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Johann kunckel.
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Geboren zu Schleswig 1630, wandte sich, ohne studirt zuhaben, von der Apothekerkunst zur Chemie, wo er denn, ineiner noch alchymistisch düstern Zeit, mit seltsamen Meinungenhervortrat, welche nicht eben günstig aufgenommen wurden;doch mußte er, als ein Praktisch gewandter Mann, bei seuer-lustigen, Geheimes forschenden Fürsten und Herren guten Ein-gang finden. Zuerst am Lauenburgischen Hofe, dann zu Dres-den, zu Berlin und endlich in Schweden angestellt, hinterließer seine Erfahrungen in dem Quartband: Die vollkommeneGlasmacherkunst, einem zwar vielfach nichtigen und nütz-lichen , aber doch schwer zugänglichen Buche. Ich erinnere michaus früherer Zeit, bei flüchtiger Ansicht niemals klug darausgeworden zu seyn; gegenwärtig neu angeregt, habe ich es genauerbetrachtet, und denke durch Nachstehendes den Kunstfreundeneinen freiern Eingang zu eröffnen.
Kunckels Werk enthalt von ihm selbst weniges, aber an sichBedeutendes und durch die Stellung noch bedeutender Er-scheinendes.
Die Grundlage des Ganzen macht ein Tractat des Anto-nius Neri über gedachte Kunst. Dieser Mann, von Florenzgebürtig, war zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts involler Thätigkeit, und mochte zu Muran, wo schon seit zwei-hundert Jahren die Glaskunst blühte, den Grund seiner Kennt-nisse und Fertigkeiten gelegt haben. Sodann hielt er sich inAntwerpen, ferner in Pisa und Florenz auf, zu einer Zeit,wo man überall mit den Venezianern zu wetteifern anfing.Von der Richtung seiner Studien und Beschäftigungen giebtuns das Büchlein genügsames Zeugniß. Aus dem Italiänischenward es zuerst in's Lateinische, dann in's Deutsche übersetzt,und hierauf von Kunckel zum Grunde seiner eigenen Arbeitenund Bemerkungen gelegt; es besteht aus sieben Büchern, derenjedem eine Folge von Kunckels Anmerkungen hinzugefügt ist.
Das erste beschäftigt sich ordnungsgemäß mit den Ingre-dienzien des Glases, dem Kali, der Soda, dem Quarz, undzeigt, wie man vollkommenes und gemeines Glas machen solle.Sodann werden mancherlei Arten angegeben, wie man dasGlas färben könne. Kunckels Anmerkungen bestätigen, berich-tigen und erweitern den Text.
Das zweite Buch geht schon auf complicirtere Glas-
färbung, und handelt deßhalb von den Reagentien, womit dieMetalle aufgelös't und verkalkt werden. Die kurzen Anmer-kungen billigen theils das angerllhmte Verfahren, theils deutensie auf den kürzern Weg.
Das dritte Buch fährt fort sich mit Färbung des Glaseszu beschäftigen; die Anmerkungen hadern mit dem Verfasser,daß seine Vorschriften irre führen, obgleich manches Gute zu-gestanden wird.
Das vierte Buch handelt vom Bleiglas und den dadurchzu erzeugenden Farben, auch noch von einigen andern Fär-bungen und Bedingungen. Kunckel verwirft das Bleiglas alsallzuweich und zeigt, was bei dem übrigen zu bedenken sey.
Das fünfte Buch lehrt in Gefolg des vorigen, wie dienatürlichen Edelsteine nachzuahmen, ja an Schönheit zu über-treffen, obgleich an Härte nicht zu erreichen. Kunckel ist hier-über sehr unzufrieven, weil die Paste zu schwer sey und dochkeine rechte Politur annehme; dann fügt er einige Berichti-gungen und Erleichterungen hinzu.
Das sechsteBuch trägt nun die Bereitung des Schmelz-werkes, neuerlich Emaille genannt, deutlich vor, womitKunckel so zufrieden ist, daß er um dieses Buches willen dasganze Werk eigentlich zu schätzen versichert; dabei gesteht er,mit Vergnügen sämmtliche Versuche durchprobirt zu haben,wovon auch seine Anmerkungen Zeuge sind.
Das siebente Buch endlich handelt von Lackfarben, so-dann vom Ultramarin; zuletzt wendet sich der Vortrag zurGlaskunst wieder zurück, da denn auch Kunckel das Seinigehinzufügt.
Hierauf folgt nun eine besondere Zugabe, welche unter-weis't und anleitet, wie man sowohl Gläser als Flüsse oderkünstliche Edelsteine zur größten Perfektion und Härte bringensolle; deßwegen denn auch ein hierzu erforderlicher Glasofenvorgeschrieben ist. Am Schlüsse wird ausgeführt, wie manDoubletten fertigen nnd erkennen möge.
Diese erste Abtheilung ist nun geschlossen nnd es folgendarauf Christoph Merrets Anmerkungen über die Bücherdes Antonius Neri. Merret, ein Englischer Arzt und Chemiker,schrieb, um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, Noten zuAntonius Neri in Englischer Sprache, welche sodann AndreasFrisius nebst dem Werke des Antonius Neri in das allesvermittelnde Latein übertrug nnd 1668 herausgab, wodurchdenn die Uebersetzung weiter in's Deutsche gefördert ward.