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Nachträge zur Farbenlehre.
seyn, wären die Erscheinungen nicht in gewisse Fächer, nachnatürlicher Verwandtschaft, getheilt und zugleich gesondert undan einander gereiht worden. Diese Eintheilung geht dergestaltaus der Sache selbst hervor, daß sie von erfahrenen und den-kenden Männern gewissermaaßen gebraucht worden, schon vorder unseligen Newtonschen Theorie, und auch nachher, als diesedie Welt in pfäffischen Aberglauben verhüllt hatte.
Der Abtheilungen sind drei. Die erste enthält diejenigenFarben, welche dem Auge selbst angehören, indem sie schondurch farblose Anregung von außen entspringen und die Gegen-wirkung des Auges gegen äußere Eindrücke bethätigen. Es sindalso solche, die derPerson, demBeschauer, dem Betrachter eigensangehören, und verdienen daher den ersten Rang; wir nennensie die physiologischen. In die dritte Abtheilung sind solchegestellt, die wir dem Gegenstände zuschreiben müssen. Sie wer-den an Körpern hervorgebracht, verändern sich bei verändertenEigenschaften des Körpers; sie können an denselben für ewigeZeiten fixirt werden und sind penetrativ; man nennt sie diechemischen, weil der sie hervorbringende Proceß ein allge-mein chemischer ist, der sich an allem Körperlichen dieser Weltmanifestirt; deßwegen denn nicht allein die eigentlich chemischenFarben, sondern auch solche, die sich an organischen Körpernzeigen und sich gleichen Gesetzen unterwerfen, hierher geordnetsind. Die zweite Classe enthält nun die Phänomene, welchevermittelnd zwischen denen der ersten und dritten stehen. Manhat solche die scheinbaren genannt, weil gewisse Mittel,unter gewissen Bedingungen, dem Auge Farbenerscheinungendarbringen, welche dem vermittelnden Körper nicht angehören,indem derselbe, sobald die Bedingung aufhört, farblos er-scheint.
Der ächte und aufrichtige Wissenschaftsfreund findet nunhier ein dreifach Geschäft: erstlich zu untersuchen, ob die Phäno-mene vollständig aufgezeichnet sind, und er wird das Fehlendenachbringen; sodann ob ihm die Methode behage, nach welchersie gereiht sind; ist diese seiner Denkart nicht gemäß, so mager nach einer andern die Erscheinungen umordnen, und wirwünschen ihm Glück dazu! Schließlich wird er aufmerken, inwiefern eine von uns neubeliebte Terminologie mit den Phäno-menen übereinstimme, und in wiefern eine gewisse theoretischeAnsicht, ohne welche weder Benennung noch Methode denkbarist, naturgemäß erscheinen könne. Durch alles dieses würde ermeinen Dank verdienen, aber nicht als Gegner auftreten.
Eben so verhält es sich mit den allgemeinen Ansichten nachaußen, und was über nachbarliche Verhältnisse zu andernWissenschaften gesagt ist. Was ich zuletzt über sinnlich-sittlicheWirkung der Farben geäußert und dadurch das Wissenschaft-liche an die bildende Kunst angeschlossen habe, findet wenigerAnfechtung, ja man hat es brauchbar gefunden; wie man dennüberhaupt meiner Arbeit schon die Ehre anthut, sie hie und dazu benutzen, ohne gerade meiner dabei zu gedenken.
