Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Mineralogie und Geologie.

könne, und sich selbst einen Behälter zu bilden im Stande sey,besonders wenn man einer freiwirkenden Natur JahrtausendeZeit läßt, davon kann man sich bei dem Ablauf des Sprudelsund des Neubrunneus in größerm und kleinerm Maaßstabeinen Begriff machen.

Musterstücke dieses von uralten Zeiten her entstandenenund noch täglich vor unsern Augen entstehenden Gesteins liegenmehrere bei. Es ist ei» Kalksinter, der vor allen übrigen,welche in der bekannten Welt entstehen, sich auszeichnet, undder durch seine verschiedenen Lagen und Farben, durch dieschöne Politur, die er annimmt, zuerst auf die hiesigen Stein-arten aufmerksam gemacht hat.

Man kann ihn seinen Farben und seiner Härte nach be-trachten und ordnen. Was die Farbe betrifft, so erscheint der-jenige , der sich mit Zutritt der atmosphärischen Luft gebildethat, braun und braunroth, indem sich die eisenhaltige Naturdes Wassers offenbart und in den kleinsten Theilen des Gesteinsentwickelt. Von dieser Farbe ist mehr oder weniger dasjenigeGestein, das sich beim Ablauf des Sprudels, ferner an Be-hältern , Röhren, Rinnen und anderm Holzwerk ansetzt (35).Braunroth sind alle incrustirten natürlichen oder künstlichenKörper: Blumen, Früchte, Krebse, Töpserwaare, welche manabsichtlich dem Anspritzen des Sprudels aussetzt, um den Cur-gästen ein wundersames Andenken von Carlsbad zu bereiten.

Weiß dagegen war der Kalksinter, der sich in einer ver-schlossenen Röhre bildete, die man vom Schloßbrunnen nachdem Marktbrunnen einen Winter durch hingeleitet, um dasEinfrieren des letztern zu verhüten. Weiß übersintert ist durch-aus das Tannenreis, das Stroh und andere Materialien,womit man in früherer Zeit die Oeffnungen unregelmäßigerAusbrüche des Sprudels verstopfte, und welche später durch ver-schiedene Zufälligkeiten wieder an den Tag gekommen sind (36).

Daß diese Versinterung schichtweise geschehe, folgt aus derSache selbst. Daß in diese Schichten, in sofern sie in freierLuft gebildet werden, ein grünes vegetabilisches Wesen, eineMva, mit aufgenommen und einkrystallisirt werden könne, isteben so natürlich und läßt sich täglich mit Augen schauen (37).

Von der Entstehung der übrigen Musterstücke kann mannur muthmaßliche Rechenschaft geben. Diese verschiedenenArten und Abänderungen sind wahrscheinlich innerhalb derGewölbe selbst, theils durch Andünstung theils durch An-spritzung, von den ältesten Zeiten her entstanden. Die vor-züglichsten Arten kamen beim Grundgraben der Kirche zumVorschein; woher sich denn auch noch die gegenwärtigen Muster-stücke schreiben. Ihre Farben sind mannichfaltig und ihreHärte verschieden.

Die weniger harten zeigen insgesammt durch ihre brauneFarbe die Gegenwart des Eisens. Hierzu kann auch ein gelblichweißer, aus Zickzack gebogenen Lagen bestehender Sprudelsteingerechnet werden (38 , 39, 40); ferner solche, an denen helleund dunkle fleischrothe Lagen abwechselnd zu sehen sind (41,42).

Am angenehmsten fallen die von der härtesten Art in dieAugen, welche eine so schöne Politur annehmen, daß man siefür Chalcedon und Onyx halten sollte (43 , 44 , 45). DieseStücke sind gewiß in den ältesten Zeiten entstanden, und daßsich solche noch gegenwärtig im Tiefsten der heißen Räume er-zeugen, bleibt höchst wahrscheinlich, da hier die Natur aufeine einfache und gleiche Weise immer fortwirkt.

