denn wie kindlich war noch die Art von Versuch, daßman in einem ehernen Kessel Eisenfeilspüne durch einen unter-gehaltenen Magnet gleichsam sieden ließ!
In der Zwischenzeit wollen wir uns nicht aufhalten, undnur gedenken, wie im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundertdie unendlichste Masse von einzelnen Erfahrungen auf die Men-schen eindrang, wie Porta Kenntnisse und Fertigkeiten vieleJahre durch in der ganzen Welt zusammensuchte, und wieGilbert am Magneten zeigte, daß man auch ein einzelnesPhänomen in sich abschließen könne.
In demselben Zeitraum zeigte Bacon auf das lebhaftestezur Erfahrung hin und erregte das Verlangen, unzählbarenund unübersehbaren Einzelnheiten nachzugehen. Immer mehrund mehr beobachtete man; man probirte, versuchte, wieder-holte; man überdachte, man überlegte zugleich, und so kam einWissen zur Erscheinung, von dem man vorher keinen Begriffgehabt hatte. Weil dieß aber nicht vorübergehen, sondern daseinmal Gefundene festgehalten und immer wieder dargestelltwerden sollte, so befleißigte man sich schon in der zweiten Hälftedes siebzehnten Jahrhunderts nothdllrstig verbesserter Instru-mente , und es fanden sich Personen, die aus dem Handhabenderselben eine Art von Gewerbe machten. Dieß alles war gut
und löblich, aber die Lust zu theoretisiren, gegen welche Baconsich so heftig geäußert hatte, kann und darf den Menschen nichtverlassen; und so groß ist die Macht des Gedankens, er seywahr oder falsch, daß er die Erfahrung mit sich fortreißt; daherdenn auch gesteigerte und verwickelte Maschinen der Theorie zuDiensten seyn und dem Wahren wie dem Falschen zur Bestäti-gung und Gründung dienen mußten. Nirgends war diesesumgekehrte Verfahren trauriger als in der Farbenlehre, woeine ganz falsche, auf ein falsches Experiment gegründete Lehredurch neue, das Unwahre stets verbergende und die Verwirrungimmer vermehrende, verwickeltere Versuche unzugänglich gemachtund vor dem reinen Menschenverstand düster verhüllt ward.
Da ich in die Naturwissenschaft als Freiwilliger hineinkam,ohne Aussicht und Absicht auf einen Lehrstuhl, welchen besteigendman denn doch immer bereit seyn muß, eben so gut dasjenigevorzutragen, was man nicht weiß, als das, was man weiß,und zwar um der lieben Vollständigkeit willen, so konnte ichdagegen auf eine andere Vollständigkeit denken, auf den Baco-nischen Weg zurückkehrend, und die sämmtlichen Phänomene,so viel ich ihrer gewahr werden konnte, sammelnd, welchesohne eine gewisse Ordnung, ohne ein Neben-, Ueber- undUntereinander, für den denkenden Geist unmöglich ist.
Wie ich in der Farbenlehre gehandelt, liegt jedermann vorAugen, der es beschauen will; das Fachwerk, das ich beliebt,wüßte ich noch jetzt nicht zu verändern; noch jetzt giebt es mirGelegenheit, Verwandtes mit Verwandtem zu gesellen, wie dieentoptischen Farben bezeugen mögen, die, als neuentdeckt, sichin meinen übrigen Vortrag einschalten lassen, eben als hätteman sie gleich anfangs in Betracht gezogen. Hierdurch findeich mich also berechtigt, ja genöthigt, was ich etwa nachzubrin-gen habe, in derselben Ordnung auftufichren; denn es kommt. hier nicht daraus an, durch eine Hypothese die Erscheinungenzu verrenken, sondern die klaren, natürlichen Rechte einer jedenanzuerkennen und ihr den Platz in der Stadt Gottes und derNatur anzuweisen, wo sie sich denn gern hinstellen, ja nieder-lassen mag. Und wie sollte man einen so großen errungenenund erprobten Vortheil aufgeben, da jedermann, der ein In-strument erfunden, das ihm in der Ausübung besondere Be-quemlichkeit gewährt, aber andern unbekannt ist, solches bekanntzu machen sucht, entweder zu seiner Ehre, oder wenn er dasGlück hat, ein Engländer zu seyn, nach erlangtem Patent zuseinem zeitlichen Gewinn. Lasse man mich also auch die Vor-theile wiederholt an Beispielen praktisch aussprechen, die miraus der Methode zufließen, wonach ich die Farbenlehre ge-bildet. Sobald ich nämlich die Haupt- und Grundphänomenegefunden und, wie sie sich verzweigen und aus einander be-ziehen, geordnet hatte, so entstanden wahrhaft geistige Locate,in welche man gar leicht den besondern Fall dem allgemeinenBegriff unterzuordnen und das Vereinzelte, Seltsame, Wunder-bare in den Kreis des Bekannten und Faßlichen einzuschließenfähig wird.
Zu leichterer Uebersicht ist deßhalb eine Tabelle voraus-geschickt.
Phyjiologe Farben.
Diese sind es, die als Anfang und Ende aller Farbenlehrebei unserm Vortrag vorangestellt worden, die auch wohl nach