Als Materialien zur Geschichte der Farbenlehre istalles, was ich deßhalb gesammelt, was ich dabei gedacht undwie es mir vorgekommen, den Jahren nach zusammengereiht.Auch hier findet der Freund des Wahren gar mancherlei Be-schäftigung: er wird, wie ich seit jener Zeit auch selbst gethan,gar manches Uebersehene nachtragen, Lücken ausfüllen, dieMeinung aufklären und in Gang und Schritt dieser geschicht-lichen Wanderung mehr Gleichheit bringen; auch dadurch wird
^ er mich verbinden, und kann, indem er mich unterrichtet undi belehrt, niemals mein Gegner werden,j Was nun aber zuletzt die Anhänger Newtons betrifft, so! sind auch diese nicht meine Gegner, ich aber bin der ihrige. Ichi behaupte, daß ihr altes Castell, schon durch die Zeit sehr an-gegriffen, nicht lange mehr bestehen kann, und ich bekenne, daßich alles beizutragen Lust habe, damit es je eher je lieber zu-sammenstürze. Mir aber können sie nichts zerstören; denn ichhabe nicht gebaut: aber gefäet habe ich, und so weit in die Welthinaus, daß sie die Saat nicht verderben können, und wenn sienoch so viel Unkraut zwischen den Weizen säen.
^ Was man jedoch mit mehr Grund von mir fordern könnte,und was ich wohl noch zu leisten wünschte, wäre ein Supple-mentarband, in welchem als Nachtrag erschiene alles, was mirzeither von ältern und neuern Erfahrungen noch bekannt ge-worden , sodann in wiefern ich meine Vorstellung über dieseDinge erprobt gefunden oder verändert.
Hierzu würde die Geschichte der Farbenlehre, vom Ansangdes Jahrhunderts bis auf den letzten Tag, vor allen Dingenerforderlich seyn, wobei ich versuchen würde, meine Wider-sacher so zu behandeln, als wenn wir sämmtlich aus der Regiondes Blinzens und Meinens schon lange in die Regionen desSchaums und Erkenuens übergegangen wären. Hieran würdesich schließen die Anwendung meiner einfachen Darstellung, umnicht zu sagen Grundsätze, auf complicirtere Phänomene, derenErwähnung ich bisher mit Fleiß vermieden; besonders eineneue Entwicklung des Regenbogens. Dieses ist gerade dasPhänomen, worauf sich die mathematische Physik am meistenzu Gute thut. Hier, versichert man, treffe die Rechnung mitder Theorie vollkommen zusammen.
Es ist belehrend, daß so viele tief- und scharfsinnige Männernicht einsahen, wie eine Berechnung mit dem Phänomen voll-kommen übereinstimmen kann, und deßwegen gleichwohl diedas Phänomen erklärende Theorie falsch seyn dürste. Im Prak-tischen gewahren wir's jeden Tag, doch in der Wissenschaftsollten auf der Höhe der Philosophie, auf der wir stehen und,obgleich mit einigem Schwanken, gegründet sind, dergleichenVerwechslungen nicht mehr vorkommen.
Jener Supplementband, den ich selbst an mich fordere,aber leider nicht verspreche, sollte nun ferner enthalten dasVerzeichniß eines vollkommenen Apparats, den jeder nichtallein besitzen, sondern jederzeit zu eigenem und fremdem Ge-brauch benutzen könnte. Denn es ist nichts jammervoller alsdie akademisch-optischen Apparate, welche das Jahr über ver-stauben und verbünden, bis das Capitel an die Reihe kommt,wo der Lehrer kümmerliche Versuche von Licht und Farben gerndarstellen möchte, wenn nur die Sonne bei der Hand wäre.Es kann seyn, daß irgendwo etwas einigermaaßen Hinreichen-des vorgezeigt werde; immer geschieht^ aber nur nach demkümmerlichen Anlaß der Compendien, in welchen sich die New-tausche Lehre, die doch anfangs wenigstens ein Abracadabrawar, zu unzusammenhängenden Trivialitäten verschlechtert.Die Zeugnisse hiervon stehen schon in meiner Geschichte derFarbenlehre, und in den Sessionsberichten des künftigen Ge-richts wird bei dieser Gelegenheit öfters stehen: Man lacht!
Ein solches Verzeichniß des nothwendigen Apparats wirdausführlich aufzusetzen seyn, da meine sämmtlichen Vorrichtun-gen, mit den Büttnerschen und ältern fürstlichen Instrumenten