Die bisher vorgeführten Sinterarten haben sich an festenPunkten und Flecken, an Wänden und Gewölben erzeugt.Wir finden nun eine nicht weniger interessante Art, die ausdem Kalksinter besteht, der sich um einen frei schwimmendenund immerfort bewegten Punkt angesetzt, woraus größereoder kleinere erbsenförmige Körper entstanden, die sich nachund nach zu ganzen Massen verbunden und die sogenanntenErbsensteine gebildet; wovon sehr schöne, mit jedem andernGestein, dem Auge nach, wetteifernde Beispiele gleichfalls imGrund der Kirche gefunden und in die Cabinette vertheiltworden (46, 47, 48).

Indem wir nun oben die Gebirgsart, an und in welcherdie heißen Quellen erzeugt werden, nachher aber das Gestein,das durch die heißen Quellen erzeugt wird, zur Kenntniß ge-bracht, so überlassen wir dem Betrachter, über den nähernAnlaß der Erhitzung, der Elasticität, des Hervorspringe»« undHervorquellen« dieses heilsamen Wassers weiter nachzudenken,und kehren zujenerGesteinart des Schloßberges nochmals zurück.

Da derselbe auf der linken Seite der Tcpel liegt, dieHauptquelle aber auf der rechten sich befindet, so durfte manhoffen, jenes Gestein auch hier wieder aufzufinden; welchesaber in der Nähe des Sprudels, weil daselbst alles vermauertund zugepflastert ist, nicht wohl geschehen konnte. Jedoch fandman dasselbe in der mittlern Höhe des Dreikreuzberges wieder,nur mit dem Unterschiede, daß der Harnstein mehr als Quarzerscheint und in demselben nicht allein Granitpunkte, sondernauch die Bestandtheile des Granits einzeln, Glimmer, Quarzund Feldspath, sich vertheilt befinden, und dem Gestein dasAnsehen eines seltenen Porphyrs geben (49).

Merkwürdig ist auch in der Nachbarschaft, da wo derGalgenberg gleichfalls eine Art Vorgebirg wie jenseits undweiter flußaufwärts der Schloßberg bildet, daß mehrgedachtesGestein sich theils in ein grünes (50), theils weißes (51)Porphyr- oder breccienartiges Wesen verliert, und zuletzt inein wahres Conglomerat übergeht (52), dessen nahe Verwandt-schaft mit dem vorhergehenden an mehrern, obgleich seltenernMusterstllckeu vor Augen gebracht werden kann.

Wie nun diese zuletzt beschriebenen Gebirgs- und Stein-arten nur einen kleinen Raum einnehmen, so verbreitet sichdie folgende über die ganze vorliegende tiefere Landschaft, ab-wechselnd, doch nicht in großer Mannichfaltigkeit.

Man thut dieser Gebirgsart wohl Unrecht, wenn man siemit dem Namen eines Sandsteins bezeichnet. Große Massenderselben bestehen aus einem völlig dichten Quarze von splitte-rigem Bruche (53), worin man sehr feine, silberweiße Glim-merblättchen bemerken kann.

Dieses Qnarzgestein, von einfachem Ansehen, verändertsich auf mancherlei Weise. Es erscheint bald als eine hellere(54), bald als eine dunklere (55) Grundmasse, worin hellereOuarztheile eingefaßt sind. Diese, durchaus scharfkantig, neh-men nach und nach in der Masse dergestalt überhand, daß sieeinander berühren und Höhlungen zwischen sich lassen, ja zuletztganz aus dem Bindungsmittel hervortreten (56), ihre scharf-kantige Gestalt behalten, auch wohl auf eine krystallische Bildunghindeuten und mit einander durch ein ockerartiges Wesen ver-bunden sind (57), ob sie gleich oft unmittelbar mit einanderzusammenhängen und man aus dem Bruche die Bemerkungmachen kann, daß sie in einander überfließen.